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6. Juli 2009, 14:39 Uhr

Soldaten erhalten umstrittenes Ehrenkreuz

Neuer Heldenkult oder angemessene Ehrung? Erstmals in der Geschichte der Bundeswehr haben vier Soldaten für ihren Afghanistan-Einsatz die Tapferkeitsmedaille erhalten. Während die Koalition diese Art der Auszeichnung verteidigt, kritisiert die Linke eine Glorifizierung des Soldatentums.

Ehrenkreuz, Afghanistan, Bundeswehr, Orden, Auszeichnung

Höchste Auszeichnung: Kanzlerin Merkel heftet Oberfeldwebel Markus Geist das "Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit" ans Revers© Michael Gottschalk/DDP

Für ihren Mut bei der Bergung von Kameraden unter Lebensgefahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erstmals vier deutsche Soldaten mit dem neuen Ehrenkreuz für Tapferkeit ausgezeichnet. Die Soldaten hätten bei ihrem Einsatz in Afghanistan in akuter Lebensgefahr alles getan, um ihren Kameraden und mehreren einheimischen Kindern zu helfen, sagte Merkel am Montag bei einer Feierstunde im Kanzleramt. Zugleich appellierte sie an die Bevölkerung, Leistung und Belastungen der Bundeswehr stärker zu würdigen. "Wir reden darüber in Deutschland immer noch zu wenig. Unsere Soldaten müssen für ihren Einsatz mehr Anerkennung erhalten", betonte Merkel.

Nach einem Selbstmordanschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille am 20. Oktober 2008 nahe Kundus hatten die vier nun ausgezeichneten Soldaten versucht, ihre Kameraden und mehrere afghanische Kinder zu retten. Sie setzten dabei ihr Leben aufs Spiel, weil die Munition auf dem getroffenen Fahrzeug noch explodierte. Bei dem Anschlag wurden zwei deutsche Soldaten und fünf afghanische Kinder getötet.

Die ausgezeichneten Soldaten hätten eine Tapferkeit bewiesen, die über das Erwartbare hinausgehe, sagte Merkel. "Sie alle haben Ihre soldatische Pflicht weit über das normale Maß hinaus erfüllt", betonte auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), der sich für die Schaffung der neuen Auszeichnung eingesetzt hatte.

"Leistungen und Mut der Soldaten würdigen"

Mit dem Kanzleramt wählte die Bundesregierung einen zivilen Rahmen für die erste Verleihung des Ehrenzeichens. Dennoch rückt durch die neue Auszeichnung der militärische Kampf, das Töten und Sterben, als neue Realität für die Bundeswehr stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Erst vor einigen Monaten hatte Jung nach langem Drängen der Truppe begonnen, von gefallenen und nicht nur von getöteten Soldaten zu sprechen. Außerdem gab er den Bau eines Ehrenmals für die im Dienst ums Leben gekommenen Soldaten in Auftrag. Die SPD kritisiert den Minister allerdings weiter, weil er nicht von einem Krieg im Norden Afghanistans sprechen will.

Die Bundeswehr benutzte bisher für die Auszeichnung von Soldaten vier verschiedene Ehrenkreuze, die meistens aber an die Länge der Dienstzeit geknüpft waren. Angesichts der Erfahrungen aus der NS-Zeit hatte Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg im Gegensatz zu anderen Nato-Staaten bewusst auf einen Tapferkeitsorden verzichtet. Das Ehrenkreuz ist die fünfte Stufe der bislang von der Bundeswehr verliehenen Auszeichnungen.

Die SPD begrüßte die Einführung der Tapferkeitsmedaille. Es sei richtig, dass die Leistungen und der Mut der Soldaten in entsprechender Art und Weise gewürdigt und anerkannt würden, sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. So werde auch hierzulande erklärt, was Soldaten im Ausland leisteten. "Davor haben wir hohen Respekt."

Linke kritisiert Verherrlichung des Soldatentums

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, sagte im WDR zu Befürchtungen von Kritikern, die Medaille könnte zu einem neuen Heldenkult führen, die Bundeswehr in einer Demokratie mit dem Staatsbürger in Uniform habe mit der einstigen Wehrmacht "überhaupt nichts am Hut".

Nach den Worten des Bundestags-Wehrbeauftragten Reinhold Robbe haben Tugenden wie Kameradschaft und Tapferkeit eine neue Bedeutung für Bundeswehrsoldaten bekommen. Früher sei die Übung der Ernstfall gewesen, heute sei der Ernstfall Realität in vielen Teilen der Welt. In Afghanistan hätten dies bereits viele Soldaten leidvoll erfahren müssen, sagte Robbe dem "Handelsblatt". Die neue Tapferkeitsmedaille sei "positiver Patriotismus" und kein Heldenkult.

Die Linke zeigte sich hingegen empört. "Mit der Tapferkeitsmedaille geht die Bundesregierung in die nächste Runde und verstärkt ihre Bemühungen zur breiten gesellschaftlichen Sinnstiftung für das Soldatentum", kritisierte Paul Schäfer, der verteidigungspolitische Sprecher der Linken. Längst überkommen geglaubte militaristische Rituale zur Glorifizierung und Verherrlichung des Soldatentums würden reaktiviert, um das politische Versagen der Bundesregierung in Afghanistan zu überdecken.

