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23. November 2006, 15:20 Uhr

So ungerecht geht es zu in Deutschland

Dass Jugendliche kaum Lehrstellen und anschließend gute Jobs finden, ist eine Katastrophe. Für Kinder im Kindergarten sind nicht so qualifizierte Kräfte da wie im Ausland, wo sozialpädagogische Studien für solche Jobs Voraussetzung sind. Und in der Gesellschaft haben Kinder keinen Stellenwert mehr, Intoleranz und Rücksichtslosigkeiten sind an der Tagesordnung. Ich bin froh, daß ich mich durch den Hindernislauf Kindererziehung mit meinen zwei Söhnen durchgeschlagen habe und "nur noch" eine Lehrstelle für meinen Jüngsten brauche. Wer keine Chancen in der Gesellschaft hat, agiert negativ, im Privaten wie in der gesamten Gesellschaft.
Es gibt viel Ungerechtigkeit im Detail: Warum müssen unterhaltspflichtige Männer die Steuerklasse I annehmen und von 3 wechseln? Der Staat verdient am Trennungsleid der Menschen und zieht ihnen noch Geld aus der Tasche, das gerade dann nötig ist, wenn zwei Familien unterhalten werden müssen. Und warum müssen sehr stark gehbehinderte Menschen Riesenprozesse führen, um die Erlaubnis zu bekommen, auf Behindertenparkplätzen zu parken? Im Sozialrecht gibt es Ungerechtigkeiten en masse und viel total Unlogisches.
Und warum soll es den Wettbewerb von Krankenkassen fördern, wenn jetzt alle einen Einheitstarif nehmen sollen? Ich zahle bisher 12 % Kassenbeitrag, von dem über die Hälfte in Ausgleichsfonds für die teuren Kassen gehen, die wie die AOK nicht wirtschaften können. In Zukunft muß ich über 14 % zahlen und alle Kassen bekommen dasselbe, ob sie gut oder schlecht wirtschaften.
In der Masse der Erlebnisse liegt die Krux: hier wird zu viel Murks gemacht. Wäre ich jünger, würde ich auswandern. Ich habe von diesem Land und der Engstirnigkeit und dem ständigen Versuch, uns Bürger für blöd zu erklären, die Nase gestrichen voll.
Karin Geißler

wie schön, dass endlich mal jemand danach fragt, was ich ungerecht finde - und sich obendrein bereit erklärt, meine Meinung zu veröffentlichen! Es wird zwar nicht viel nützen, aber bitte sehr:
Ich ärgere mich zunehmend über die Ungerechtigkeit, dass die Menschen, die heutzutage überhaupt noch arbeiten wollen und dürfen, vom Staat scham- und anscheinend grenzenlos durch immer höhere Zwangsabgaben abkassiert werden.
Und dass von einem Großteil dieser Abgaben dann andere Menschen, die zwar arbeiten könnten, es jedoch weder wollen noch müssen, ein sorgenfreies Leben auf der faulen Haut führen können, ist die größte Ungerechtigkeit überhaupt.
Natürlich fällt mir auch sonst noch eine Menge zu dem Thema ein, doch über diese beiden Punkte empöre ich mich am stärksten.
Claudia Vockrodt
Schretstaken


Ich finde es ungerecht, das Männer für ihre beruflichen Tätigkeiten mehr Geld bekommen als eine Frau, die die selbe Arbeit verrichten.
Andrea Herold
Grethem


Ungerecht ist es, dass alle politischen Parteien und Interessensgruppen immer wieder den Begriff der Ungerechtigkeit instrumentalisieren, um in der Bevölkerung Emotionen zu stimmulieren und damit ihr ganz eigenes Süppchen kochen.
G. Melchior
München


