Wer wird Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten? Hillary Clinton schien die sichere Siegerin - doch jetzt ist der Sympathieträger Barack Obama der Favorit. Ein enger Weggefährte John F. Kennedys prophezeit einen Triumph des schwarzen Kandidaten. Ein Porträt von Katja Gloger, Iowa

Barack Obama, hier bei einem Konzert, gilt als Hoffnungsträger der Demokraten© Picture Alliance
Es ist schon eine ganze Weile her, dass sich Ted Sorensen in einem Wahlkampf engagiert hat. Genauer gesagt: 47 Jahre. Damals, 1960, war er einer der engsten Freunde eines gewissen John F. Kennedy. Der Senator aus Massachusetts, damals gerade 43 Jahre alt, wollte Präsident werden. Sorensen kannte Kennedy seit vielen Jahren, war einer seiner engsten Berater, und er glaubte an ihn. "Seine Kandidatur schien gegen alle Wahrscheinlichkeiten", sagt er im Gespräch mit stern.de.
Damals herrschte regelrecht Endzeitstimmung in Amerika. Die Sowjetunion war ein furchterregender Gegner, man glaubte, der Kalte Krieg werde bald in einen echten Krieg münden. Damals waren viele Menschen überzeugt, ein Nuklearkrieg sei unvermeidlich.
Und dann kam er, ein junger, ziemlich unerfahrener Senator, ein Katholik obendrein im protestantischen Amerika, und er wollte Präsident werden. Niemand glaubte an einen Sieg. "Mit John F. Kennedy", sagt Ted Sorensen, "siegte die Hoffnung über die Angst. Und ich habe keinen Zweifel daran, dass dies auch 2008 so sein wird. Und zwar mit Barack Obama. "
Damals zog ein strahlender, ein energischer Präsident ins Weiße Haus, ein Mann, der auf die Kraft der Vernunft vertraute. Und auf das bessere Amerika. Sein berühmtester Satz meißelte sich ein in Amerikas kollektives Gedächtnis: "Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann. Frage, was Du für Dein Land tun kannst." In Deutschland, im Rest der Welt, machten ihn vier Worte zur Legende: "Ich bin ein Berliner."
Ted Sorensen wurde zu einem der engsten Berater des Präsidenten. Der nannte ihn "mein Alter Ego". War sein Rechtsberater, schrieb seine Reden. Er erlebte die dramatische Kuba-Krise, war dabei, wie Kennedy den kriegslüsternen Generälen widerstand. Und er musste erleben, wie sein enger Freund einem Attentat zum Opfer fiel. Ebenso wie fünf Jahre später dessen Bruder Robert Kennedy.
Sorensen zog sich verbittert aus der Politik zurück, arbeitete als Rechtsanwalt in New York. Doch dann merkte er auf, als ein junger Senator aus dem Bundesstaat Illinois vor drei Jahren auf dem Parteitag der Demokraten eine mitreißende Rede über die Einigkeit der Nation hielt. Der Mann hieß Barack Obama, gerade war er zum US-Senator gewählt worden. Sorensen war beeindruckt.
Und dann, vor ungefähr einem Jahr, fragte ihn dieser Barack Obama um Rat. Was spräche dafür, für das Präsidentenamt der USA zu kandidieren? Was dagegen? "Ich riet ihm, mit seiner Frau, seinem Arzt und seinem Banker zu sprechen. Was gegen seine Kandidatur sprach? Auch Kennedy wurde damals vorgeworfen, dass er unerfahren sei, zu jung, und außerdem katholisch", sagt Sorensen, 79. "So wie man Obama heute vorwirft, zu jung zu sein, zu unerfahren, zu schwarz. Unwählbar. Aber er ist wählbar. Und er kann ein neuer Kennedy für eine neue Generation werden."
Er, der Mann mit dem merkwürdigen Namen. Barack Hussein Obama, 46 Jahre alt. Jurist, Senator, verheiratet, zwei Kinder.
Seit Monaten reist Barack Obama durch das Land. Er zieht durch die kleinen Städte, absolviert drei, vier Veranstaltungen pro Tag. Spricht zu Studenten, Rinderzüchter, Maisbauern. Und auf einmal ist es, als wolle ihn jeder sehen. Ihm die Hand schütteln. Ihm, dem Hoffnungsträger. Dem Mann, der echte Veränderung symbolisiert. Er, der Schwarze, der auch für Weiße wählbar ist. "Er ist das politische Äquivalent zu einem Regenbogen", huldigte ihm das Nachrichtenmagazin "Time" schon vor einem Jahr. Und ein republikanischer Bewunderer lobt: " Er ist eine Hoffnungsmaschine."
Katja Gloger Die US-Hauptstadt ist ein politisches Haifischbecken, in dem getuschelt, geschmiedet, verschworen und gestürzt wird. Mittdendrin: Katja Gloger. Die stern-Korrespondentin beobachtet in ihrer Kolumne "Washington Memo" den Präsidenten und beschreibt die, die es werden wollen. Dazu der neueste Klatsch aus dem Weißen Haus und von den Fluren des Kongresses.