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16. Juni 2010, 17:42 Uhr

Streit zwischen Linkspartei und Gauck eskaliert

Die scharfe Kritik von Oskar Lafontaine an Joachim Gauck sorgt für einen verbalen Schlagabtausch zwischen der Linkspartei und dem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel schaltet sich ein.

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Wehrt sich gegen die Vorwürfe Oscar Lafontaines: Joachim Gauck© Sean Gallup/Getty

Zwischen der Linkspartei und dem rot-grünen Bundespräsidentschaftskandidaten Joachim Gauck ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Die Kandidatin der Linken für das höchste Staatsamt, Luc Jochimsen, warf Gauck im "Hamburger Abendblatt" eine "nicht versöhnliche" Haltung vor. Das zeige sich auch bei der Frage, wie man 20 Jahre nach der Einheit mit den Bürgern der ehemaligen DDR umgehe. Die Wahlmänner der Linken in der Bundesversammlung würden auch in einem dritten Wahlgang nicht für den Bewerber von SPD und Grünen stimmen. Weder Gauck noch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) seien für die Linke wählbar. "Das würde sich in einem dritten Wahlgang nicht plötzlich ändern."

"Eine antikapitalistische Attitüde ist mir suspekt"

Gauck grenzte sich seinerseits auch von der Linkspartei ab. Es gebe "wirkliche politische Unterschiede", sagte er den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". "Eine antikapitalistische Attitüde ist mir suspekt", sagte er dem Blatt.

Empört zeigte sich Gauck auch über Äußerungen des früheren Linken-Vorsitzenden Oskar Lafontaine. Dieser hatte dem ehemaligen Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde in einem Interview mit stern.de vorgeworfen, er habe als protestantischer Pfarrer durchaus zu jenen gehört, die von der Staatssicherheit auch Privilegien erhalten hätten. Gauck bezeichnete die Vorwürfe in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" als "ungeheuerliche Unterstellungen". Lafontaine wolle mit dieser "Infamie" ein mögliches Treffen von ihm mit Linkspartei-Politikern "unterminieren".

Gabriel kritisiert Lafontaine

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat die scharfe Kritik Lafontaines als "skurril und peinlich" zurückgewiesen. Es sei erschreckend, Gauck nur deshalb zum Hauptfeind zu erklären, weil er das DDR-Unrecht aufgearbeitet und Stasi-Mitarbeiter zur Rechenschaft gezogen habe, sagte Gabriel am Mittwoch. Mit diesen Äußerungen Lafontaines werde die Linkspartei um zwei Jahrzehnte zurückgeworfen.

Nach Ansicht Gabriels verbirgt sich dahinter ein Machtkampf in der Linkspartei zwischen linken Demokraten sowie Sektierern und Altstalinisten. "Lafontaine muss immer wieder äußere Feinde erfinden, um zu verhindern, dass dieser Kampf ausgetragen wird", erklärte der SPD-Vorsitzende. Die Reformkräfte in der Linkspartei müssten endlich damit beginnen, für ihre Vorstellungen zu kämpfen, statt immer wieder klein bei zu geben. "Auch die neuen Vorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst müssen sich entscheiden, ob sie Marionetten von Lafontaine sein wollen". Dafür sei die Bundespräsidentenwahl ein wichtiges Datum.

FDP unterstützt Wulff

Die Bundesversammlung wird am 30. Juni einen Nachfolger für den zurückgetretenen Horst Köhler wählen. Die FDP-Fraktion im Bundestag bekräftigte am Mittwoch ihre Unterstützung für den schwarz-gelben Kandidaten Wulff. Die Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger sagte in Berlin: "Herr Wulff kann sich auf die FDP-Bundestagsfraktion und auf die FDP verlassen." Homburger räumte zugleich ein, dass es in den Ländern einen "eigenen Prozess" zur Meinungsbildung über die Bundespräsidenten-Wahl gebe. Am Ende werde die FDP aber geschlossen hinter Wulff stehen.

Wie das ARD-Magazin "Monitor" berichtete, erklärte auch in Sachsen erstmals ein Wahlmann der FDP-Landtagsfraktion, am 30. Juni für Gauck stimmen zu wollen. Gauck sei im Osten Deutschlands zur Wendezeit "eine Leitfigur" gewesen und habe den politischen Willen geprägt, sagte der Abgeordnete Tino Günther. Die sächsische FDP entsendet drei Wahlmänner in die Bundesversammlung.

APN/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 60)
 
paladin09 (18.06.2010, 14:32 Uhr)
Sind hier vielleicht zufällig
User am kommentieren die selber ehemals bei der Stasi tätig waren?
Wäre mal sehr interessant deren Meinungen zu Gauck und Unrechtsstaat zu hören!
Aber wahrscheinlich traute sich hier kein ehemaliger Stasimitarbeiter zu äußern.
Farbenseher (18.06.2010, 13:32 Uhr)
Genau, Tannenbaum...
und wenn Gauck tatsächlich der Bürgerrechtler und Freiheitskämpfer gewesen wäre, als der er jetzt gefeiert wird, hätte er in Bautzen gesessen und keine privilegierte Behandlung durch die Staatsorgane genossen. Ganz einfache Rechnung.

