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5. Juni 2010, 10:14 Uhr

Miss Perfect will nach Bellevue

Bettina Wulff könnte die bislang jüngste "First Lady" werden. Sie bringt ihre junge Familie und die Erfahrungen einer alleinerziehenden Mutter mit nach Bellevue. Sie scheint fast zu perfekt. Von Sebastian Huld

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Bettina Wulff könnte am 30. Juni die bislang jüngste Frau eines Bundespräsidenten werden© Fredrik von Erichsen/DPA

Schade ist es ja schon um das idyllische Kleinstadtleben. Bettina Wulff wird in die Großstadt Berlin umziehen müssen, wenn ihr Mann, der derzeitige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt wird. Das moderne Einfamilienhaus in ihrer Heimatstadt Großburgwedel nahe Hannover muss dann dem Schloss Bellevue weichen. Und sie, die berufstätige Mutter von zwei Kindern, wird mit 36 Jahren die jüngste "First Lady" in der Geschichte der Bundesrepublik.

Noch vor wenigen Jahren hatte nichts darauf hingedeutet, dass die attraktive Blondine aus bürgerlichem Haus einmal die erste Frau der Republik werden könnte. Denn Bettina Wulff, geborene Körner, ist erst seit zwei Jahren mit dem CDU-Vize Wulff verheiratet. Beide haben Kinder aus einer früheren Beziehung. Die Wulffs sind eine moderne Patchwork-Familie.

Zwei konservative Singles

Als Bettina und Christian Wulff Anfang 2006 ein Paar werden, steht die Beziehung unter keinem guten Stern. Die Ehe des katholischen CDU-Politikers liegt in Trümmern. Nach 18 Jahren an der Seite seiner Frau Christiane, mit der er eine Tochter hat, haben sich die zwei auseinandergelebt. "Man ist halt immer auf Achse ... Ich bin sehr engagiert im politischen Geschäft, meine Frau sehr stark in ihrem Bereich", erklärte Wulff einmal das Scheitern seiner Ehe. Der Landesvater lebt meist allein in einem Appartement in Hannover. Dann lernt er, so die Story, Bettina Körner kennen. Damals 32 Jahre jung, arbeitet die attraktive Medienwissenschaftlerin als Medienreferentin beim Reifenhersteller Continental. Halbtags, denn sie zieht ihren dreijährigen Sohn Leander alleine groß. Auch sie entspricht damit nicht den Vorstellungen ihrer konservativen Heimat. Großburgwedel ist tiefschwarz, jeder zweite wählt hier CDU.

Die Seitensprünge anderer Politiker - man denke nur an Horst Seehofer - hatten mitunter für Diskussionsstoff gesorgt. Bei Christian Wulff und Bettina Körner läuft alles glatt, der öffentliche Skandal bleibt aus. Offensiv zeigt sich der Ministerpräsident seit dem Sommer 2006 mit seiner 14 Jahre jüngeren Flamme, während seine Frau dazu schweigt. In einer kurzen Rede gibt er das Ende seiner Ehe bekannt und stellt "die Neue" vor. Diese hält sich anfangs zwar vornehm zurück, doch mit ihrer fröhlichen, aufgeschlossenen Art erntet sie Sympathien. Anders als die Christiane Wulff, die immer Distanz suchte zum Beruf ihres Mannes, bereitet Bettina Körner ihre öffentliche Rolle Vergnügen. Immer öfter gehen die beiden gemeinsam zu öffentlichen Veranstaltungen.

Er glänzt in ihrem Licht

Als Christian Wulff im Januar 2008 in Niedersachsen wiedergewählt wird, ist Bettina schwanger. Auf der Wahlparty zeigt sie sich Seite an Seite mit Annalena, Wulffs Tochter aus erster Ehe. Der Ministerpräsident lebt die Patchwork-Familie. Er gibt sich in den Medien gern als moderner, liebevoller Vater. Es passt auch gerade so schön zur Zeitenwende in seiner Partei. Die kinderlose Merkel, die berufstätige Mutter von der Leyen und eben Christian Wulff, der Patchwork-Daddy.

