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25. April 2009, 13:15 Uhr

Der schwarze Berlusconi

Südafrika hat gewählt und der Sieger lautet Jacob Zuma. Der neue Präsident wurde wegen Vergewaltigung und Korruption angeklagt, aber nie verurteilt. Für die einen ist er Hoffnungsträger, für die anderen Scharlatan - die Ideale seines Vorgängers Mandela jedenfalls gelten für den nächsten Präsidenten nicht mehr. Ein Kommentar von Marc Goergen

Südafrika, Wahlen, Zuma

Südafrika hat gewählt und der Sieger heißt Jacob Zuma© Denis Farrell/AP

Das Endergebnis wird keinen überraschen. Südafrika hat seinen neuen Präsidenten gewählt, und das ist Jacob Zuma. Zuma ist Chef des African National Congress (ANC), und nach dem vorläufigen Endergebnis kommt die Regierungspartei auf 66 Prozent. Und doch ist dieser Wahltag ein Rückschlag für den südafrikanischen Rechtsstaat. Denn mit der Wahl des 67-jährigen Zuma droht das Land am Kap viele der Prinzipien zu verraten, für die Nelson Mandela - und viele andere Mitstreiter des ANC - jahrzehntelang im Gefängnis saßen.

Vom Häftling zum mächtigsten Mann Südafrikas

Zuma ist eine faszinierende Persönlichkeit. Nur wenige können sich im persönlichen Gespräch seinem Charme entziehen. Er ist witzig, findet einen Draht auch zu den einfachen Menschen, kurz: Er steht für all das, was seinem Vorgänger Thabo Mbeki fehlte. Mbeki, Absolvent einer englischen Elite-Uni, Pfeifenraucher, galt als abgehoben und fern der Sorgen der Townships.

Zuma ist ein politischer Autodidakt, wie es sie heute nur noch selten zu bestaunen gibt. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, musste die Schule schon nach wenigen Jahren verlassen, weil die Familie jemanden zum Ziegenhüten brauchte. Lesen und Schreiben lernte er erst durch ältere Kameraden im Gefängnis von Robben Island; dort saß er gemeinsam mit Mandela in den Siebzigern. Das würde erst mal seine Eignung als Präsident nicht in Frage stellen. Kann es nicht sogar hilfreich sein, wenn jemand ein Land führt, der die Elendssiedlungen ohne Strom, Toiletten und fließend Wasser selbst kennengelernt hat?

Trotz mehrerer Anklagen keine Verurteilung

Es sind auch nicht seine Auslassungen zu Aids, die um die Demokratie bangen lassen. (Als er vor einigen Jahren wegen Vergewaltigung vor Gericht stand, ließ er wissen, er habe sich, um einer HIV-Infektion vorzubeugen, nach dem Geschlechtsverkehr geduscht. Zuma wurde anschließend freigesprochen.) Und es sind auch nicht seine vier Frauen und die geschätzten 20 Kinder. Das alles ist uns bestenfalls sehr fremd, zeugt im schlechtesten Fall von seinem fragwürdigen Frauen-Bild und vor allem einer tragischen Verharmlosung der Seuche Aids, von der kaum ein Land so heimgesucht wird wie Südafrika - es stellt jedoch die Demokratie nicht in Frage. Zur Gefahr für die hart erkämpften rechtsstaatlichen Prinzipien wird Zuma aber durch den Umgang mit den Korruptionsvorwürfen, die auf ihm lasten.

Als er Mitte der Neunziger schon mal Vize-Präsident des Landes war, hatte er von seinem Geschäftsfreund Shabir Shaik mehrere Hunderttausend Euro angenommen, mutmaßlich für Hilfe bei Ausschreibungen zu Waffengeschäften. Shaik wurde deswegen auch zu 15 Jahren Haft verurteilt. Und Zuma? Dessen Verfahren kam nie so richtig in Gang und wurde nun nach acht Jahren Ermittlungen eingestellt. Grund: Es könnte nicht ausgeschlossen werden, dass Zumas Gegner das Verfahren aus politischen Gründen mitangetrieben hätten.

Über dem Gesetz

Dabei dürfte es überhaupt keine Rolle spielen, warum letztlich das Verfahren eingeleitet wurde. Dass Zumas Gegner von einer Verurteilung profitieren würden, mag sein - es hat jedoch mit dem Tatbestand selbst nichts zu tun. Hinter der Einstellung des Verfahrens steckt der in Afrika so oft tragisch durchlebte Gedanke: Ein Präsident steht de facto über dem Gesetz und sollte sich deswegen auch nicht einer peinlichen Befragung vor Gericht aussetzen müssen.

Zudem wurde vor einigen Wochen Zumas Geschäftsfreund Shaik fadenscheinig aus "medizinischen Gründen" auf Bewährung entlassen. Doch nimmt die Entlassung nur vorweg, was ohnehin geschehen wäre: Zuma hatte angekündigt, als Präsident seinen Freund zu begnadigen. Und vor einigen Tagen ließ Zuma nun auch noch wissen, dass er die Macht der Verfassungsrichter für zu groß halte.