Was ich ungerecht finde:
Das Berufspolitiker nicht in die sozialen Systeme einzahlen müssen, und trotzdem mit dicken Abfindungen und Pensionen nach Hause gehen können, ganz egal was sie geleistet haben. Ein paar Jahre in politischen Gremien, Fraktionen oder Ausschüssen reichen aus, um sich ein schönes Leben zu machen, wofür andere Jahrzehnte arbeiten müssen. Politiker sollten die gleichen Ängste haben, bei schlechter Leistung ins soziale Nirvana verschwinden zu müssen. Keine Vergünstigungen, kein Lobbyismus! Nur die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie jeder andere auch. Außerdem sollte es keine Amnestie mehr geben für Steuergeschenke und politischen Machtmissbrauch. Rigorose Aufklärung, und, da es um politische Ämter geht, konsequente Strafen.
Das die ersten Schritte zur Bildung, und zwar der Kindergarten, Geld kosten, und das Studium kostenlos bleibt. Das wir Stipendien für Ausländer vergeben, und die eigenen Kinder keine Chance erhalten. Das wir Fördern, anstatt auch zu fordern. Das wir lerntechnisch in den rosigen Zeiten der 68er Bewegung stecken geblieben sind, anstatt modern und zeitgemäß die Möglichkeiten nutzen. Das Lehrer sich nicht fortbilden müssen, sondern jahrelang ein und denselben Stoff, in ein und derselben Art und Weise präsentieren. Das es türkischen Unterricht schon an Grundschulen gibt, obwohl es wichtiger wäre, die deutsche Sprache zu lernen.
Das sexuelle Straftäter oder Kinderschänder sich durch irgendwelche psychologischen Gutachten vor harten Strafen schützen können, selbst wenn die Schuld eindeutig erwiesen ist, der Steuerhinterzieher jedoch, so lange er kein Politiker ist, mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen muß (ohne diesen Strafbestand beschönigen zu wollen).
Uwe Reuber
Herne
Ungerechte Politik!
Die Ungerechtigkeit der Politik im Staat hat sich mit dem erfolgreich gewachsenen Lobbyeinsatz entwickelt. Seit dem für die Mehrheit der Regierungsmitglieder und Mandatsträger in den Länder- und Bundestagen ihre Nebenverdienste zum Hauptverdienst wurde und das Mandat nur als lästiges Hindernis auf dem Weg zu den Nebenverdienst gesehen wird ist, bleibt die Gerechtigkeit vermehrt auf der Strecke.
Der Wähler kann sich nur noch als Stimmvieh fühlen. Er darf nicht erfahren von wem und für wie viel sich seine „Vertreter“ ihre Unabhängigkeit haben abkaufen lassen. Von Konzernen bezahlte Lobbyisten sitzen als Ministerialbeamte getarnt in einflussreichen Positionen oder schreiben die Reden unserer „Volksvertreter“.
Die Korruption, auch als „Beatmung“ oder „Landschaftspflege“ bekannt, steigt. Ich nenne dies "verkaufte Demokratie". Wenn sich der politisch interessierte Bürger sich dann mit Ekel von der Politik abwendet, können dies die „Verantwortlichen“ überhaupt nicht verstehen. Mit dieser ungerechten Politik sind die etablierten Parteien die besten Wahlhelfer für radikale Parteien.
Thomas Habersetzer
Unterschleißheim


Was ich ungerecht an Deutschland finde:
  1. Politikerdiäten werden maßlos um € 3000 im Monat erhöht, während das Sozialgeld und Hartz IV weiterhin € 345 und nicht, was wirklich notwendig wäre, € 501 beträgt.
  2. Asylbewerber erhalten, ohne zu arbeiten, seit der Regierung Kohl ein mehrfaches an Einkommen als es heutzutage Hartz IV- und Sozialgeldempfänger erhält.Wo bleibt da die Gerechtigkeit ???
  3. Das verhalten der GK ist ungerecht, in dem man einfach, ohne das Volk zu fragen, eine Gesundheitsreform durchsetzt, die vornehmlich die Armen und Arbeitslosen bestraft! Also keine medizinische Versorung mehr für sozial schwache !!!
Andreas Ellermann

lieber stern,ich finde es total ungerecht, dass ich als angestellte lehrerin mindestens 500.-euro jeden monat weniger verdiene als meine verbeamteten kolleginnen.
Barbara Theisen

Ungerecht ist,
  • wenn ca. 15% der Gesellschaft einen immer grösseren Lebensgestaltungsspielraum haben, während der Lebensgestaltungsspielraum der restlichen 85% immer kleiner wird - vor allem seit Hartz IV.
  • wenn Millionen Menschen in der Bundesrepublik am Rande der Existenz leben, ohne Chancen, ihre Lage selbst zu ändern, während diejenigen, die die Ursache dafür, nämlich Hartz IV, entwickelt haben, auch noch viel Geld dabei verdient haben.
  • wenn von den Hartz-IV-Betroffenen nicht jeder wenigestens 10.000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld bekommt von den Verantwortlichen - der Bundesrepublik Deutschland sowie McKinsey u.a.
  • wenn der Kündigungsschutz gelockert wird, ohne die Risiken für die Betroffenen auszugleichen, z.B. durch ein vorbehaltloses Grundeinkommen für jeden und Abfindungen.
Aurelia Osei-Bonsu
Berlin


