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5. Februar 2010, 20:56 Uhr

Auch Stuttgarter Fiskus will zuschlagen

Das Zittern der Steuersünder dürfte noch größer werden: Auch den Fahndern in Baden-Württemberg liegen nun brisante Daten aus der Schweiz vor. Der Finanzminister will auf den Deal eingehen.

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Die Daten von 2000 Steuerpflichtigen sollen auf der CD sein, die den Behörden in Baden-Württemberg zum Kauf angeboten wurden© Julian Stratenschulte/DPA

Die Affäre um deutsche Steuersünder mit Geldanlagen in der Schweiz weitet sich aus. Auch den baden-württembergischen Behörden liegt ein Angebot zum Kauf von Daten über mutmaßliche Steuerhinterzieher vor. Die Datensätze beträfen Kunden verschiedener Schweizer Banken und Versicherungen, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Finanzministeriums am Freitag und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Rundschau" (FR). Das Ministerium habe Anfang 2009 Stichproben erhalten. Nach der öffentlichen Diskussion über die den nordrhein-westfälischen Behörden angebotenen Datensätze habe der Informant "in den vergangenen Tagen erhebliches Datenmaterial nachgeliefert", sagte der Sprecher. Dieses betreffe Steuerpflichtige aus dem gesamten Bundesgebiet.

Stuttgart will zuschlagen

Landesfinanzminister Willi Stächele sagte der "Süddeutschen Zeitung", betroffen seien rund 2000 deutsche Steuersünder. Über die finanziellen Forderungen des Informanten werde noch verhandelt. Danach werde mit dem Bund die Frage eines Ankaufs geregelt. "Wenn alle rechtlichen Daten geklärt sind, bin ich dafür, die Daten zu kaufen", sagte der CDU-Politiker. Ministerpräsident Günther Oettinger, ebenfalls CDU, setzte für Montag eine außerordentliche Kabinettssitzung an, um über das Kaufangebot zu beraten.

Die in dem "FR"-Bericht genannten Institute gaben an, den Fall nicht zu kennen. "Wir haben keine Hinweise, dass wir von einem Datendiebsstahl betroffen sind", sagte ein Credit-Suisse-Sprecher. Auch bei der UBS hieß es, es lägen keine entsprechenden Informationen vor: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Spekulation." Eine Sprecherin des von Lebensversicherers Generali wollte keine Stellungnahme abgeben.

23 Milliarden Euro deutsches Schwarzgeld in der Schweiz?

Nach Angaben der "SZ" könnte die Aufdeckung der Schweiz-Steueraffäre dem Fiskus bis zu 400 Millionen Euro einbringen. Eine Sprecherin von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte hingegen, man könne das Ausmaß nicht abschätzen: "Das ist aus unserer Sicht momentan nicht seriös möglich." Medienberichten zufolge sollen insgesamt bis zu 100.000 Deutsche rund 23 Milliarden Euro an der Steuer vorbei auf Schweizer Konten versteckt haben. Auf der den Wuppertaler Fahndern angebotenen Steuer-CD sollen bis zu 1500 Namen stehen. Wie viele davon tatsächlich Steuern hinterzogen haben, ist offen.

Neben dem Finanzministerium zweifeln auch Steuerexperten die Größenordnung der Affäre an. "Das werden keine 400 Millionen Euro sein", sagt beispielsweise der Fachanwalt für Steuer- und Strafrecht, Andreas Hagenkötter. Die Regierung baue eine Drohkulisse auf, damit es möglichst viele Selbstanzeigen gebe. Schon bei der Steueramnestie 2004/2005 seien fünf Milliarden Euro eingeplant gewesen - doch nicht einmal eine Milliarde sei geflossen. Der vor zwei Jahren aufgedeckte Liechtenstein-Skandal hat dem Staat bisher rund 200 Millionen Euro eingebracht.

Und auch diesmal scheint die große Flut auszubleiben. Finanzämter hätten in den vergangenen sieben Tagen etwa 50 Selbstanzeigen erhalten, berichtet die "Die Welt". Mit einem großen Schwung an Selbstanzeigen rechnen die Finanzämter aber in den kommenden Wochen.

Schäuble: Bankgeheimnis am Ende

Nach Ansicht von Bundesfinanzminister Schäuble ist das Bankgeheimnis am Ende. "Das Bankgeheimnis darf im 21. Jahrhundert kein Instrument mehr sein, das von Staats wegen die Steuerhinterziehung ermöglicht", sagte er der "SZ". "Die Schweiz wird ihr Bankgeheimnis lockern."

