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30. September 2011, 07:50 Uhr

Rebellen fassen offenbar Gaddafi-Sprecher Ibrahim

Sie hatten schon einmal seinen Tod verkündet - und mussten sich später korrigieren. Nun melden Libyens Rebellentruppen die Festnahme von Mussa Ibrahim, dem Sprecher von Muammar al-Gaddafi. Er soll versucht haben, aus der Stadt Sirte zu fliehen - in Frauenkleidern.

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Mussa Ibrahim bei einer Pressekonferenz vor zwei Monaten. Jetzt soll der Sprecher von Gaddafi festgenommen worden sein© Mohamed Messara/DPA

Die Truppen des libyschen Übergangsrates haben in der schwer umkämpften Stadt Sirte angeblich Mussa Ibrahim, den Regierungssprecher von Oberst Muammar al-Gaddafi, gefangen genommen. Der Fernsehsender der Aufständischen von Misrata meldete am Donnerstag, Ibrahim sei in der Nacht geschnappt worden, als er versucht habe, zusammen mit einer Gruppe von Zivilisten die Stadt zu verlassen. Ibrahim habe Frauenkleider getragen und sei verschleiert gewesen. Der Sender kündigte an, er wolle demnächst Bilder von der Gefangennahme zeigen. Zwei Kommandeure des Nationalen Übergangsrats bestätigten die Festnahme.

Die Kämpfer der neuen Machthaber hatten bereits Mitte September fälschlich berichtet, Ibahim sei bei einem Angriff östlich von Tripolis getötet worden. Kurz darauf hatten sie sich korrigiert und gemeldet, ein Bruder des Sprechers sei verwundet in ein Krankenhaus gebracht worden. Ibrahim meldete sich später mit einer Botschaft an die letzten Anhänger von Gaddafi, denen er versicherte, der "Bruder Führer" sei bei bester Gesundheit. Gaddafi wird in einem Wüstengebiet nahe der algerischen Grenze vermutet. Zwei seiner Söhne sollen sich in den noch umkämpften Städten Bani Walid und Sirte aufhalten.

Flughafen von Sirte in der Hand der Rebellen

In Sirte haben die Aufständischen offenbar den Flughafen erobert. Das meldete ein Reuters-Reporter aus Gaddafis Geburtsort. Seit einer Woche versuchen die Kämpfer der neuen Regierung Sirte einzunehmen, scheiterten zunächst aber mit zwei Großangriffen. Scharschützen und Artilleristen des gestürzten Machthabers hielten sie auf Abstand. Am Dienstag meldeten die Truppen dann erste Erfolge und nahmen den Ostteil der Stadt ein.

Um die verwundeten Soldaten aus Sirte zu evakuieren, fehlt es der Übergangsregierung an Treibstoff für Rettungsfahrzeuge. Nach Angaben eines UN-Vertreters haben die Truppen deswegen die Vereinten Nationen um Hilfe gebeten. Die Staatengemeinschaft habe Lastwagen mit Trinkwasser für die Flüchtlinge losgeschickt, die sich täglich zu Tausenden entweder in Richtung Benghasi oder Misrata aufmachten. Die anhaltenden Kämpfe um Sirte und Bani Walid machten es derzeit noch unmöglich, Hilfskräfte in die Städte zu entsenden, erklärte der Vertreter weiter. "Wir würden die beiden Städte gern erreichen, aber bislang konnte niemand dorthin gelangen."

Interpol setzt Al-Saadi auf Fahndungsliste

Gaddafis drittältester Sohn, Al-Saadi (38), der sich ins westafrikanische Niger abgesetzt hat, ist derweil auf die Fahndungsliste von Interpol gesetzt worden. Die internationale Polizeiorganisation schickte eine sogenannte "Red Notice" an alle 188 Mitgliedsländer. Sie informiert über Verdächtige, die zur Fahndung ausgeschrieben sind und ruft zur Mithilfe bei der Festnahme auf. Verpflichtend ist die Unterstützung allerdings nicht.

Interpol folgte mit der Ausstellung der "Roten Benachrichtigung" einem Antrag der neuen libyschen Justiz. Sie wirft Al-Saadi vor, als Chef des libyschen Fußballverbandes fremdes Eigentum unter Einsatz von Gewalt und Einschüchterung unterschlagen zu haben. Niger hatte zuletzt bekräftigte, es wolle Al-Saadi nicht an Tripolis ausliefern. Die Behörden befürchteten, dass er hingerichtet werden könnte, berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija.

Bereits am 9. September hatte Interpol Muammar al-Gaddafi sowie dessen Sohn Saif al-Islam und den früheren Geheimdienstchef Abdullah Senussi auf die Fahndungsliste gesetzt. Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen - darunter Hunderte Morde, massive Angriffe auf Zivilisten und Massenvergewaltigungen zur Niederschlagung des Aufstands gegen das Regime.

mad/DPA/AFP
 
 
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