Es gibt so viele die bei voller Gesundheit vorzeitig mit 58 Jahren, oft noch jünger, Rente bekommen, sogar ohne jegliche Abzüge meist durch irgendwelche Fördertöpfe, größtenteils bezahlt durch die Arbeitnehmer. Meist sind diese vorzeitig Rentenbeziehenden weit davon entfernt 40 Beitragsjahre in die Rentenkasse geleistet zu haben.
Man empfindet es als äußert ungerecht, wenn man als Jahrgang 1946 ab den 1.1.1963 ohne Unterbrechung in die Rentenkasse einbezahlt hat und als Handwerker, also körperlich arbeitender, frühestens mit 63 Jahren in Rente gehen kann und nach 47 Beitragsjahren(!!) von einer bescheidenen Rente noch einen Abzug von 7,2% auf Lebzeit hinnehmen muss.
André Debert KöngenDer Staat hat zuviel Geld, welches er allerdings nur für seine (Partei-)Büttel in 16 Bundesländern (16 verschiedene Kultusminister !!-und deren Ministerialanhang),300 Landratsämtern und den tausenden Rathäusern ausgibt,von denen jedes das Rad neu zu erfinden müsssen glaubt (jede Kommune betreibt z.B.ihre eigene Baugesetzgebung,oft parallel und sogar konträr des jeweiligen Landratsamtes.
Hans-Peter Helfen
Losheim am See


Hallo zusammen!1. Manager und Vorstände müssen auch auf lange Sicht Verantwortung für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmen übernehmen.Durch die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft müssen entsprechende Entscheidungen für die Lebensfähigkeit in der Zukunft getroffen werden, wobei leider nicht nur soziale Aspekte zu berücksichtigen sind.Die Einkommen der Unternehmensleitungen sollten den Betriebsergebnissen angepasst werden, aber in einem leistungsgerechten Verhältnis. Dabei muss einfach bedacht werden, dass in diesem Teil der Hierachie keine 37 - 40 Stunden Arbeitszeit gibt. Auch die Arbeiter und Angestellten der Unternehmen haben an der Erreichung des Ergebnisses mitgearbeitet und sollten deshalb mit einem angemessenen Anteil daran beteiligt sein. Dann wäre auch mehr Verständnis für Manager und Vorstände in der Bevölkerung vorhanden. 2.Ich stehe auf dem Standpunkt, alles was nichts kostet, wird als selbstverständlich angesehen, somit mit relativ wenig Nachdruck verfolgt und geachtet. Ab dem 3. Lebensjahr eines Kindes sollten 40 - 50 % des monatlichen Kindergeldes zweckgebunden in die Ausbildung des Kindes gesteckt werden. Dann könnte auch in den Fällen, in denen die soziale Situation der Eltern es nicht zuläßt, Werte und Wissen zu vermitteln, dem Kind Wesentliches für die eigene Zukunft gegeben werden. Dies wird bis zum Abschluss des Studiums getan, wobei die Kosten des Studiums vom Studierenden mitgetragen werden müssen.Welcher Anteil am monatlich aus Steuergeldern gezahlten Kindergeld kommt dem Kind zugute, welcher Teil wird auf anderen Wegen " konsumiert"?3. Ich denke hier als Beispiel an die Situation eines 55 jährigen Menschen, der sein Leben lang in die Arbeitslosen - Versicherung eingezahlt hat und für seine Alterszukunft verantwortungsvoll vorgesorgt hat. Der wird unschuldig arbeitslos, wird nach relativ kurzer Zeit in Harz 4 "entlassen", muss nach und nach alle für das Alter gebildeten Rücklagen auflösen, kann also relativ schnell zu einem Sozialfall werden.Es kann nicht gerecht sein, diesen Menschen genau so zu behandeln, wie einen etwa 30 jährigen, der ja noch alle Möglichkeiten hat, auf seine Lebenssituation Einfluss zu nehmen. Darum sollte der Anspruch auf Arbeitlosengeld gestaffelt nach gerechten Leistungskriterien ermittelt werden.
Mit herzlich Güßen ein sehr zufriedener Stermleser Helmuth Schmenk

Einem Menschen seine Arbeit und somit sein Brot zu nehmen, finde ich mehr als schlimm.Da wird sein Selbstwertgefühl zerstört, das Ansehen in seiner Familie, bei seinen Freundenund in seinem Umfeld in Frage gestellt. Er gilt ab sofort nur als Mensch zweiter Klasse, weilman ihn nicht mehr brauchen will. Auf dem Abstellgleis ist sein Platz, oder anders ausge-drückt: er ist fehl am Platz. Dabei hat man ihn einst eingestellt, weil seine Leistung und damit seine Arbeit dringend benötigt wurde. Aber jetzt ist er überflüssig geworden: er muß raus. Dabei wird von sozialverträglich geredet - ohne ihm eine Wahl zu lassen.
In der Regel gibt es dafür nur zwei Gründe. Der Gewinn muß gesteigert werden und damitauch die Bezüge der Vorstände. Das Missverhältnis der Einkommen von oben nach unten wird immer gravierender. Von Menschlichkeit ist nicht mehr die Rede, sondern der Ertrag und der eigene Geldbeutel haben Vorrang. Und das nicht nur bei Großbetrieben!Wenn sich alles auf Erden rächen soll - wie ein Sprichwort sagt - dann hat der liebe Gott noch eine Menge zu tun.
Theo Zimmermann

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 47/2006

 
 
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