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22. Oktober 2010, 20:34 Uhr

US-Soldaten töteten angeblich hunderte Zivilisten

Die US-Regierung spricht von "alten Nachrichten", der Fernsehsender al Dschasira von einer Enthüllung. Aus bisher geheimen Militärdaten zum Irak-Krieg geht angeblich hervor, dass an US-Checkpoints hunderte irakische Zivilisten starben. Die Internetplattform Wikileaks will die Dokumente schon bald ins Netz stellen.

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Die "Sanduhr" läuft: Wohl schon sehr bald wird Wikileaks wieder geheime US-Kriegsdaten veröffentlichen© Karl-Joseg Hildenbrand/DPA

Der arabische Fernsehsender al Dschasira hat unter Berufung auf die Internetplattform Wikileaks über die Tötung "hunderter" irakischer Zivilisten an US-Checkpoints berichtet. Dies gehe aus geheimen US-Militärdokumenten über dem Krieg im Irak hervor, die im Besitz von Wikileaks seien, berichtete der Sender am Freitag. Demnach soll die US-Armee zudem vom irakischen Staat begangene Folter vertuscht haben.

Die Plattform hatte zuvor eine Veröffentlichung zahlreicher geheimer US-Militärdokumente zum Irak-Krieg angekündigt. Laut al Dschasira stammen die zitierten Unterlagen aus der Zeit vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2009. Wikileaks hatte bereits im Juli 77.000 geheime US-Dokumente zur Lage in Afghanistan veröffentlicht. Nun verfüge Wikileaks über 400.000 Dokumente zum Irak-Krieg, berichtete der Fernsehsender mit Sitz im Emirat Dubai.

Wikileaks kündigt Veröffentlichung an

Kurz zuvor hatte Wikileaks deutlich gemacht, dass wohl in Kürze die im Bericht angesprochenen brisanten Dokumente über den Irak-Krieg veröffentlicht würden. In einer Nachricht im Onlinedienst Twitter kündigte Wikileaks eine Stellungnahme für Samstag um 10 Uhr mitteleuropäischer Zeit an. Über den Inhalt der Stellungnahme wurde bisher nichts Näheres bekannt.

Das Pentagon geht davon aus, dass die Internetplattform über Dokumente aus einer Militärdatenbank zu Operationen im Irak verfügt. Ein Team von mehr als 100 Analysten unter der Führung des Militärgeheimdienstes sichtet derzeit das Material und sucht nach besonders sensiblen Daten - beispielsweise Namen von verbündeten Irakern. Grundsätzlich enthalte die Datenbank, aus der sowohl die Dokumente über den Afghanistan- als auch über den Irak-Krieg vermutlich stammen, keine Informationen der höchsten Geheimhaltungsstufe, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag. Die Dokumente könnten jedoch Details über einige der wichtigsten Episoden des Irak-Kriegs enthalten wie beispielsweise die Jagd auf den Terroristen Abu Musab al Sarkaui und die Ermordung von Mitarbeitern einer privaten Sicherheitsfirma im Jahr 2004 in Falludscha.

Clinton kritisiert Veröffentlichung scharf

"Da wird es wahrscheinlich keine großen Überraschungen geben", versuchte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Major Chris Perrine, am Freitag die Veröffentlichung erneut herunterzuspielen. "Das sind alles Nachrichten von gestern." Über das meiste sei bereits "sehr, sehr ausführlich berichtet worden".

Dennoch hat US-Außenministerin Hillary Clinton die seit Tagen erwartete Veröffentlichung der Militärdokumente scharf kritisiert. Sie verurteile es "klar und eindeutig", wenn geheime Unterlagen zugänglich gemacht würden, sagte Clinton am Freitag. Dadurch gerieten Leben in Gefahr. Überdies werde die nationale Sicherheit der USA "und derer, die mit uns zusammenarbeiten", Risiken ausgesetzt.

dho/AFP/AP/DPA
 
 
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