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1. Januar 2009, 17:03 Uhr

Hamas-Führer stirbt bei Raketenangriff

Sechs Tage Krieg und kein Ende des Blutvergießens in Sicht: Während militante Palästinenser erneut Raketen auf israelische Städte feuern, fliegt Israel weiter massive Luftangriffe auf den Gaza-Streifen. Erstmals wurde dabei eine Schlüsselfigur der Hamas getötet - und mit ihm seine gesamte Familie ausgelöscht.

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Wut und entsetzen: Eine israelische Rakete traf das Haus des ranghohen Hamas-Führers Nisar Rian im Flüchtlingslager Dschebalia im nördlichen Gaza-Streifen und riss ihn und seine Familie in den Tod© Ismail Zaydah/Reuters

Knapp eine Woche nach Beginn der blutigen Militäroffensive Israels im Gaza-Streifen geht die Gewalt unvermindert weiter: Bodentruppen warteten am Donnerstag auf den Einmarschbefehl, während militante Palästinenser erneut israelische Städte mit Raketen beschossen. Auch die israelischen Luftangriffe, bei denen bislang mehr als 400 Palästinenser getötet und mehr als 2000 verletzt wurden, wurden den sechsten Tag in Folge fortgesetzt.

Unterdessen gehen diplomatische Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas weiter. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der gemäßigten Fatah will sich dafür beim Weltsicherheitsrat einsetzen. Abbas werde solange in New York bleiben, bis es eine Resolution mit einer klaren Zeitvorgabe für ein Ende der Gewalt gebe, sagte Abbas-Sprecher Jassir Abed Rabbo in Ramallah. Abbas wolle ein Ende der israelischen Militäroffensive erreichen. Im Gegenzug sollten alle Palästinensergruppen den Kampf einstellen und eine neue Waffenpause einhalten.

Bislang lehnt Israel eine Waffenruhe kategorisch ab. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP verlautete jedoch aus Regierungskreisen, dass eine internationale Beobachtermission Vorbedingung für eine Waffenruhe sei. Ministerpräsident Ehud Olmert werde keinem Waffenstillstand zustimmen, wenn nicht eine internationale Truppe die Verantwortung für dessen Einhaltung übernehme, hieß es.

Die israelische Außenministerin Zipi Livni reiste am Donnerstag nach Paris, um mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy über die Gaza-Krise zu sprechen. Sarkozy wird am Montag zu Vermittlungsgesprächen in Israel erwartet. Israel hatte einen französischen Vorschlag über eine 48-stündige Waffenruhe abgelehnt.

Olmert bekräftigte am Donnerstag, Israel wolle mit "eiserner Hand" gegen Hamas vorgehen. "Ich hoffe, dass wir unsere Ziele so schnell wie möglich erreichen", sagte er bei einem Besuch in Beerschewa.

Der ehemalige palästinensische Ministerpräsident von der Hamas, Ismail Hanija, hatte am Mittwochabend während einer Fernsehansprache Gesprächsbereitschaft mit Israel signalisiert. Als Vorbedingung verlangte er das sofortige Ende der Militäroperation, die Aufhebung der israelischen Blockade des Gaza-Streifens und die Öffnung der Grenzübergänge. Hanija hält sich wie andere Hamas-Führer versteckt.

Ein israelischer Armeesprecher sagte erstmals, Ziel der Offensive sei nicht der Sturz von Hamas. Avi Benajahu sagte dem israelischen Armeesender: "Wir haben keinerlei Absicht, den Gaza-Streifen wiederzubesetzen oder Hamas zu stürzen." Ziel sei es vielmehr, eine Abschreckung gegen künftige Raketenangriffe auf Israel zu schaffen. Die Offensive solle erst dann enden, wenn eine "neue Sicherheitsrealität in den Gemeinden im Süden Israels geschaffen ist", sagte Benajahu.

Schlüsselfigur der Hamas getötet

Erstmals seit Beginn der Offensive am vorigen Samstag wurde nach Augenzeugenberichten auch eine Schlüsselfigur der Hamas getötet. Eine Rakete traf das Haus von Nisar Rian im Flüchtlingslager Dschebalia im nördlichen Gaza-Streifen. Bei dem Angriff wurden auch dessen Ehefrau sowie acht Kinder getötet. Rian agierte als Verbindungsmann zwischen dem militanten und dem politischen Flügel.

Eine israelische Armeesprecherin bestätigte, dass der Angriff Rian gegolten habe. Sie machte das Hamas-Führungsmitglied für Anschläge auf israelische Zivilisten verantwortlich. Danach soll Rian im Jahr 2002 unter anderem seinen eigenen Sohn zu einem Selbstmordanschlag in einer ehemaligen jüdischen Siedlung im Gaza-Streifen abkommandiert haben.

Bodenoffensive soll heftig und kurz werden

Der israelische Rundfunk meldete am Donnerstagmorgen, mehrere tausend Soldaten stünden am Rande des Gaza-Streifens bereit, darunter viele Reservisten. Der Bodeneinsatz mit starken Verbänden solle nach Vorstellung der Armee heftig und kurz sein, hieß es. Bei den Luftangriffen wurden in der Nacht zum Donnerstag Regierungsgebäude der Hamas sowie Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten beschossen. Die Marine habe von der See aus erneut Ziele der Hamas bombardiert.

Der heftige Raketenbeschuss israelischer Städte durch militante Palästinenser ging unterdessen weiter. In den Städten Beerschewa, Aschkelon und Aschdod schlugen auch am Donnerstag wieder mehrere Raketen ein, wie israelische Medien berichteten. In Aschdod wurde ein achtstöckiges Wohnhaus direkt getroffen. Die Explosion der Rakete löste einen Brand aus. Zwölf Menschen hätten einen Schock erlitten, meldete der israelische Rundfunk. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden mehr als 15 Raketen auf Israel abgefeuert. Seit Beginn der Offensive sind vier Israelis bei den Raketenangriffen getötet worden.

Israel, Gaza, Gaza-Streifen, Ägypten, Hamas, Bodenoffensive

© stern.de-Infografik

DPA/AP
 
 
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