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25. Februar 2010, 15:28 Uhr

Müntefering erwartet Erklärung von "Bunte"

Der stern enthüllt in seiner neuen Ausgabe, wie die Politiker Lafontaine, Müntefering und Seehofer bespitzelt wurden. Die Rechercheaufträge kamen von der Illustrierten "Bunte". Ex-SPD-Chef Müntefering hat nun reagiert.

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"Gibt es einen Ehrenkodex?": Ex-SPD-Chef Franz Müntefering© Michael Gottschalk/ddp

Die Story hieß, kurz gefasst: "Münte hat ne Neue". So hat es Stefan Kießling, Kopf der Agentur CMK, nach Augenzeugenberichten gesagt. Und wer diese Neue ist, daran war die "Bunte" brennend interessiert. Also recherchierte CMK monatelang, observierte die Berliner Privatwohnung des damaligen SPD-Chefs und manipulierte den Briefkasten seiner Freundin Michelle Schumann, um ihre An- und Abwesenheit auszuspähen. Ein CMK-Mitarbeiter beobachte Schumann sogar auf einer Zugfahrt zwischen Bochum und Berlin. Am 7. Mai 2009 brachte "Bunte" eine Titelgeschichte über Müntefering und Schumann unter der Schlagzeile "Schön, dass er wieder lachen kann".

Franz Müntefering verlangt nun, eine Reaktion des Blattes. "Ich warte gespannt, wann die Verantwortlichen der 'Bunten sich mir (und anderen Betroffenen) gegenüber erklären oder ob sie die angewandten Methoden diesem Anlass für normal und gerechtfertigt halten und deshalb keinen Erklärungsbedarf sehen", sagte er stern.de. Neben Müntefering hatte CMK auch den Linken-Parteichef Oskar Lafontaine bespitzelt, dem eine Affäre mit seiner Parteigenossin Sahra Wagenknecht nachgesagt wurde. Ebenso im Visier: CSU-Chef Horst Seehofer und seine ehemalige Geliebte Anette Fröhlich. In allen Fällen war die "Bunte" Auftraggeber der Recherchen. Unter der Überschrift "Verfolgt und ausgespäht" berichtet der stern in seiner aktuellen Ausgabe ausführlich darüber.

Seehofer: "DDR ist vorbei"

Müntefering mahnt nun Konsequenzen für den künftigen Umgang mit dem Privatleben von Politikern an. "Ich bin neugierig, ob es in der Medienwelt unseres Landes einen Ehrenkodex gibt, der zu einer öffentlich nachvollziehbaren Behandlung des Vorgangs und vielleicht sogar zu Konsequenzen für zukünftiges Verhalten führt oder ob das nicht für möglich gehalten wird". Er begrüße, dass der stern die "Courage zur Veröffentlichung seiner Recherche-Ergebnisse hatte."

Sehr scharf reagierte die Linkspartei nach Bekanntwerden der CMK-Recherchen. Der designierte Vorsitzende Klaus Ernst sagte stern.de: ""Wenn sich das bestätigt, sind nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks überschritten, sondern auch die der Pressefreiheit. Diese Bespitzelungspraktiken sind von keinem Informationsinteresse der Öffentlichkeit gedeckt, sondern ekelhaft und rechtswidrig. Verlagschef Burda muss dem umgehend Einhalt gebieten und sich bei den Betroffenen entschuldigen." Die Recherchen zu Wagenknecht und Lafontaine verliefen, wie die "Bunte" dem stern bestätigte, mangels Ergebnissen im Sande. Horst Seehofer, der ebenfalls zu den Betroffenen gehört, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Die DDR ist doch vorbei."

Zypries: "Schwarze Schafe ächten"

Die Justiziarin der SPD-Bundestagsfraktion und ehemalige Justizministerin, Brigitte Zypries, kritisierte den Vorgang im Gespräch mit der "Welt". " Wenn die 'Bunte' Privatdetektive mit der Beschattung des Privatlebens von Politikern beauftragt, ist das schlicht rechtswidrig", sagte sie. Das Persönlichkeitsrecht sei "in eklatanter Weise verletzt worden". Die schwarzen Schafe in den Medien müssten geächtet werden. Die "Bunte" selbst hat unterdessen angekündigt, den stern verklagen zu wollen. stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn sagte, er sehe einer Klage gelassen entgegen. Der stern habe journalistisch sauber gearbeitet.

