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12. Dezember 2006, 19:49 Uhr
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Alles, was Nazis hören möchten

Der Spuk ist vorbei, die Holocaust-Konferenz in Teheran zu Ende. Zum Abschluss bedankte sich Irans Präsident Ahmadinedschad mit einer Ansprache, die alles enthielt, was Nazis gerne hören möchten. Von Steffen Gassel, Teheran

Applaus von Holocaust-Leugner für einen der ihren: Mahmud Ahmadinedschad© Raheb Homavandi/Reuters

Ganz zum Schluss wollte Arnold Cohen doch noch an die Wahrheit erinnern. Der alte Rabbi griff das Mikrofon und sah Mahmud Ahmadinedschad an. "Ich bin kein Historiker", sagte der orthodoxe Jude, der den Staat Israel aus religöser Überzeugung ablehnt. "Aber ich weiß aus eigener leidvoller Erfahrung von Menschen, die die Nazis umgebracht haben. Millionen Juden sind verschwunden, aus Polen, aus Ungarn, aus ganz Europa. Ich verstehe nichts von Gaskammern. Aber eines steht doch fest: Diese Leute sind nicht mehr unter uns."

Doch die Worte des Rabbis kamen zu spät. Das Ergebnis der Teheraner Holocaust-Konferenz stand schon fest. "Die Vorstellung, die Nazis hätten sechs Millionen Juden in Gaskammern getötet und verbrannt, ist eine Erfindung der von den Zionisten aufgehetzten Siegermächte," so hatte es der iranische Vize-Außenminister Mohammadi bei einer Audienz in Ahmadinedschads Amtsitz heute Nachmittag resümmiert. Anschließend ließ sich der iranische Präsident von den Teilnehmern der Teheraner Holocaust-Konferenz als Champion der Redefreiheit huldigen. "Dr Ahmadinedschad, Sie haben uns vom Dogma des Holocaust befreit," rief der australische Gaskammern-Leugner Fredrick Töben. "Damit machen Sie Geschichte. Die Politiker überall in der Welt zittern vor Ihnen." Donnernder Applaus.

Ahmadinedschad bedankte sich mit einer Ansprache, die alles enthielt, was die Ewig-Gestrigen gerne hören. "Warum kann man im Westen Gott und die Propheten infrage stellen, aber niemand darf es wagen, den Holocaust zu hinterfragen?" sagte er und verglich die Erinnerung an die Judenvernichtung mit einem Götzendienst. "Ob er stattgefunden hat, oder nicht, in großem oder kleinerem Ausmaß - der Holocaust ist zu einem Vorwand für die Unterdrückung der Menschen unserer Region geworden", wetterte der Präsident. "Und nicht nur dort: In Europa hält eine kleine Minderheit von Zionisten die große Mehrheit der Leute zum Narren. Der Krieg ist 60 Jahre her - warum sollen die Menschen heute immer noch unter den Folgen des Krieges leiden?"

Angst vor deutscher Justiz

Die deutschen Teilnehmer der Konferenz hielten sich bei der Audienz im Hintergrund - wohl aus Furcht, wegen einer Äußerung hier in Deutschland vor Gericht zu landen. Am Vormittag bereits hatte der österreichische Wolfgang Fröhlich seinen angekündigten Auftritt abgesagt. "Ich kann meine Rede leider nicht wie geplant halten", erklärte er. "Sonst werde ich bei meiner Rückkehr gleich am Flughafen in Wien verhaftet." Sein Anwalt habe ihn angerufen und abgeraten, sagte Fröhlich und bat um Verstädnis. "Ich habe doch schon zwei Jahre im Gefängnis gesessen." Für seinen Rückzieher erntete er langen Applaus.

Sonst ging das Treffen in Teheran mit den gleichen Parolen weiter wie gestern. Alte und neue Nazis aus Europa genossen es, sich als aufrechte Kämpfer für die historische Wahrheit feiern zu lassen. Referenten aus der islamischen Welt fühlten sich von den Thesen der Holocaust-Leugner in ihrer Überzeugung bestärkt, Israel dürfe nicht existieren.

