7. Juli 2012, 19:16 Uhr

Iran bestellt deutschen Botschafter ein

Hat er das Mädchen geküsst oder hat er nicht? Ein angeblicher Übergriff eines iranischen Diplomaten auf eine Zehnjährige in Frankfurt sorgt für Spannungen zwischen Deutschland und Iran. Teheran ist über die vorübergehende Verhaftung des Mannes empört.

Die vorübergehende Festnahme eines iranischen Diplomaten in Frankfurt am Main belastet die Beziehungen zwischen Berlin und Teheran. "Wir haben den deutschen Botschafter in Teheran einbestellt und ihm unseren Protest weitergeleitet", zitierte die iranische Nachrichtenagentur IRNA Vize-Außenminister Hassan Ghaschghawi. Der Iran erwarte von der Bundesrepublik eine Erklärung für den Vorfall.

Wie mehrere Zeitungen übereinstimmend berichten, beschuldigt eine Frau in Frankfurt den Iraner, am 25. Juni ihre zehnjährige Tochter angefasst und zu küssen versucht zu haben. Als beide ihn eine Woche später auf der Straße wiedersahen, alarmierten sie die Polizei. Diese habe den Beschuldigten in Gewahrsam genommen, ihn aber freigelassen, als der Diplomatenpass vorgezeigt wurde.

Justizministerium in Wiesbaden bestätigt Ermittlungen

Das hessische Justizministerium bestätigte am Samstag, dass es Ermittlungen in dem Fall gebe. Die Staatsanwaltschaft war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Das Auswärtige Amt bestätigte lediglich, dass der deutsche Botschafter für ein Gespräch im Außenministerium gewesen sei, wollte sich aber nicht zum Hintergrund äußern.

Der Leiter des auswärtigen Ausschusses im iranischen Parlament, Alaeddin Borudscherdi, warf der Bundesrepublik vor, die diplomatische Immunität und internationale Konventionen verletzt zu haben. Der Vorfall sei "ein im Voraus geplantes Szenario, um dem Iran im Ausland ein schlechtes Image zu geben".

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und dem Westen sind ohnehin angespannt, weil Deutschland und andere westliche Länder den Iran verdächtigen, den Bau von Atombomben zu planen.

mai/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Iran-Konflikt USA verstärken ihre Truppenpräsenz im Persischen Golf

Die USA haben im Kampf um die Vormachtstellung in der Meerenge von Hormus im Persischen Golf die Truppenzahl erhöht. Im Konflikt mit dem Iran wollen die Vereinigten Staaten das wichtige Nadelöhr für sich einnehmen. Hierdurch wird ein großer Teil des weltweit benötigten Erdöls geliefert.

Irans Atomprogramm Streit geht trotz Verhandlungen in Moskau weiter

Bei dem Treffen in der russischen Hauptstadt ist bislang keine der Verhandlungsparteien zu Kompromissen bereit. Der Atomunterhändler Said Dschalili besteht weiterhin auf das iranische Recht auf Uran-Anreicherung.

Cyberkrieg gegen den Iran Obama soll Wurm-Attacken befohlen haben

Die Cyberangriffe auf iranische Atomanlagen sind offenbar von Washington aus geführt worden. In einem Buch beschuldigt ein bekannter US-Journalist jetzt den Präsidenten als Auftraggeber von Stuxnet.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?