Das Unwort des Jahres heißt "betriebsratsverseucht", gäbe es ein Wort des Jahres, müsste es "lobbyverseucht" heißen. Denn wohl nie zuvor wurde in Berlin über so viele Marken diskutiert - von BMW bis DKV. Von Hans-Peter Schütz

Partei mit Sonderkonditionen: Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle.© Arno Burgi/DPA
Klientel-Politik nach FDP-Vorbild ist derzeit das beherrschende Thema vor und hinter der Berliner Politik-Kulisse. Dabei wird vorzugsweise mit gegenseitigen Beschuldigungen gearbeitet. Einen Vorwurf der Liberalen an die Adresse der Sozialdemokraten findet die Pforzheimer SPD-Abgeordnete Katja Mast besonders infam: Dass die SPD von BMW ebenfalls Spenden bekommen und dann als Dankeschön dafür während der Großen Koalition die Abwrackprämie im Bundestag mit beschlossen habe. Erstens habe die Abwrackprämie BMW am wenigsten geholfen, wie jede Statistik beweise. Richtig sei allein, dass die SPD-Fraktion ihre Dienstwagen mit schönem Rabatt von BMW bekomme.
Was die FDP in der Tat verschweigt: Rabatte bis zu 50 Prozent bekommen alle Fraktionen des Bundestags für ihre Fahrzeuge von deutschen Herstellern. Auch die FDP. Und bei der ist es auch schon vorgekommen, dass mit den alten Rabatt-Autos, wenn die neuen geliefert wurden, noch einmal Geschäfte gemacht wurden.
Lobbyisten und FDP - das ist eine unstrittig sehr gesunde Liebesbeziehung. Deren jüngstes Kapitel schlug der Grüne Volker Beck auf. Während der Haushaltsdebatte im Bundestag fragte er, ob die FDP bei der DKV, dem größten privaten Krankenversicherer in Europa, Sonderkonditionen genieße. Birgit Homburger, FDP-Fraktionschefin, hörte erkennbar weg. Kein Wunder: Tatsächlich haben die Liberalen seit 2003 einen Gruppenvertrag mit der DKV. Liberale und deren Angehörige bekommen einen Rabatt von fünf Prozent auf den normalen Tarif, außerdem darf kein Antragsteller abgelehnt werden und Wartezeiten für einen Neuvertrag gibt es auch nicht.
"Es handelt sich um ein ganz normales Vorgehen der Versicherungswirtschaft", beschwichtigt Monika Strobrawe, Sprecherin des DKV-Eigentümers "Ergo" im Gespräch mit stern.de. Aber sie gibt auch zu: Die FDP ist die einzige Partei, die einen solchen Gruppenvertrag hat.