"Wurzel des Übels ist der Judaismus"

Einen skandalösen Höhepunkt bildete die Rede der Australierin Michèle Renouf. "Wir reden immer nur über Holocaust und Zionismus und vergessen dabei die Wurzel des Übels: Den Judaismus," rief die Schauspielerin, die außer durch ihre Nazi-Thesen bisher nur durch ihren Titel als Schönheitheitsköniging des Antipoden-Kaffs Newcastle aufgefallen ist. "Mit ihrem Glauben, sie seien allen anderen Menschen überlegen, korrumpieren die Juden unsere Kultur." Wer von Anfang an am Versprechen der Organistoren gezweifelt hatte, die Konferenz finde in "vollem Respekt gegenüber der jüdischen Religion" statt - der fühlte sich spätestens jetzt bestätigt.

Mit den meisten Anwesenden war sich Renouf einig, dass Israel kein Existenzrecht habe. Dem Vorschlag des iranischen Präsidenten, die Juden in ihre ehemaligen Heimatländer in Europa zurückzuschicken, wollte sie allerdings nicht zustimmen. "Das ist doch schon einmal schief gegangen. Früher oder später machen sich die Juden verhasst, egal wo sie hinkommen." Für Mahmud Ahmadinedschad hatte sie trotz dieser kleinen Meinungsverschiedenheit jedoch nur Lob. "Das ist einer der wenigen Politiker, der den Mut hat, die Wahrheit auszusprechen."

Von Steffen Gassel, Teheran
KOMMENTARE (5 von 5)
 
