Die USA und Russland unterzeichnen nun den neuen Vertrag zur Atomwaffen-Reduzierung. Dem Friedensforscher Götz Neuneck geht das neue Abrüstungsabkommen nicht weit genug, wie er im Interview mit stern.de sagt.
Naja, es ist seit langer Zeit endlich wieder ein wichtiger Vertrag, der Nuklearwaffen abbaut. Man kann nur hoffen, dass er von den Parlamenten ratifiziert wird. Dann hat die Welt immerhin rund 25 Prozent weniger Atomsprengköpfe, die auf Bombern, Interkontinentalraketen oder U-Booten der USA und Russland stationiert sind. Aber die Arsenale beider Staaten sind weiterhin zu groß. Der neue Start-Vertrag ist ein Übergangsvertrag hin zu drastischen Einschnitten. Ein echter Fortschritt wären unter 1000 Sprengköpfe pro Seite.
Ja, ein Sprengkopf hat im Schnitt ein oder zwei Megatonnen TNT, das entspricht der Sprengkraft aller im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Sprengkörper. Schon 100 würden reichen, unsere Zivilisation zu vernichten.
Es steht eine Reihe schwieriger Verhandlungsrunden an, nächste Woche etwa der Nuklear-Gipfel in Washington. Es müssen neben den strategischen ja auch die kleineren, taktischen Atomwaffen reduziert werden, die von dem Start-Vertrag nicht betroffen sind. Vermutlich 20 davon sind in Büchel/Rheinland-Pfalz stationiert. Außerdem lagern die USA und Russland noch etwa 15.000 Sprengköpfe in ihren Arsenalen. Auch das ist viel zu viel und schnell aktivierbar.
Die Apparate beider Großmächte arbeiten de facto dagegen. Die russischen Militärs wollen die Nuklearwaffen behalten, weil sich die Nato nach Osten ausgeweitet hat und inzwischen auch konventionell weit überlegen ist. Auch die US-Militärs blocken ab. Aber die Widerstände müssen überwunden werden. Der US-Kongress muss endlich den Kernwaffenteststopp-Vertrag ratifizieren, weitere Verträge wie der zum Stopp der Produktion von atomwaffenfähigem Material müssen folgen.