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26. September 2011, 12:05 Uhr

Die Liberalen - humorlos, aber mit viel Witz

Über Minderheiten sollte man keine Witze machen. Das scheint im politischen Berlin derzeit schwer zu fallen. Auch unser Autor scheitert. Die FDP bietet einfach eine zu große Angriffsfläche. Von Hans Peter Schütz

 
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Zum Davonlaufen: Der FDP sind die Wähler davongelaufen - und das politische Berlin erzählt sich munter Witze über die Liberalen© Michael Kappeler/DPA

Nach der bösen Berlin-Schlappe sind die Liberalen intensiver denn je auf der Suche nach neuem Profil. Ex-Parteichef Guido Westerwelle hat sich eine neue Brille zugelegt, statt wie bisher ein randloses Modell trägt er jetzt Brille mit dunkelbraunem Rahmen. Ein echter Blickfänger für sein Profil – aber ob es ihm hilft, den ihm vorgeworfenen Mangel an klarer Linie auszublenden? Wir legen an dieser Stelle Wert darauf, dass die Brillen-Bewertung kein Witz zu Lasten der FDP ist. Denn derzeit gilt in der Hauptstadt die Devise: Macht keine Witze über die FDP. Auf dem ARD-Hauptstadttreff vergangene Woche bat Chefredakteur Ulrich Deppendorf zur Eröffnung der Party die Gäste (unter anderen: Angela Merkel, Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier, Renate Künast, Volker Kauder, Rainer Brüderle, Christian Lindner) eindringlich darum, einander nicht mit FDP-Witzen zu traktieren. Kennen Sie den? Was bedeutet F.D.P.? Zweierlei: Erstens: Fast Drei Prozent, Zweitens: Fang den Posten.

Kein Witz über die FDP ist die Antwort von Otto Schily auf eine Frage von stern.de nach der Zukunft der FDP. Schily sagte: „Der Abstieg ist ja furchtbar. Wir müssen die Liberalen unter Naturschutz stellen. Wir brauchen sie noch.“ Das hat der Ex-Bundesinnenminister ganz im Ernst gesagt.

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Eine FDP-Sache über die man wenigstens lächeln darf, muss doch noch erzählt werden: FDP-Generalsekretär Christian Lindner muss sich derzeit gegen heftige Attacken wegen des FDP-Profils wehren. So warf ihm der Herausgeber der „Frankfurter Allgemeine“, Günther Nonnenmacher vor, als „Wunderkind der Partei“ habe er krass versagt. „Lindner hat außer Sprechblasen wenig produziert und nutzt sich in Talkshows ab.“ Lindner erträgt die Attacke tapfer und sagt: „Ich werde als Parteigeneral eben für Tapferkeit bezahlt.“ Den Satz kann man auch als Seufzer verstehen. Denn Lindner darf sich fragen, wieso ein FAZ-Herausgeber ihm Sprechblasen vorwirft, der ausgerechnet ihm erst im Mai eine ganze Seite des renommierten Blattes zur Verfügung gestellt hat, um unter dem Titel „Wozu Liberalismus“ über die Koordinaten der FDP-Politik zu schreiben. Die sind: „Marktwirtschaftliche Ordnung, Rechtsstaatlichkeit, soziale und ökologische Verantwortung.“ Nur Sprechblasen? Warum druckt die FAZ sie dann, kann sich Lindner fragen.

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Aber die FAZ liest Lindner derzeit ohnehin nicht. Auf seinem Schreibtisch lieg Astrid Rosenfelds Erstlingswerk „Adams Erbe“ eine überaus lesenswerte Arbeit über Menschen, die dem Leben seine positiven Seiten abgewinnen, ohne die schlechten zu übersehen. Das genau ist die Situation, die der FDP-General meistern muss. Und besonders lesenswert ist für ihn das Buch auch deshalb, weil die Autorin die Schwester seiner jüngst ihm Angetrauten, der Journalistin Dagmar Rosenfeld, ist. Politische Wiederaufbauhilfe sucht Lindner offensichtlich auch andernorts. Hinter seinem Schreibtisch hängen die Porträts von Otto Graf Lambsdorff, Ralf Dahrendorf und Friedrich August von Hayek. Das ist der wichtigste Vordenker des Liberalismus im 20 Jahrhundert. Ein Österreicher, der für seine Arbeiten über Geld- und Konjunkturtheorie mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet worden ist. Bei diesen „Beratern“ muss es einfach programmatisch mit den Liberalen um Philipp Rösler doch bald wieder aufwärts gehen.

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An ihren Dienstwagen kann man sie erkennen: Jene Umweltschutzprediger, die mit ihren Dienstwagen glatt widerlegen, was sie von den Bürgern fordern. Die Deutsche Umwelthilfe hat sich die Dienstwagen der Bundesbehörden vorgeknöpft und kam zu enttäuschenden Ergebnissen: Bei zwölf von 21 Behörden stinken die Dienstautos mehr zum Himmel als die seit 2008 geltenden EU-Zielwerte vorsehen. Größter Sünder ist Frank-J. Wiese, Chef der Bundesagentur für Arbeit. Er fährt einen BMW 740i und pustet pro Kilometer 235 Gramm CO2 (erlaubt: 140 Gramm) in die Umwelt. Der Boss der Deutschen Rentenversicherung kommt ebenfalls mit einem Spritschlucker (Audi A8 3.0 TDI) daher, der es auf 174 Gramm CO2 bringt. Eine „rote Karte“ wegen Übermotorisierung gab es ausgerechnet für Jochen Flasbarth, den Chef Umweltbundesamtes, das auf den höchsten Flottenwert aller Behörden kommt. Über umweltfreundliche Autos reden ist offensichtlich leichter, als sie zu fahren.

Von Hans Peter Schütz
 
 
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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