Die Scheidung von Christiane Wulff ging reibungslos über Bühne. Ein öffentliches Nachkarten gibt es nicht. Gerade noch rechtzeitig vor der Geburt von Linus, dem gemeinsamen Sohn, heiraten die beiden. Die Hochzeit findet im kleinen Kreis in einem Schlosshotel statt. Sie hat es geschafft. Bettina Wulff: Frau des Ministerpräsidenten.

Die perfekte Inszenierung

Und ihr Glanz strahlt ab auf ihren Ehemann: Wulff gibt sich gelöster. Zeigt sich in Jeans und tanzt plötzlich ausgelassen auf öffentlichen Veranstaltungen. Er, der in seinem Kinderzimmer ein Poster von Helmut Kohl hängen hatte, wirkt an ihrer Seite jetzt ein bisschen cool. Sie hat sogar ein Tatoo am rechten Oberarm. Ein kleines Tribal, wie der Boulevard erstaunt feststellt. "Ich bin froh, dass mein Mann Ja dazu sagt, dass er eine coole Frau hat", berichtet sie der "Bunten".

Überhaupt, der Boulevard. Christian Wulff gibt nicht besonders viele Interviews, die Klatschmagazine bekommen aber ihre wohl portionierten Häppchen. Die Wulffs reden gern über ihr Familienleben: Alle haben sich "sehr lieb". Bei einem gemeinsamen Besuch bei "Johannes B. Kerner" geht es dann auch wenig um Politik, viel um die Kinder.

Doch Bettina gibt sich mit ihrer öffentlichen Rolle nicht zufrieden. Sie will weiterhin arbeiten, fängt nach der Geburt von Linus wieder Halbzeit als Medienreferentin beim Drogisten Rossmann an. Der Firmensitz ist in Großwedel, ihrer Heimat. Die Wulffs kaufen ein Haus, Christian Wulff lobt die nahgelegenen Schulen, als hätte er wieder nur alles der Kinder wegen getan. Während die etwa 10.000 Einwohner von Großburgwedel Christian Wulff eher selten sehen, ist die sportliche Bettina regelmäßig auf ihrem Fahrrad in der Stadt unterwegs. Sie managt neben ihrer Arbeit die Familie, versorgt die Kinder und gilt in Burgwedel als freundlich und unkompliziert.

Eine große Chance

Wenn die Bundesversammlung am 30. Juni Christian Wulff zum Bundespräsidenten wählt, wird sich Bettina Wulff womöglich erstmals der Karriere ihres Mannes unterordnen müssen. Schwer vorstellbar, dass sie weiter ihrem Beruf nachgeht. Ihrer neuen Aufgabe scheint sie gewachsen zu sein. Schon in den vergangenen Jahren hat sie als Landesmutter an der Seite ihres Mannes repräsentiert und unter anderem Schirmherrschaften übernommen. Ihr Alter ist kein Problem. Noch nie hat es in Bellevue eine so junge und moderne Familie gegeben. Doch wie wird die Republik sie sehen, diese scheinbar perfekte Patchwork-Familie? Als Modell für moderne Zeiten oder als zu glatt? Bettina Wulff wäre ein ganz neuer Typ Frau an der Seite des Bundespräsidenten. Ihr Aufstieg, so scheint es, geht weiter, Bellevue wartet. Nur mit der Großwedelsburger Idylle ist es vorerst vorbei.

