Die Hinrichtung Saddam Husseins hat nicht nur im Irak für Diskussionen über Todesurteile geführt. Anlässlich des dritten Weltkongresses gegen die Todesstrafe räumt stern.de mit den populärsten Legenden über die schwerste aller Strafen auf. Von Tim Schulze

Auf einer solchen Liege im Gefängnis von Lucasville im US-Bundesstaat Ohio werden zum Tode Verurteilten Giftspritzen gesetzt© Kiichiro Sato/AP
Als das Urteil gegen den Halbbruder Saddam Husseins, Barsan al Tikriti, Mitte Januar vollstreckt wurde, geriet die Hinrichtung zu einer Demonstration gegen die Todesstrafe. Tod durch den Strang lautete das Urteil des irakischen Gerichts, das den Prozess gegen Saddam und einige seiner Gefolgsleute geführt hatte. Die Bilder, die nach der Hinrichtung in die Öffentlichkeit gelangten, zeigten eine grausame Szene: Der Strang enthauptete den ehemaligen Günstling des brutalen Diktators statt ihn zu strangulieren.
Es war nicht die erste Hinrichtung, die die Grausamkeit der Todesstrafe aufzeigte. Im Dezember des vergangenen Jahres bekommt der 55-jährige Amerikaner Angel Diaz im Gefängnis von Starke in Florida eine Giftspritze. Normalerweise verlieren die Todeskandidaten schnell das Bewusstsein - nicht so Diaz: Über 30 Minuten ringt er mit dem Tod, eine zweite Injektion ist nötig, bis der Mann stirbt. Zuvor hatte Diaz 26 Jahre in der Todeszelle gesessen. Ärzte sprechen von höllischen Schmerzen, die Diaz bis zu seinem Ende durchlitten haben muss. Seitdem sind alle Hinrichtungen in den Bundessaaten Florida und Kalifornien ausgesetzt.
Diskussion lebt wieder auf Die beiden Ereignisse haben dafür gesorgt, dass in den USA und weltweit die Diskussion um die Todesstrafe wieder aufgelebt ist. Passend dazu findet jetzt in Paris drei Tage lang der dritte Weltkongress gegen die Todesstrafe statt. Unter der Schirmherrschaft des französischen Präsidenten Jacques Chirac treffen sich rund tausend Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen und Menschrechtsgruppen, um weiter "Druck auf die Staaten mit Todesstrafe auszuüben und das Thema in der Öffentlichkeit zu halten", sagt Oliver Hendrich, der für Amnesty International Deutschland nach Paris reist.
"Es geht vor allem darum, eine Strategie für die nordafrikanischen Staaten und den mittleren Osten zu entwickeln, wo das Problem besonders relevant ist", sagt Hendrich. Das zweite Hauptanliegen des Kongresses ist es, den Druck auf China zu erhöhen. Offiziell sind in der Volksrepublik allein im Jahr 2005 über 1700 Menschen hingerichtet worden. Experten gehen von bis zu 8000 Exekutionen jährlich aus. "Wir wollen erreichen, dass die Machthaber in Peking den UN-Zivilpakt ratifizieren, den sie im Hinblick auf die Olympischen Spiele, die nächstes Jahr dort stattfinden, bereits unterschrieben haben", sagt Hendrich. Das wäre ein großer Schritt für die Akzeptanz der Menschenrechte in der aufstrebenden Wirtschaftsnation.
Rund 30 Prozent der Deutschen sind für Todesstrafe
Nach Angaben von Amnesty International wurden im Jahr 2005 mindestens 2148 Menschen in 22 Staaten hingerichtet. Neben dem Spitzenreiter China gab es die meisten Hinrichtungen in Iran (94), Saudi Arabien (86) und den USA (60, davon 24 in Texas). In Deutschland sind nach einer Allensbach-Umfrage 70 Prozent der Bevölkerung gegen die Todesstrafe, während 30 Prozent für die Wiedereinführung plädiert.
Dabei "sind die Argumente der Befürworter nicht haltbar", sagt Hendrich. Sie entsprechen weder Menschenrechts-Standards noch halten sie wissenschaftlichen Fakten stand. Vor allem das wichtigste Argument, die Abschreckung, hat sich als vollkommen falsch erwiesen. Aber auch für die Frage der Gerechtigkeit oder einer angemessenen Strafe für Schwerstverbrechen ist die Todesstrafe die falsche Antwort. Im Folgenden hat stern.de für Sie die wichtigsten Legenden der Todesstrafen-Befürworter aufgelistet.