entenkueken (14.12.2006, 11:33 Uhr)
Unter dem Deckmantel irgendeines Glaubens...
Es ist so arm von der Menschheit jede Verantwortung für ihr Tun mit der tollen Entschuldigung "Gott hat es so gewollt" (oder wer auch immer Vorbeter einer Religion ist)oder "Gott wird uns schon beistehen". Gar nix wird er...weil alles was wir Menschen an schrecklichen Dingen tun, wir selber zu verantworten haben. Wenn ich schon eine Frau Schavan höre, die Kirchen müssten sich wieder aktiver in den Schulen beteiligen, um den Kindern wieder Moral, Rücksicht und Toleranz nahe zu bringen, da schüttelts mich doch. Kann ich als MENSCH nicht einfach Rücksicht auf andere nehmen? Kann ich als MENSCH nicht einfach andere Kulturen respektieren? Kann ich als Mutter meinem Kind nicht einfach vorleben, was Toleranz ist und dass es Worte wie "danke" und "bitte" gibt!?
Wozu brauch ich da die Kirche?
Mich macht diese "Glaubenskrieg-Situation" sehr wütend, weil jede Religion ihre Berechtigung hat, solange sie friedlich ist. Ich glaube nicht mehr und achte andere Menschen trotzdem, vorallem aber fühle ich mich für mein eigenes Tun selbst verantwortlich!
KlugerMensch (13.12.2006, 09:35 Uhr)
Hmmm....
Ich habe so meine bedenken was Mahmud Ahmadinedschad damit wirklich erreichen will, denn ich kann mir nicht vorstellen das er sooo dumm ist das sich nicht darüber im klaren ist was für Konsequenzen die anderen aus seinen abfallenden anti-semitischen Worten ziehen werden.
Ich habe irgendwie das Gefühl das Mahmud Ahmadinedschad es ganz bewusst darauf anlegt, und wer etwas so bewusst darauf anlegt der führt etwas im Schilde , ich kann nur hoffen das Israel nicht auf bewußte Provokation von Mahmud Ahmadinedschad eingehen wird, denn sollte Israel zu präventiven Masnahmen gegenüber dem Iran griefen so glaube ich könnte das für Israel ein böses erwachen geben, denn Mahmud Ahmadinedschad muss etwas im Schilde führen, er legt es ja gerade zu darauf an das, man präventive Massnahmen gegen ihn und sein Land führt.
Xander85 (13.12.2006, 08:13 Uhr)
Traurig!
Es ist traurig das es wirklich Menschen gibt die so ignorant und dämlich durchs Leben gehen! Wie sollen wir den "normalen" Menschen klarmachen das Nazitum falsch ist wenn Politiker und Schauspieler auf so einem Treffen alles anzweifeln. In dem ersten Kommentar wird davon gesprochen dass es damals niemals 6 mio. Holocaust-Opfer gab, ich sage dazu nur auch wenn es gar kein Holocaust-Opfer gab, allein schon der Gedanke daran und die Vorstellung ist wiederlich und anstößig. Vielleicht sollte man diese Menschen einmal mitnehmen in eines der unzähligen vorhandenen KZ-Lager, damit sie selbst den Schmerz und die immer noch dort in der Luft liegende Grausamkeit mitbekommen!
Kein Mensch hat soetwas verdient!!!
Glaubenskrieg!!!
Heute wird überall diskutiert welcher Glauben vernünftig ist,
heute wird überall proklamiert ohne Glauben bist du Atheist,
verschiedene Kulturen haben halt verschiedene Glauben,
doch kann man sich deshalb wirklich im Namen Gottes alles erlauben?
Es gibt Moslems, Chirsten, Juden und kleinere Religionen,
und jeder dieser Glauben erweckt im anderen ungeahnte Aggressionen,
die Christen mordeten und plünderten für die Kirche auf dem Kreuzzug,
sie nahmen wervolle Reliquien mit und machen heute alle auf Altklug!
Damals war es das Ziel alle ungläubigen zum Glauben Jesu zu bekehren,
doch heute sind es die Moslems, die versuchen uns eines besseren zu belehren,
Allah ist der einzigste und andere Glauben werden unterdrückt,
in der heutigen Zeit, ohne Vorgeschichte, denken wir sie wären verrückt!
Man sollte nie auf den Gefühlen anderer Menschen herumtrampeln,
doch sollte man es nie soweit kommen lassen, dass Religion die Politik bestimmt,
heute sieht man welch grausige Wendung die Religionsgeschichte nimmt!
Die Juden sind meistens die Leid tragenden, werden gehetzt und tyrannsiert,
sie sind es schließlich die Jesus ermordeten, das ist worauf die Geschichte basiert?
Doch wie kann man die Religionen dazu bringen Friedlich zusammen zu leben,
ohne das sie aus welchen Gründen auch immer Besitzansprüche erheben?
Wir sind alle Menschen, erschaffen von dem Schöpfer, Allah, Jahwe, Gott,
bei reichlich Überlegung, wir spielen uns gegenseitig aus wie bei einem Komplott!
In der heutigen Zeit läuft alles auf den 3. Weltkrieg, den 1. Glaubenskrieg hinaus,
das wird bei einem Atomkrieg nur für die Aasfresser ein toller Festschmaus,
also warum besinnen wir uns nicht alle endlich darauf was in jeder Schrift steht,
liebe deinen nächsten, dann sehen wir nicht zum letzten Mal wie die Sonne aufgeht!!!
Lachender (13.12.2006, 08:01 Uhr)
Ewiggestrige
Die Frage, liebe Sternmitarbeiter, und die anderen gleichgesinnten Konsorten, die Sie sich stellen sollten lautet: Wer wird wohl der Ewiggestrige sein, Ihr oder die anderen?
gmmonko (13.12.2006, 07:39 Uhr)
Fakten?!
Das der Holocaust stattgefunden hat, wird auch von den Teilnehmern dieser Konferenz nicht angezweifelt. Es gibt allerdings einige Fragen. Die Zahl mit 6 Millionen und in einigen Geschichtsbuechern sogar weitaus hoeher ist vermutlich zu hoch, aber das spielt im Falle des Holocaust's auch nicht die Rolle. Es ist und war eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte.
Leider hat Israel faktisch eine Holocaust-Industrie aufgebaut um Gelder auch dort einzukassieren, die nicht fuer Israel bestimmt waren, sondern fuer Zwangsarbeiter.
Das Israel und auch der Zentralrat der Juden noch immer den Holocaust als Peitsche schwingen, um jegliche Kritik am Tun des Staates Israels - Voelkermord und ethnische Saeuberungen - zu unterdruecken, ist eigentlich ziemlich dumm. Mittlerweile ist in Deutschland eine neue Generation herangewachsen, die politisch nicht ungebildet ist und solche Propagandaspiele mit Sicherheit nicht mag.
Leider hat Ahmadinejad recht - die Juden sind, aufgrund ihrer grausamen Taten in Gaza und Libanon wieder genauso verhasst wie lange nicht mehr.
Es gibt wie in allen Laendern auch in Israel eine schweigende Mehrheit, die diese Verbrechen verurteilt.
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