Ich meine, uns wird doch ständig eingebläut, dass die DDR sich höchstens durch die nicht vorhandene, kriegerische Expansion vom 3. Reicht unterschied. Wie hätte eine Fackel der Freiheit wie Gauck in einem solchen System ein derart bevorzugtes Leben führen können?

Einzige Antwort: Blanker Opportunismus. Der gleiche Opportunismus, mit dem er sich vollkommen ohne jede Regung die religiöse Verehrung barbarischen Neoliberalismus' zueigen gemacht hat.
tannebaum (17.06.2010, 19:52 Uhr)
@Prologo
seit wochen sitzen sie hier von früh bis spät am pc... wie sie ihr einkommen bestreiten ist klar. und da sie die ddr nicht kennen, sollten sie mit pauschalurteilen ganz vorsichtig sein. sie wissen doch gar nicht, was wahre unterdrückung ist...

da gäbe es ein solches forum gar nicht. oder die hälfte der user wäre längst verhaftet. sie übrigens auch...
nightmare_online (17.06.2010, 15:55 Uhr)
@eisvogel
Sie meinen also die Linke solle jemand wählen, den sie ablehnt, weil sie damit jemand verhindern kann, den sie ablehnt, ja?
Wissen Sie, exakt DAS ist die Art von inhaltsfreier, ausschliesslich an Machtspielchen orientierter Politik, die so viele Leute Politikerverdrossen macht.
nightmare_online (17.06.2010, 15:49 Uhr)
@Bayernstammler
"Wasser predigen und Tein trinken" ist wohl eher Alleinstellungsmerkmal von Konservativen und Neoliberalen, aber nicht von der Linken. Nicht die Linke predigt seit 3 Jahrzehnten, das der Bürger "über seine Verhältnisse" lebt und "den Gürtel enger schnallen muss", während sie selbst und ihre Klientel in Saus und Braus leben.
Und was Frau Wagenknecht angeht: In der aktuellen Regierung sitzen Leute, die sowohl radikaler als auch gefährlicher für dieses Land sind, als diese Frau..
chatahootchee (17.06.2010, 15:41 Uhr)
LINKS STINKT
oder staenkert. Da ist kein Wille zu einer realistischen Position zu erkennen.
Und wenn ich die Lobhudeleien zur Linkspartei lese, frage ich nur, warum dies im Arbeiter- und Bauernparadies nicht geklappt hat? Eine linke Opposition kann das Maul aufreissen, man wird ja nicht zur Verantwortung gezogen.
eisvogel (17.06.2010, 15:17 Uhr)
Wo bleibt die Realpolitik?
Ich denke, diese Leute besitzen nicht nur kein politisches Fingerspitzengefühl, sondern sind auch nicht fähig für eine Realpolitik. Ihr ideologischer Hauptfeind steht doch rechts ? oder nicht? Tatsache ist, dass nur zwei Kandidaten bei der BP-Wahl eine realistische Chance haben ? nämlich Wulf und Gauck. Wenn die Koalition einig ist, dann wird Wulff gewählt. Bei Uneinigkeit hat Gauck eine Chance, wenn die gesamte Opposition und die Abweichler für ihn stimmen. Verweigern die Linken sich, dann haben sie die Steigbügel für einen schwarz/gelben BP mitgehalten. Wie kann man nur so verbohrt sein und gegen die eigene Parteiideologie handeln. Oder können diese Leute ihre Aversionen nicht im Zaum halten?
Prologo (17.06.2010, 14:16 Uhr)
@Tennenbaum, Der Putz fällt bei uns,.....

....auch schon von den Schulhauswänden, und die Schlaglöcher in den Kommunenstraßen bleiben uns erhalten,...

....die steigende Volksverarmung haben sie bei uns auch schon hingekriegt,....

....es fehlt eigentlich nur noch der Stacheldraht, damit sich Mutti Merkel endlich wieder wie zu Hause fühlt, oder....?

MfG,
T.
tannebaum (17.06.2010, 12:55 Uhr)
und zur kandidatin
luc jochimsen kann ich nur sagen: oberpeinlich und schlimm, wenn der wdr nicht mal merkte, was für geistes kind da hockte und die medien beeinflusste.

hätte doch nur mal in der redaktion von kennzeichen d nachfragen brauchen, wie es ich denn so lebt in einer ddr, wo der putz von den wänden fiel, die versorgung sehr mangelhaft war und ein volk mit stacheldraht am weggehen gehindert wurde.
tannebaum (17.06.2010, 12:53 Uhr)
das sind die linken...
lügen, totschlagargumente, keine beweise, aber viele laute schreihälse.

peinlich, undemokratisch, unfähig ihrer vergangenheit ins gesicht zu sehen...

Und es geht denen gar nicht ums mitregieren. dann wären sie längsat über den schateen gesprungen. in der opposition kann man alles versprechen , muss nichts einhalten und lässt sich dennoch super vom steuerzahler aushalten...
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