SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück dürfte seine Gastgeber in trister Stimmung antreffen. Frankreichs Präsident Holland gerät wegen der Verwicklung von Vertrauten in Finanzaffären immer mehr in Bedrängnis.

"Mein wahrer Feind (...) ist die Finanzwelt" - mit Aussagen wie diesen hatte Hollande im Wahlkampf polarisiert© Von Ansgar Haase, DPA
Gute Stimmung in Paris? Wenn SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an diesem Freitag Frankreichs Präsidenten François Hollande trifft, darf er darauf wohl kaum hoffen. Für den sozialistischen Staatschef könnte es zurzeit kaum schlechter laufen. Zwei Tage nach dem Schwarzgeld-Geständnis seines zurückgetretenen Budgetministers Jérôme Cahuzac tauchten am Donnerstag Berichte über zwielichtige Finanzgeschäfte seines früheren Wahlkampfmanagers Jean-Jacques Augier auf. Dieser investierte als Unternehmer ausgerechnet in einem derjenigen Steuerparadiese, die Hollande zum großen Gegner erklärt hat. "Schweiz der Karibik" werden die Kaimaninseln auch genannt.
Für den Präsidenten sind Enthüllungen wie diese Gift - auch wenn bislang keinerlei illegales Verhalten Augiers nachgewiesen ist. "Ich mag die Reichen nicht", "Mein wahrer Feind (...) ist die Finanzwelt" oder "Ich will eine vorbildliche Republik" - mit Sätzen wie diesen hatte Hollande in den vergangenen Jahren die Stimmen der Linken erobert. Viele Franzosen setzten darauf, dass der Sozialist bei der Auswahl seines Personals ein besseres Händchen als sein konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy haben würde.
Auf Staatskosten abgerechnete Zigarren für 12 000 Euro, ein 117 000 Euro teurer Privatjet-Flug, zweckentfremdete Dienstwohnungen und ein Luxus-Hotelzimmer für eine Staatssekretärin erschütterten Ansehen und Glaubwürdigkeit von Sarkozys Regierungsteam. Ganz zu schweigen von der bis heute nicht aufgeklärten Affäre um die L'Oréal-Milliardenerbin Liliane Bettencourt. Sarkozy und seinem damaligen Minister Eric Woerth wird vorgeworfen, vor dem Präsidentschaftswahlkampf 2007 illegale Spenden aus dem Hause Bettencourt angenommen zu haben.