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13. August 2009, 17:30 Uhr

"Arctic Sea" angeblich gesichtet

Lange hat es keine Spur gegeben, nun ist der vermisste Frachter "Arctic Sea" möglicherweise vor Gibraltar entdeckt worden. Um die Fracht ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien.

Arctic Sea, Rätsel, Ostsee-Mafia, Russland, Gibraltar

Die "Arctic Sea" auf hoher See: Angeblich wurde sie vor Gibraltar gesichtet© Marine-Informationsdienst "Sowfratscht"/EPA

Haben Piraten oder die Mafia die "Arctic Sea" entführt? Hatte der Holzfrachter eine geheime oder gefährliche Fracht geladen? Und warum ist Russland so daran interessiert, das Schiff zu finden, das nach seiner Fahrt durch den Ärmelkanal seit rund zwei Wochen spurlos verschwunden ist? Das mysteriöse Schicksal des Frachters mit seiner 15-köpfigen Besatzung sorgt für immer wildere Spekulationen und Verschwörungstheorien, das Rätselraten dauert an. Und die Frauen und Verwandten der russischen Seeleute bangen um ihre Angehörigen und bitten Russland und die Länder Westeuropas um Hilfe bei der Suche. Eine erste Spur führt möglicherweise nach Gibraltar.

Eine russische Fregatte hat nach Aussage eines Schifffahrtsjournalisten vor Gibraltar ein Schiff ausfindig gemacht, das dem verschwundenen Frachter "Arctic Sea" ähnelt. Das teilte der Chefredakteur des Marine-Informationsdienstes "Sowfratscht", Michail Bojtenko, am Donnerstag im russischen Fernsehen mit. Er berief sich auf einen Informanten im Moskauer Verteidigungsministerium. Die Fregatte "Ladni" habe die Verfolgung des Schiffes aufgenommen. Der Frachter "Arctic Sea" ist seit Ende Juli verschollen. Die Reederei des unter maltesischer Flagge fahrenden Schiffs geht davon, dass ihr Schiff von Piraten gekapert wurde.

Bisher keine Lösegeld-Forderung

"Die Osteuropa-Mafia könnte dahinter stecken. Esten, Letten oder Russen. Möglicherweise geht es um Drogen", zitieren britische Zeitungen einen Piraten-Experten, der wegen früherer Verhandlungen mit somalischen Seeräubern nicht namentlich genannt werden möchte. Sollte sich das Schiff in der Hand von Piraten befinden, befürchtet der Experte das Schlimmste. "Die Crew könnte tot sein."

Gegen die Piratenthese spricht jedoch, dass bislang noch keine Lösegeld-Forderung bekannt wurde. Eine solche Forderung bei der finnischen Reederei eingehen, doch die gibt sich bisher zugeknöpft. Selbst Anfragen aus Finnland werden abgebügelt, nicht beantwortet, Telefonhörer werden aufgelegt.

Der russische Schifffahrtsexperte Michail Wojtenko glaubt hingegen nicht, dass Piraten in der Ost- oder Nordsee zugeschlagen haben, um Lösegeld für das Schiff, die Besatzung oder die Holzfracht im Wert von über einer Million Euro zu erpressen. "Als einzig vernünftige Antwort erscheint mir, dass das Schiff heimlich mit etwas beladen wurde, von dem wir nichts wissen", sagt er und erinnert daran, dass das Schiff im russischen Kaliningrad vor Anker lag, bevor es in Finnland mit dem Holz beladen wurde.

Besteht die Fracht aus Waffen?

Dass es sich dabei um Drogen oder gar um normale Schmuggelware handelt, schließt der Herausgeber des Informationsdienstes jedoch aus. "Ich denke, es ist etwas, das teurer und gefährlicher ist." Zuvor hatte es schon Gerüchte gegeben, dass das Schiff Waffen aus Russland für Afrika geladen haben könnte. Zielhafen der "Arctic Sea" war die Hafenstadt Bejaia im Nordosten Algeriens.

In diesem Fall wäre offen, ob die Waffen in Russland, in Finnland oder erst während der Fahrt nach Algerien an Bord gekommen sind. Nach Berichten der Behörden war die "Arctic Sea" einen Tag nach ihrem Auslaufen aus Finnland in der Ostsee von bewaffneten Männern vorübergehend gekapert worden. Und niemand weiß, was damals auf dem Schiff wirklich passierte.

Angehörige der Seeleute bangen

Hintergrund könnte aber auch ein wirtschaftlicher Streit sein, theoretisch könnte die "Arctic Sea" auch irgendwo an der Westküste Afrikas gestrandet sein. Oder Piraten haben den Frachter zu einem Geisterschiff gemacht, das sie - versehen mit einem neuen Anstrich und einem neuen Namen - für ihre Angriffe auf andere Schiffe nutzen.

Die Angehörigen der 15 russischen Seeleute wollen Klarheit und schrieben einen offenen Brief an ihren Präsidenten Dmitri Medwedew. "Wir bitten darum, alle nötigen russischen Sonderdienste mit einer umfassenden Such- und Rettungsoperation zu beauftragen."

Das russische Verteidigungsministerium gibt sich angesichts der Suchaktion seiner Flotte ähnlich schmallippig wie die Reederei. Zur Rolle der angeblich an der Suche beteiligten Atom-U-Boote sagte ein Ministeriumssprecher: "U-Boote der russischen Marine erfüllen spezifische Aufgaben in verschiedenen Gebieten des Weltmeeres. Der Inhalt dieser Aufgaben sowie die Koordinaten von U-Booten werden geheim gehalten."

DPA/Reuters
 
 
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