Zur Rechtslage sagte der Berliner Medienanwalt Christian Schertz zu "Spiegel-Online": "Sollte die im stern beschriebenen Methoden tatsächlich der Wahrheit entsprechen, wäre dies eine neue Qualität der Verrohung von Boulevardjournalismus in Deutschland". Das gezielte Beschatten von Prominenten, um deren Privatleben auszuspionieren, sei nicht zu rechtfertigen, eine Berichterstattung rechtswidrig. Die beschriebenen Methoden der CMK sollten für den Gesetzgeber Anlass sein, "derartigen Pervertierungen sofort eine Grenze zu setzen".

Müntefering zu stern.de "Zu dem Bericht im aktuellen stern über das gezielte Ausspionieren unseres Privatlebens und das anderer:

1. Ich warte gespannt, wann die Verantwortlichen der 'Bunten' sich mir (und anderen Betroffenen) gegenüber erklären oder ob sie die angewandten Methoden zu diesem Anlass für normal und gerechtfertigt halten und deshalb keinen Erklärungsbedarf sehen.

2. Ich bin neugierig, ob es in der Medienwelt unseres Landes einen Ehrenkodex gibt, der zu einer öffentlich nachvollziehbaren Behandlung des Vorgangs und vielleicht sogar zu Konsequenzen für zukünftiges Verhalten führt oder weshalb das nicht für nötig gehalten wird.

3. Ich begrüße, dass der stern die Courage zur Veröffentlichung seiner Recherche-Ergebnisse hatte."

J.K./lk
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
klausens (27.02.2010, 14:44 Uhr)
Alle bespitzeln sich gegenseitig
Wie soll das weitergehen?

Journalisten schreiben über (andere, böse?) Journalisten, die wiederum Menschen aktiv bespitzeln?

Man braucht klare Maßstäbe, ab wann was erlaubt ist.

Sind Journalisten Detektive?

Denn bisweilen MÜSSEN Journalisten auch im Grenzbereich arbeiten, um bestimmte Dinge zu enthüllen.

Was aber sind "bestimmte Dinge"? Ab wann darf man wie eingreifen? Welcher Anfangsverdacht muss vorliegen?

Wir brauchen für die Vierte Gewalt der Medien ähnliche Regeln, wie sie im Strafrecht z.B. für die Verhängung einer Untersuchungshaft oder die Erlaubnis zur Hausdurchsuchung gelten.

Zugleich ist klar: Recherche muss möglich sein.

Es können aber nicht die Journalisten das Zeugnisverweigerungsrecht beanspruchen, dann aber selber ebenso seltsame rechtsferne Dinge betreiben.

Dann brauchen wir noch die 5te und 6te und 7te Gewalt. Ich sehe mich selber als Autor und Schriftsteller als eine 5te Gewalt.

Es müssen mehr und mehr Gewalten entstehen, damit die Balance der Mächte gewährleistet wird.

Und: Herr Wallraff möge sich äußern, denn er kennt den Grenzbereich zu gut, zumal er undercover in der BILD drin war. Er hat auf beiden Seiten der journalistischen Recherche gewirkt.

Er kennt die grenzen und die Grenzüberschreitungen, und er weiß, dass diese bisweilen nötig sind.

Aber wann genau?

Wallraff hat seine Prinzipien, die er nun in die öffentliche Debatte über das "Maß" und das "Ausmaß" von Medien geben sollte.

Herr Burda hingegen hat sich sehr disqualifiziert. Er gibt sich immmer so neutral. Er wandert aber regelmäßig mit Menschen wie Schrempp durch die hohen Berge. Das lässt einen sowieso schon zweifeln.

Netzwerk Recherche, übernehmen Sie! Die Moral ist gefragt.
dreicon (26.02.2010, 16:52 Uhr)
Hier geht es nicht um Mitleid oder Häme
gegenüber Oskar und Münte. Die sind das gewohnt in unserem Rechtsliberativen Gemeinwesen. Das wird die nicht mehr wirklich aufregen.