Mit Prada in die Townships

So wird also nun ein Mann Präsident, für den Gesetze bis ans äußerste gebeugt wurden und der politische Macht für bedeutsamer hält als rechtsstaatliche Prinzipien. Das alles vor dem Hintergrund einer degenerierten Regierungspartei ANC. Kaum ein Monat vergeht ohne neuen Skandal, und wenn die Funktionäre heute in die Townships zu Wahlveranstaltung kommen, besteht ihr Konvoi aus mächtigen BMW-Geländewagen und unter dem hastig übergeworfenen ANC-T-Shirt tragen sie Prada-Kostüme.

Südafrika wird so schnell kein Simbabwe. Zu stark ist die Zivilgesellschaft, zu frei berichten die Medien über die Skandale, zu intensiv ist die Wirtschaft des Landes mit den globalen Handelsströmen verwoben. Und die WM im nächsten Jahr wird die Blicke auf das Land lenken. Und doch bedeutet die Wahl Jacob Zumas, sein Umgang mit den Korruptionsvorwürfen, seine Äußerungen zu Gerichten und Richtern eine tragische Abkehr von den hehren Prinzipien, für die viele Südafrikaner viele Jahre in Gefängnissen verbrachten. Auch er selbst.

Die Wahl in Südafrika Die südafrikanische Regierungspartei ANC hat die Parlamentswahl klar gewonnen. Der Afrikanische Nationalkongress verlor jedoch seine Zweidrittelmehrheit, wie das amtliche Endergebnis der Wahlkommission zeigte. Danach erhielt der ANC 66,03 Prozent. Die größte Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA) erzielte 16,54 Prozent. Die neue Partei Volkskongress (COPE) von Ex-Präsident Thabo Mbeki, die sich vergangenes Jahr vom ANC abgespalten hatte, errang 7,42 Prozent.