Schweizer Banken wollten den Vorwurf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung nicht auf sich sitzenlassen. "Wenn ein Neukunde oder ein bestehender Kunde dem Bankberater sagt, er habe Schwarzgeld, dann wird der Bankberater dem Kunden raten, eine unabhängige Steuerberatung einzuholen", sagte etwa der Credit-Suisse-Sprecher. Als Spekulation bezeichnete er einen Zeitungsbericht, dass Mitarbeiter der Credit Suisse jahrelang systematisch Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet hätten.

Reuters/DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 38)
 
UThome (06.02.2010, 16:18 Uhr)
Hier wird nicht gekauft !!!
Die Klientel von FDP wird schon dafür sorgen. Gerade hier darf mandie Großen Hinterzieher vermuten, hier sitzt der Geldadel und der Klüngel nebeneinander. Der Bahnhof von Stuttgart ist nur ein Beispiel wie der Klüngel funktioniert, Spenden an die Parteien ist das andere Beispiel. "Wer gut schmiert, der gut fährt", und sparsam waren die Schwaben schon immer.
Kippi (06.02.2010, 14:48 Uhr)
Stuttgart schlägt zu...
jetzt geht´s richtig ran. Großteile des FDP-Klientels werden mit dem Steuerhammer zuerschlagen... und Guido kann´s nicht verhindern - beauernswerte Millionäre...
Chulo (06.02.2010, 12:02 Uhr)
naja...
@axlxexxx: Vielleicht habe ich es ja übersehen, aber es hat weder im Beitrag, noch in der Kommentarfunktion irgendeiner gegen die Menschen in HartzIV-Lage gewettert. Aber falls das doch der Fall gewesen sein sollte, halte ich das genauso wie sie es tun, für blanken Schwachsinn.

Sie meinen vielleicht mit ihrer Behauptung was die Höhe der Steuern angeht Recht zu haben. Jedoch kann ich dazu nur sagen, dass die paar hundert Millionen die zusammen kommen jetzt schon für weitere großteils schwachsinnige Sachen geplant werden. Dementsprechend ist es egal ob der minimale Anteil der Leute ihr Geld in die Schweiz verschiffen oder nicht. Die Steuern würden in keinem Szenario sinken!

Im Gegenteil. Vielleicht kommt unserer Regierung ja noch bald die Idee des Soli2 für unser neues Bundesland Kunduz.

Zurück zum Thema. Es ist nicht korrekt, dass die Leute ihre Gelder dem Staat unterschlagen, da das Diebstahl ist. Das wollen wir nicht außer acht lassen.
Aber wieso können wir in unserem Land nicht die Konditionen der Schweiz haben? Dort läuft es einfach. Genau darin liegt der Unterschied. Den meisten geht es nicht darum das Geld einmaliger Steuerunterschlagung zu verschieben, sondern darum Konditionen unseres südlichen Nachbaren zu nutzen.
Der Staat sollte sich mal lieber an der eigenen Nase packen.

Hier noch ein Artikel zu dem geplanten Steuersystem..

http://www.stern.de/politik/deutschland/schwarz-gelbe-steuerplaene-was-bringt-der-stufentarif-1514682.html
leobissinger (06.02.2010, 12:01 Uhr)
@aretana
... das habe ich mich auch schon gefragt. Die liste müsste ja schon nach steuersündern und versteuerten guthaben gefiltert sein.

Denn ansonsten geraten natürlich alle gelieferten namen unter generalvedacht.

Sicher, ich schätze, dass nur ein kleiner teil zu den 'ehrlich' versteuerten geldern gehört, ...
... aber woher soll denn dass der dieb wissen, wenn er kein steuerbeamter in Deutschland ist ?

Haben sich die Ankäufer dazu gedanken gemacht ? Was sagen eigentlich die obersten Datenschüter dazu ?

Ich füge hinzu, dass Steuerhinterziehung eine Strafsache ist, muss nicht diskutiert werden. Aber die Art der Datenermittlung aus Diebesgut ist ud bleibt nicht legal.
aretana (06.02.2010, 11:04 Uhr)
Es ist ein wenig merkwürdig!
Woher weiss der Datenklauer, wer Steuern hinterzogen hat?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Dieb und einem hohen Finanzbeamten, der Einblick in Steuererklärungen hat?

Ich frage nur mal so.

Oder ist das ganze ein Fake, um möglichst vielen Steuersündern Angst zu machen, damit sie sich freiwillig stellen?

Oder will die Regierung nur ihre Klientel schützen, nachdem das in Frankfurt scheinbar auch gelungen ist, indem man die 4 fleissigen Steuerfahnder abgewürgt hat?

Fragen über Fragen.
leobissinger (06.02.2010, 09:54 Uhr)
schnüffelei
@cobdet...mit der schnüffelei bei HartzIV haben sie vollkommen recht.
Die betroffenen haben tatsächlich das gefühl sich entblößen zu müssen.
Was diesem teil der gesellschaft fehlt, ist eine lobby die ihre Datenschutzrechte vertritt.