Von Sebastian Huld
 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
SethusCalvisius (07.06.2010, 19:31 Uhr)
Oh
Die Überschrift wurde ja geändert!
Finde ich gut, Fehler einzugestehen und zu korrigieren.
Mein Kommentar von gestern macht jetzt natürlich keinem SInn mehr, aber lasst ihn ruhiog stehen. Da sieht man wenigstens, dass hier einiges in Bewegung ist.
Dewerth (07.06.2010, 18:25 Uhr)
Miss Perfect zieht ...
... und wenn das nicht klappt, heißt die Headline: Miss Imperfect zieht nicht nach Bellevue.
SethusCalvisius (07.06.2010, 00:33 Uhr)
"Neue "First Lady" Bettina Wulff:" "Miss Perfect zieht nach Bellevue"
Was ist eigentlich, wenn Herr Gauck die Wahl gewinnt? Was wird Frau Gauck dann sagen, wenn Bettina Wulff als "First Lady" ins Schloss Bellevue einzieht? Denn das scheint ja, zumindest laut Stern, schon vor der Wahl festzustehen.

Was ich von dieser Art Journalismus halte, kann ich leider nicht sagen,. da ich dann wegen unsachlicher Äußerungen gleich wieder gelöscht werde.
auch.das.noch (06.06.2010, 11:30 Uhr)
Hofberichterstattung in rosarot
ach wie ruehrend, dann kann ich mir die Lektuere vom "Goldenen Blatt" ja fuer heute sparen.

PS Nch mehr solche Artikel und ich kann mir auch den "Stern" sparen!
der2groeste (06.06.2010, 08:38 Uhr)
Parlamentarische Demokratie??
Parlamentarische Demokratie, oder versteckte Parlamentarische Lobbyisten Diktatur.
Ich lebe, so ich bin, sein oder nicht sein , das ist hier die Frage.
Oder bin ich bekloppt???
Wahrhyde (06.06.2010, 02:55 Uhr)
Welche Personalausgaben können sich die Niedersachsen sparen?
Der Bund der Steuerzahler Niedersachsen-Bremen klärt auf:

"Für vertretbar und angemessen wird nach den vorangegangenen Nullrunden eine Erhöhung der monatlichen Abgeordnetenbezüge zum 1. Juli 2010 um 205 Euro auf 5.800 Euro gesehen. Eine erneute Anhebung innerhalb von sechs Monaten um weitere 200 Euro sowie den beabsichtigten Diätenautomatismus lehnt der Verband ab. "Der Landtag sollte künftige Diätenanpassungen jeweils separat und im Lichte der Öffentlichkeit beschließen."
Wahrhyde (06.06.2010, 02:48 Uhr)
Neun Millionen Euro täglich an neuen Schulden in Niedersachsen
Die Schuldenuhr von Niedersachsen bringt es an den Tag. C. Wulff kann mit Geld überhaupt nicht umgehen. ;)

Der Bund der Steuerzahler Niedersachsen-Bremen nennt Ursachen und Bekämpfungsstrategien:

"Erforderlich ist insbesondere eine Begrenzung der Personalausgaben, die rund 43 Prozent der gesamten Ausgaben (inklusive Landesbetriebe) ausmachen."
jomimo (06.06.2010, 02:00 Uhr)
Bitte nicht vergessen
Wulff ist gerade mal 50 Jahre und wäre nach 2 Legislaturperioden 60 Jahre und erhielte dann lebenslang 250.000 Eur jährlich.

Der kann doch nicht gewählt werden - wie soll denn angesichts dessen vermittelt werden, dass Krankenschwestern bis 67 arbeiten sollen in einem Job, der schwer und veranwortungsvoll ist.
Zimmermänner sind ab 60 auch nicht mehr die prädestinierten Typen fürs Dach.

Denken Sie einfach über diese Relation nach und die Unverhältnismäßigkeit, welche in D der Unterschied zwischen RENTE und PENSION bedeutet.
monroele (06.06.2010, 01:31 Uhr)
Miss Perfect . First Lady, Patchwork Daddy
Gibt es keine deutschen Ausdruecke mehr? Ich dachte ich lese einen Artikel ueber Michelle Obama. Ich lebe seit Jahren in den Staaten und amuesiere ich immer ueber all die Amerika-Hasser, die jeden Hafenkaes aus Amerika nachaeffen. Und jedes fuenfte Wort ist englisch.
jomimo (06.06.2010, 01:29 Uhr)
Dieser Artikel
ist schon peinlich.
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