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8. September 2009, 17:16 Uhr

Der Mythos der deutschen Gutkrieger

Jahrelang bastelten deutsche Wehrpolitiker an einem Mythos. Die Bundeswehr baut Mädchenschulen, während die Amerikaner in Afghanistan Krieg führen. Nun ist der Mythos zerbombt. Eine Analyse von Eric Chauvistré

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Die Bundeswehr stellt das drittstärkste Kontignent in Afghanistan© Anja Niedringhaus/AP

Seit Freitag ist die Welt deutscher Wehrpolitiker eine andere. Der von der Bundeswehr bestellte Bombenhagel traf nicht nur zwei Tanklastzüge und tötete mindestens 70 Afghanen. Die Bundeswehr zerstörte auch ihren eigenen Afghanistan-Mythos.

Den hatte eine ganz große Koalition von Wehrpolitikern über Jahre hinweg zusammen gebastelt. Die Bundeswehrsoldaten sollten die besseren Menschen sein. Und Krieg, so wollten es die politischen Vorgesetzten in Bundesregierung und Bundestag, durfte das, was dort im Stationierungsgebiet der Bundeswehr geschah, keinesfalls heißen - eine Sprachregelung, die sich die Grünen ebenso zu eigen machten wie die Union.

Klischees von Rüpeln und Gutmenschen

Zweck der Übung war, eine Debatte zu vermeiden. Und zumindest mit dieser Strategie waren Deutschlands Wehrpolitiker erstaunlich erfolgreich. Ist dennoch einmal der Hauch einer Auseinandersetzung über Sinn und Zweck des Einsatzes am Hindukusch aufgekommen, lenkte man die Kritik auf das Vorgehen der US-Amerikaner oder Briten. Gäbe es diese unsensiblen Rüpel nicht, so der Tenor, dann wäre Afghanistan längst viel weiter. Wenn alle so vernünftig und bedacht wie die Deutschen vorgingen, dann wäre die Nato noch viel erfolgreicher beim Aufbau eines demokratischen Staates Afghanistan.

Das absurde Konstrukt der deutschen Gutkrieger hat lange gehalten. Doch jetzt, so scheint es, droht es wegzubrechen. Die offensichtlich manipulierte Präsidentschaftswahl macht jedes Gerede vom erfolgreichen Aufbau eines demokratischen Gemeinwesens lächerlich. Wenn die Nato-geführte Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) nach acht Jahren im Land nur die Installation einer korrupten und wahlfälschenden Warlord-Regierung vorweisen kann, dann darf das getrost als Scheitern bezeichnet werden.

Ziel: ein Minimum an Stabilität

Doch der Nato, den USA und auch der deutschen Bundesregierung geht es ohnehin nur noch um ein Minimum an Stabilität. Es geht darum, einen afghanischen Staatsapparat aufzubauen, um ihn anschließend aufzurüsten. Denn das ist die einzige Perspektive, auf die deutsche wie amerikanische Wehrpolitiker verweisen können, wenn nach einem Ausweg aus der afghanischen Misere gefragt wird. Ziel ist der Aufbau eines einigermaßen loyalen Machtapparats, der den Krieg dann - mit einer ISAF im Hintergrund - ein paar Jahre oder auch Jahrzehnte weiter führen darf. Die Idee aber, irgendetwas in Afghanistan zu verändern, ist längst aufgegeben.

Das Fundament deutscher Afghanistanpolitik bricht auch deshalb weg, weil die arrogante Abgrenzung der Deutschen gegenüber anderen Nato-Staaten seit letztem Freitag endgültig nicht mehr funktioniert. Die Verbündeten mussten über Jahre die Belehrungen aus Berlin ertragen und können nun ihre Häme über die Deutschen kaum verbergen. Aus den selbst erklärten Mädchenschulenbauern aus Deutschland wurden leichtsinnige Bomber.

Seite 1: Der Mythos der deutschen Gutkrieger
Seite 2: Distanzwaffen und Bodentruppen
 
 
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