Reuters/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Administrator (06.07.2009, 16:03 Uhr)
Liebe User,
wir haben überlegt, ob wir diesen Artikel zum Kommentieren frei geben können - ein Großteil der bisher abgegebenen Kommentare zeigt uns, dass unsere Entscheidung falsch war. Wir schließen die Debatte an dieser Stelle.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
hueybell (06.07.2009, 16:02 Uhr)
@endbenutzer Eisernes Kreuz
Warum sollte sich die Auszeichnung unterscheiden. Vielleicht haben Sie noch nie ein Fahrzeug der Bundeswehr gesehen, aber das Balkenkreuz ist nun einmal das Kennzeichen für Luft- und Landfahrzeuge der Bundeswehr. Warum sollte es auf einmal für Auszeichnungen "Pfui" sein.
Zumal das Eiserne Kreuz das erste Mal 1813 gestiftet wurde. Deutschland hat nämlich eine etwas längere Geschichte als nur von 33-45.
galonero (06.07.2009, 16:00 Uhr)
Orden
Zitat" Wollt Ihr den totalen Krieg"?
Aber bitte mit Orden!!!!
hueybell (06.07.2009, 15:58 Uhr)
Längst überfällig!!!
Angemessene Auszeichnungen für Soldaten im Einsatz waren längst überfällig.
Genau wie für Tapferkeit muß es auch eine Auszeichnung für erlittene Verwundungen geben.
Das hat überhaupt nichts mit Glorifizierung zu tun, sondern nur mit dem Respekt und einer offensichtlichen Anerkennung gegenüber den eingesetzten Soldaten. Warum sollten also unsere Soldaten davon ausgeschlossen werden? Überall in der Welt werden Soldaten für Ihre Taten ausgezeichnet. Die Bundeswehr ist längst eine Einsatzarmee, hat eine eigene Tradtion und somit auch eigene Orden und Ehrenzeichen verdient. Verdient im wahrsten Sinne des Wortes! Ich würde sogar soweit gehen, das bei Verwundungen automatisch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst eine, wenn auch mehr symbolische Rente gezahlt wird.

Im übrigen, die Nachfolge SED soll sich mal schön bedeckt halten, die hatten in ihrer NVA schon fix und fertige Orden für die Besetzung des Rheins in ihren Schubladen liegen.
endbenutzer (06.07.2009, 15:57 Uhr)
So eine Tapferkeitsmedallie...
...ist vielleicht Geschmackssache. Aber hätte man nicht vielleicht eine Form nehmen können, die sich ein klein wenig mehr vom Eisernen Kreuz unterscheidet?
esopherah (06.07.2009, 15:53 Uhr)
unnötig
Es gibt das Bundesverdienstkreuz, aber der wurde sovielen deppen verliehen für gar nichts, dass es eine beleidigung für soltaten und deren einsatz wäre diesen zu erhalten. Und von wegen wehrmacht gelaber hier: auch diese orden gelten! sie ehren unsere väter die IHREN dienst geleistet haben. Die ordensgegner haben alle was gemeinsam: Sie werden niemals einen verdienen.
Plancklala (06.07.2009, 15:52 Uhr)
Gääähn.... Aloa Akuba, der Prophet ist dreckig.
Ein Stück Blech als positiver Patriotismus (logisch: es gibt keinen negativen. Und die Nazizeit muss man so oder so zum Grundstock seiner Identität machen, sonst wäre man ja nicht besonders Deutsch und da ist es nun auch völlig egal ob man das moralisch oder unmoralisch macht, kommt die selbe Wurst bei raus; aber das kann man der Linken, wie der CDU erzählen so lange man möchte: man müsste einem Politiker erst einmal den Jargon abgewöhnen aus dem er nicht mehr raus kommt und dann ein wenig sprachliche Kunst beibringen, aber dann wären sie alle wohl keine Politiker mehr). Vegefranz, wie stehst du denn dazu, dass die Union jene Partei ist, die die Interessenverbände der Mordbanden aus dem Osten schützt, damit sie nicht einen Teil ihrer Stimmen in der NPD aufgehen sieht?! Aber, beiseite den Spess; Argument ist auf deutsch ein Fremdwort. Treu dem Motto: Frau Lola hat unrecht, dass der Marienkäfer schwarze Punkte hat, weil sie gestern ihr Kind ermuntert hat den Paule von nebenan zu schlagen. Da kackt man irgendwelchen Leuten, die heute und morgen schon niemand mehr kennt, Blech auf die Rippen und es finden sich irgendwelche Leute die tatsächlich ihre Minderwertigkeitsgefühle - dadurch verursacht keinen Platz in der Journalistenmeute gefunden zu haben (wahrscheinlich auch noch zu recht, wenn der Grad zum Stammtisch, den sie doch anführen sollten, nicht lokalisierbar ist) - ins Board urinieren müssen. Raptor, ich tue auch Gutes, wenn ich mein Klo putze, leider belohnt mich Big Mama nicht mit der längsten Schokopraline der Welt. Aber wer weis, vielleicht liegt ja morgen früh, wenn ich dir nix mir nix und unverhofft aus dem Schlaf der Engel aufwache ein Präsent unter dem Deckel.
galonero (06.07.2009, 15:44 Uhr)
Orden
Für alle Ordensgeile eine Empfehlung:
Guggt euch mal den Film Catch 22 an!
raptor-xl (06.07.2009, 15:22 Uhr)
...wenn jemand was gutes tut,
dann muss das auch belohnt werden. was gibt es denn daran zu bemäkeln???
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