1. Oktober 2012, 14:00 Uhr

Was Steinbrück mit Schmidt und Schröder verbindet

Brandt, Schmidt und Schröder zeigen: Wer für die SPD den Einzug ins Kanzleramt schaffen will, der muss abseits der Parteilinie marschieren können. So gesehen ist Peer Steinbrück der richtige Kandidat. Von Hans Peter Schütz, Berlin

Peer Steinrück, SPD, Kanzlerkandidat

Längst nicht immer auf Parteilinie, doch gerade deshalb ein typische SPD-Kanzlerkandidat: Peer Streinbrück©

Dass Peer Steinbrück lange um die entscheidenden Dinge herumredet, hat ihm noch niemand nachgesagt. Der frisch gekürte Kanzlerkandidat der SPD ist diesem persönlichen Kennzeichen schneller gerecht geworden, als es manchen Sozialdemokraten lieb sein dürfte.

Ohne jeden Schnörkel hat er den Genossen, vor allem jenen auf dem linken SPD-Flügel, mitgeteilt, wie es mit ihm auf dem Weg zur Kanzlerschaft zugeht. Beim ersten Besuch als Kanzlerkandidat an der Basis teilte er klipp und klar mit, wie er zu marschieren gedenkt: "Ihr müsst mir auch etwas Beinfreiheit einräumen. Meine Beinfreiheit beträgt 1,80 Meter. Und die brauche ich auch." Einige der auf dem Landesparteitag der NRW-SPD in Münster versammelten Genossen raunten verblüfft. So eindeutige Töne hatten sie noch nicht erwartet, eher mehr Schmeicheleinheiten.

"Programm muss zum Kandidaten passen"

Auch wenn Steinbrück in seiner Rede der Parteilinken noch ein paar Streicheleinheiten mitgab (gesetzlicher Mindestlohn, gleicher Lohn für Leiharbeiter und Stammbelegschaft), so machte er doch klar, dass die Sozialdemokraten wieder einmal mit einem Mann um den Einzug ins Kanzleramt kämpfen, der nicht überall auf SPD-Linie marschiert. Das kennt die Partei allerdings schon. So lief es mit Willy Brandt, mit Helmut Schmidt und auch mit Gerhard Schröder. Von der amtlichen Parteilinie unabhängige politische Geister sind immer in Gefahr, die Zuneigung der SPD zu verlieren.

"Das Programm muss zum Kandidaten passen und der Kandidat zum Programm", sagt Steinbrück. Jetzt weiß die SPD endgültig, dass sie wie in den drei Fällen, in denen sie nach der Bundestagswahl den Kanzler stellen konnte, auch 2013 nicht mit einem Kuschelkandidaten antritt, der als Regierungschef artig an der Parteileine marschieren wird. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass in der SPD sklavisches Marschieren auf der Parteilinie als Erfolgskriterium schon immer überschätzt worden ist. Wer bei einer Bundestagswahl die Kanzlerschaft erobern will, muss mehr als zwölf Millionen Wähler gewinnen.

Parteilinie reicht nicht zum Sieg

Zu Brandts und Schröders Zeiten, als die Partei noch eine Million Mitglieder hatte, hätte diese schlichte Kalkulation mit den Parteibüchern nicht gereicht. Und derzeit haben die Sozidaldemokraten gerade mal noch 500.000 Mitglieder. Selbst wenn die mit Anhang, Kind und Kegel, Opa und Oma ihr Kreuzchen bei Steinbrück machten, so erreicht die Partei allenfalls 2,5 Millionen Wähler. Ein SPD-Kanzlerkandidat muss aber nicht nur Stimmen von links erobern, er braucht auch Zustimmung von rechts der Mitte, aus dem bürgerlichen Lager. Nur in der politischen Mitte kann die SPD kanzlerfähige Mehrheiten erreichen.

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