Es geht vielmehr über die trefflichen Biedermänner Burda und Markwort, die es schaffen werden, auch für diesen Jauchegrubenjournalismus das Bundesverdienstkreuz zu erhalten.
vombromsberg (26.02.2010, 10:44 Uhr)
da bin ich mal voll....
....auf der seite münte's! ich freue mich, dass sich der STERN, wenn auch indirekt, um seriösen journalismus kümmert, obwohl manchmal die nähe zum boulevard ganz eng, ganz BUNTEBILDE ist. so diese ganzen primitiv-geschichtchen von boris becker oder den anderen xyz prommis, passt doch vom niveau her eher zu diesem kleinen burda.
also, lieber STERN, jetzt mal weiter so in richtung guter enthüllungsjournalismus. mich interessieren weder verschrumpelte tatort - tussy noch spielerfrauen....
n8g8 (25.02.2010, 22:33 Uhr)
Wo bleibt die Erklärung von Münte?
Ich finde, dass sich gefälligst erst einmal Münze mitsamt seiner korrupten SPD erklären muss: Erklären muss der und seine Sippschaft nämlich, warum er und seine Partei Detektiveinsätze gegenüber Hartz-IV-Empfänger als Regierung und Gesetzgeber erstmals in der deutschen Geschichte seit Gründung der BRD ermöglicht hat!!!
Ich als Arbeitnehmer hoffe, dass diesem asozialen Herren privat noch etliche Wanzen unter seinem Abstreifer so richtig Feuer im Allerwertesten machen, möglichst schmerzhaft.
Sternbesucher (25.02.2010, 19:00 Uhr)
Wenns man so einfach wäre !
Guten Abend stern.de!
Ich halte ihren Artikel für scheinheilig.
Was wohl in ihrer Datenbank über die Menschen in ihren Beiträgen steht, was wir einfachen Bürger nicht wissen dürfen. Und sind alle Daten SAUBER erarbeitet?
Außerdem sind wir Sternbesucher nicht blöde, auch wenns schon 26 Jahre zurückliegt. Was war das erst für ein Skandal mit ihren Hitler-Tagebüchern.
Da ist ihr jetziges Thema doch Peanuts dagegen.
Und genau deshalb ist JEDER Artikel von Ihnen mit Vorsicht zu genießen.
Gehen Sie mal in sich .
Guten Abend.
erichmonika (25.02.2010, 17:08 Uhr)
Schlimm, was die sich erlauben
Es war schon immer ein völlig überflüssiges Blättchen. Nun entpuppt es sich auch noch als Gossenzeitung, das vor Stasimethoden nicht zurückschreckt, Frau Käsmann ist zurückgetreten, weil sie einen schweren Fehler nicht aussitzen wollte, was macht den nun die Chefredakteurin der Bunten, die das über Jahre aktiv betrieben hat und was macht Herr Burda, dem dass Schandblatt gehört und der doch auch ein ehrenwerter Zeitgenosse sein will, mit Bambi und so?
figaroo (25.02.2010, 17:04 Uhr)
wo ist eigentlich der bericht..
dass die bunte juristische Schritte gegen den stern einleitet?
Tyndal (25.02.2010, 16:40 Uhr)
Richtig erkannt...
"derartigen Pervertierungen sofort eine Grenze zu setzen" - und wenn eine Person des öffentlichen Lebens nicht mehr ausspioniert werden darf, dann erst recht nicht der normale Bürger mit unzähligen Kameras auf öffentlichen Plätzen, abgehörten Telefonen, Bundes-Trojaner, Nacktscannern etc. Müntefering & Co haben freiwillig ein Leben in der Öffentlichkeit gewählt. Auf der anderen Seite ist es aber irgendwie traurig, dass der damalige Vize-Kanzler (wenn ich mich recht entsinne) ausspioniert werden kann und das seinen Personenschützern nicht auffällt... da bekommen die gepanzerte Staats-Limusinen wegen erhöhter Anschlaggefahr, aber zuhause wären sie für jeden Terroristen ein leichtes Ziel.
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