Ein Kommentar von Marc Goergen
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Garnet (26.04.2009, 11:47 Uhr)
@sevicekanal
Nun, Sie scheinen selbst Afrikaner zu sein. Ich gratuliere Ihnen zum Erwerb der Deutschen Sprache, wenn auch nur rudimentaer.
Fast 20 Jahre habe ich beruflich in Afrika verbracht. Ich habe mit Afrikanern zusammen gearbeitet und gute Feunde gefunden. Hier was einer dieser afrikanschen Freunde zu mir gesagt hat.
Zuma tanzt wie Idi Amin, er hat den gleichen Anfang wie Mugabe, er hat ein Rechtsbewusstsein wie Mobuto und ein Auftreten wie Bokasa.
Bleibt abzuwarten welcher der Herren dann Sueafrika uebernimmt.
Und dann noch zu den Chinesen in Afrika. Es ist erbaermlich dumm hier eine positive Entwicklung zu sehen. Hier treffen zwei abgrundtief korrupte Kulturen aufeinander. Und wenn die Chinesen den Kontinent ausgepluendert haben und nichts zurueck bleibt als verbrannte Erde, dann werden wieder die Europaeer die Rechnung zahlen muessen.
Gebildete Afrikaner selbst sind der Meinung das dass ewige Geschwafel der Schuld der Kolonialzeit das wirkliche Problem , naehmlich die Unfaehigkeit und Kooruption der politischen Elite, verdeckt. Diese Art Argumentation bereitet den Weg fuer den Untergangs Afrikas, da jeder korrupte Fuehrer sich hinter der Schuld der Kolonialherren versteckt.
Das Volk hat gewaehlt. Also muss dann das Volk auch die Konzequenzen tragen und die Rechnung spaeter nicht dem Westen praesentieren. Noch funktioniert in Suedafrika die Infrastruktur. Warten wir ab wie lange noch.
.servicekanal24.de (26.04.2009, 08:20 Uhr)
Wieder ein typischer europäischer Bericht mit Beleidigung afrikanischer Kultur.
Wieder ein zu sehr europäischer Bericht mit Beleidigung afrikanischer Kultur.
Dieser Bericht zeigt wieder mal, wie Medien in Europa die Menschen falsch informiert, wenn es um Interesse Europas geht.
Dieser Bericht hat mit der Realität nichts zu tun, da ich selbst in Süd Afrika war und hier mit Südafrikanischen und Afrikanischen Studenten und Eliten viel spreche
Etwas ist klar nach Mugabe , Al Baschir nun Zuma der Antidemokrat. Haben Sie etwas dabei gemerkt?
Alle diese Menschen drohen Europas Interesse, in dem Sie ihr Afrikanisch sein im Vordergrund stellen und lieber mit China arbeiten wollen als mit Europa
Ich habe vielen Berichten von afrikanischen Zeitungen gelesen; die Meinungen dort sind total anders. Es ist , als ob 2 Menschen vor einer Farbe stehen. Der andere sieht die Farbe als Rot und der andere die Farbe als Gelb.
Es wurde vor der Wahl in Europa berichtet, wie die Afrikaner Zuma eine Lektion erteilen werden. Nichts davon wurde registriert. Die Medien beziehen sich immer mehr auf Kritiker, die Sache sagen, was in Europa gehört werden will. Es wäre, als ob afrikanische Medien über Deutschland berichten, beziehen sich z.B. nur auf die Linkspartei und verallgemeinern, dass die Lage in Deutschland ist. Und nach einer Wahl erstaunt sein, dass doch die CDU oder SPD vorne liegt. Solche Berichten machen Leser zu Deppen.
Zuma repräsentiert, was das Volk will. Die anderen Präsidenten vor ihm haben das Land am rad der Armut und die Bodenreform nicht vorwärts gebracht. Überall in der Welt mussten Verbrecher vorm Gericht. Viele Menschen in Afrika verzeihen Mandela nicht, dass er die Weißen Verbrecher nicht nach Deng-Haag geschickt hat. Er hatte Druck von Europa bekommen, weißt jeder aber das war ein sehr kürsichtige Vision. Man befürchtet, dass die Schwarzen irgendwann sich selbst rächen. Das wäre noch schlimmer als in Zimbabwe aber das kommt. Darüber müssen lieber die Medien warnen. Anzeichen für solche Revolte sind genug zu beobachten oder zu hören.
Nun muss Südafrika in nächsten 5 Jahren 30% Boden an Schwarzen wieder geben und mehr für schwarzen tun.
Die Weißen haben Angst und alles, was weißt ist, egal, wie blutig es ist, wird ohne zu zögern von Europa voll verteidigt. Das ist ein archaisches Weltbild.
Nun beleidigt der Stern ganz Afrika in dem er die Polygamie als Frauenfeindlich stellt. Das kann nur noch ein Ignorant sagen. Frauenfeindlicher ist nach einer Studie ist das verhalten von Männern, die Treue versprechen und jeden Tag bei Prostituierten sind oder im Internet in verschiedenen Fremdgeh-Seite Sex mit anderen Frauen suchen. Und das machen laut einer Studie 94% alle Männer Deutschland. Die Meiste Frauen fühlen sich damit beleidigter und erniedrigter als in einer Polygamie, wo alles offiziell ist und die Frau zustimmen muss.
Angel_of_Mercy (25.04.2009, 17:10 Uhr)
SA - Deutschland
Zuma hat einen Draht zum Volk, hat Merkel nicht.
Zuma hat 30 Kinder (vdL's Darling), Merkel hat keine.
Zuma hat seine persönlichen Skandale, Merkel hat noch keine.
Zuma war politischer Häftling, Merkel nicht. (im Gegenteil)
Südafrika hat Rassismus, hat Deutschland auch.
ANC Bosse fahren in dicken Limousinen, fahren deutsche Parteibosse auch.
Macht 5 : 3 für Südafrika, vorläufig.
Zudem kommt, Merkel hat die Prinzipien, wofür DDR Bürgerrechtler im Gefängnis saßen, längst verraten.
Ich denke es bedarf nicht unbedingt weiterer Vergleiche. Deutschland ist in keiner Weise moralisch überlegen.
kldrkur (25.04.2009, 16:24 Uhr)
Noch demagogischer
sind ist nur die Presse. Siehe oben!
vegefranz (25.04.2009, 16:24 Uhr)
war es ein Fehler der Weissen, die Macht an die Schwarzen abzugeben?
Unsinn, das darf man nicht einmal denken!
107Summer (25.04.2009, 15:37 Uhr)
Wer so etwas schreibt, Zitat:
"Zu stark ist die Zivilgesellschaft, zu frei berichten die Medien über die Skandale, zu intensiv ist die Wirtschaft des Landes mit den globalen Handelsströmen verwoben." - Hat absolut keine Ahnung wie Diktaturen entstehen und lebt allgemein in einer Fantasie-Teletubby-Welt. In Wahrheit gehen Diktaturen und Demokratien Hand in Hand und sind manchmal nur schwer zu unterschieden, bzw. kippen über Nacht. Sofern der neue Präsident wirklich schon über dem Gesetz steht, ist das Ganze ja schon eine quasi-Diktatur, wir werden sehen, wie weit ER diese auch raushängen lassen wird. Man kann das ganze dezent im Hintergund laufen lassen wie bei uns im Deutschland (Diktatur des Kapitals), ob am Ende das Kapital, Proletariat, ANC usw. diktiert, macht keinen Unterschied.
Gisella (25.04.2009, 15:16 Uhr)
keinen kommentar
von mir zu dem neuen "Staatsoberhaupt" in S.A..
Halodri73 (25.04.2009, 15:02 Uhr)
Mal sehen, wie "frei" die Medien noch berichten ...
in Zukunft. Wenn schon die Justiz nicht mehr frei ist, wie lange bleiben es Medien??
Ich betrachte Südafrika mit Argwohn und Sorge. Die Wurzel des Übels - der beidseitige Rassismus - ist alles andere als ausgerottet. Nur die Machtverhältnisse sind verschoben. Das geht nicht gut...
eurokrat (25.04.2009, 14:29 Uhr)
Das war's wohl...
"Zu stark ist die Zivilgesellschaft, zu frei berichten die Medien über die Skandale, zu intensiv ist die Wirtschaft des Landes mit den globalen Handelsströmen verwoben." Noch. Was für eine Schande...
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