Aber ein datenschutz-unrecht rechtfertigt nicht das andere:
Stellen sie sich vor, der Stern veröffentlich alle email-adressen der forenbenutzer und enttarnt über dynamische IP deren forumsnamen und stellt in klartext den eigentümer des von ihnen benutzten internetzugangs ins netz?
Dazu muss es nur jemanden beim provider geben, der die zuordnungstabellen auf CD-gebrannt weitergibt.
Dies würde keiner hier lustig finden, denn i.r hat doch jeder einen gewichtigen grund, nicht unter seiner wahren identität in der Erscheinung zu treten.

Die tieferen Wurzel meines Argwohns gegenüber des Kaufes geklauter EDV- Daten sind aus dem oben beschriebenen gespeist.
Der Datenschutz wird ausgehöhlt. Es werden nachahmer kommen, die erst jetzt merken, was alles straffrei möglich ist, weil 'computerdaten' ja kein gegenstand im juristischen sinne sind.
leobissinger (06.02.2010, 09:41 Uhr)
eigentlich will man ja ein abkommen mit der Schweiz
"Hamskibamski" und "nerventanz",
sie beiden beschreiben das tiefere problem eines solchen vorgehens.

'Man' will ja eigentlich mit der Schweiz ein gültiches Steuerabkommen treffen.

Das ganze läuft leider nach dem falschen Erziehungschema der Politiker mit Amateurstatus:
"Erstmal was auf beide Backen und dann brav kuschen. "
So wird das nichts mit einer bilateralen vereinbarung
cobdet (06.02.2010, 09:37 Uhr)
Der witz des Jahrhunderts
Der stellvertretende Ministerpräsident und Justizminister Ulrich Goll (FDP) sagte der "Bild am Sonntag": "Grundsätzlich lehne ich den Ankauf von illegal erlangten Daten über Steuersünder ab. Wenn die Baden-Württemberg angebotene CD aus illegaler Quelle stammt, kommt ein Ankauf nicht in Frage. Für solche Dateien darf kein Steuergeld fließen. Dagegen werde ich mein Veto einlegen. Kein Deal mit Ganoven!"

Ja mit wem schliesst denn die FDP sonst ihre Spendendeals ?
Und hatten die nicht einen verurteilten "Ganoven" als Ehrenvorsitzenden ?
cobdet (06.02.2010, 09:23 Uhr)
Was mir bei vielen
Kommentaren der Gegner eines CD-Ankaufes wundert ist die Tatsache das viele von ihnen kein Problem damit haben , wenn Hartz 4 Empfänger systematisch überprüft werden. Im Gegenteil da fordern sie die Ausschnüfflung bis ins Schlafzimmer.
Sie sind auch in der Regel die, die nichts gegen eine Videoüberwachung öffentlicher Plätze haben. Argument ich habe ja nichts zu verbergen.
Nur dann wenn es etwas zu verbergen gibt dann entdecken sie auf einmal den Datenschutz.
Heuchelei pur !
Schon vergessen : Den Steuerhinterziehern ist in der Vergangenheit mehrfach eine Amnestie angeboten worden unter Anbietung besonders günstiger Konditionen. Soll ich jetzt Mitleid haben . Und alle die hier Steuerhinterziehung für eine Form der Notwehr gegen eine unerträgliche Steuergesetzgebung halten: Seid ihr nicht die ersten die von Ausländern die Einhaltung deutscher Gesetze verlangt ?
nerventanz (06.02.2010, 09:07 Uhr)
Ich finde das immer süß wie manche
sich die Welt heile vorstellen. Klar, machen wir Ordnung in Afghanistan indem wir Soldaten hinschicken. Vertreiben wir die bösen Taliban und fertig! Ja ja... genau... genauso wird es wohl sein.

Mit den ausspionierten Daten genauso. Holen wir uns den Datenträger und wir haben alle "Steuersünder". Ja klar. Das ist kein BEWEIS, sondern höchstens ein HINWEIS. Diese Daten kommen von einem Verbrecher!! Und dem ist genauso wenig zu trauen wie jedem anderen, der gerne Millionen kostenlos vom Staat haben möchte.

Ich bin gespannt auf den ersten Fall, wo jemand unrechtmäßig durchsucht wurde aufgrund von falschen Beweisen. Ich hoffe, dass der Staat dann auf die Millionen Euro (die sie sich in der Summe erhofft haben) von dem verklagt wird und auch noch verliert.

Ich werde dann klatschen und laut lachen. Das kommt davon wenn der Staat Kriminalität subventioniert! Da sitzen am Ende mehr Kriminelle in den Ämtern als in ganz Deutschland zusammen.
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