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8. Februar 2008, 09:00 Uhr

Gerhard Schröders Firma und die Sekte

Neuer Ärger für die Pipelinegesellschaft Nordstream von Ex-Kanzler Gerhard Schröder: Die Gazprom-Tochter ließ sich mit einem schillernden Berliner Unternehmer ein, der Kontakte zu der LaRouche-Sekte pflegt und als Aufsichtsratschef einer Firma auftritt, die es gar nicht gibt. Von Hans-Martin Tillack

Gerhard Schröder hat nie etwas Anrüchiges an seinem Gazprom-Job erkennen können© Evgeny Malyshev/Getty Images

Ganz klar, Manfred Boese ist ein wichtiger Mann. Acht verschiedene Stapel mit Visitenkarten hat er auf seinem Schreibtisch aufgereiht. Zu DDR-Zeiten war er Staatsanwalt, heute führt der Rechtsanwalt mehrere Firmen und Vereine. Wer zu ihm will, muss das Portiko des prächtigen Berliner Palais am Festungsgraben durchschreiten, dann nach rechts in Boeses Büro und dann erst einmal eine halbe Stunde warten. Ihr Chef sei gerade in einer Konferenz mit Ministern aus Russland, sagt die Sekretärin.

"Ich habe in Russland sehr gute Kontakte, und die nutze ich natürlich", sagt der jugendlich wirkende 56-Jährige, als die Konferenz mit dem, wie er sagt, ukrainischen Minister vorbei ist. So wie er das offenbar bei seinen Beziehungen zu der Firma Nordstream tat. Die gehört mehrheitlich dem russischen Monopolisten Gazprom, hat einen gewissen Gerhard Schröder als Chef des Aktionärsausschusses und möchte gern eine Gaspipeline durch die Ostsee bauen. Boese wiederum will "eng" mit der Pipelinegesellschaft zusammenarbeiten. Dies ist jedenfalls das Ziel des "International Institute of Ecological Safety for Baltic and Northern Seas", das Boese im Sommer 2006 gegründet hatte.

Umweltschutz als Lobby-Vorwand?

Unter Teilnahme von Nordstream organisierte das Institut im März vergangenen Jahres schon mal eine Konferenz in Berlin. Ein russischer Freund habe ihn zu den Aktivitäten ermutigt, sagt Boese. Nämlich Tengis Borisov, ein Flottenadmiral der Reserve und "Held der Russischen Föderation". Das Boese-Institut will auf die Gefahren hinweisen, die der Ostsee durch dort nach dem Zweiten Weltkrieg versenkte deutsche Chemiewaffen drohen. Anders gesagt: Die der Ostsee drohen, weil Amerikaner und Briten angeblich verschweigen, wo genau sie die Nazi-Altlasten nach dem Krieg versenkt haben. Anders als die Russen, die aus dem Schweigekartell "ausgestiegen" seien, wie Boese lobend hervorhebt.

Auf dieses Problem will der Anwalt nun auch den Bundestag aufmerksam machen. Mehrere Abgeordnete habe er schon getroffen und einige seien "sehr aufgeschlossen". Im Frühjahr könne es im Parlament sogar eine Anhörung geben, hofft der Institutschef. Das Ziel des Berliner Instituts, das der Einfachheit halber in Boeses Anwaltskanzlei residiert, müsste Nordstream jedenfalls sehr gelegen kommen. Denn die Pipelinegesellschaft muss mit dem Vorwurf kämpfen, dass ihre Bauarbeiten giftige Altlasten am Meeresboden erst aufwirbeln könnten. Wäre es nicht praktisch, wenn man die Schuld an den Problemen Richtung Washington und London abschieben könnte?

Widersprüchliche Dementi

Die Nordstream-Managerin Barbara Kallnik trat jedenfalls gern als "Delegierte" auf, als Boese im März zu der Konferenz lud. Für einen weiteren Teilnehmer schien es "ganz eindeutig, dass das eine Gazprom-Veranstaltung war". So jedenfalls Walter Karpf von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere. "Die Russen traten dort sehr organisiert auf", erinnert sich Karpf. Unter ihnen war sogar eine russische Vizeministerin sowie ein Ex-Kosmonaut und "Berater des russischen Präsidenten". Die Nordstream-Managerin Kallnik habe der Anwalt betont herzlich verabschiedet, erinnert sich Karpf. "Grüßen Sie das Management!", habe er ihr zugerufen. Boese dementiert das nicht, hat aber angeblich Konferenzkosten von 15.000 Euro ganz allein getragen.

Auch Nordstream-Sprecher Jens Müller beteuert, dass seine Firma mit Boeses Institut keineswegs zusammenarbeite. Dass Kallnik bei der Konferenz vorgetragen habe, stellte angeblich nur einen "Versuch" dar, "in die Diskussion Realität zu bringen". Boese bestreitet ebenfalls vehement, dass er im Auftrag von Gazprom agiere. Allerdings bestreitet er auch, dass die Vizevorsitzende des Instituts Tamara Lavrovskaia heiße, obwohl die Moskauer Ökonomin im Vereinsregister auf genau diesem Posten firmiert. Wie überhaupt vier der acht Gründungsmitglieder aus Russland kommen. Darunter die Moskauer Firma eines gewissen Ivan Mazur. Ein Mann gleichen Namens führt die russische Pipelinebaugesellschaft Rosneftegazstroy. Aber, sagt Boese, "der Mann ist hier nicht sehr aktiv".

Sicher ist, dass Boese neben dem Engagement für den Schutz der Ostsee noch viele andere Interessen verfolgt. Er vertreibt mit seiner Firma Osiramed auch sogenannte Zellaktivatoren für die "Magnetfeldtherapie". Und er hatte bei Veranstaltungen seines "Berliner Salon" nicht nur bereits den CDU-Politiker Jörg Schönbohm und den Linken Gregor Gysi zu Gast, sondern auch den Amerikaner Lyndon LaRouche, dessen Frau Helga Zepp-LaRouche in Deutschland die als Politsekte geltende "Bürgerrechtsbewegung Solidarität" führt. Lyndon LaRouche durfte jedenfalls im Dezember 2003 in Boeses Verein "Berliner Salon" im Palais am Festungsgraben eine lange Rede halten. Ein gewisser Frank Hahn vom LaRouche zugerechneten "Schiller-Institut" veröffentlichte in Boeses Magazin "Berliner Salon" einen ganzseitigen Beitrag, in dem er dafür warb, mit Russlands Präsident Wladimir Putin enger zusammenzuarbeiten.

Das "weltgrößte Satellitenprojekt"

Boese seinerseits hat nicht nur Russland und die USA im Blick, sondern auch den Weltraum. Er ist nämlich Aufsichtsratsvorsitzender der Leo Sat Courier AG, eines der "weltgrößten Satellitenprojekte", wie er selbst sagt. Die Aktiengesellschaft möchte gern, zum Beispiel mit russischen Raketen, Telekommunikationsatelliten in das Weltall schicken. Das kündigt Boeses Partner Hans-Holger Kirchhoff jedenfalls bereits seit fast zehn Jahren an.

Die Firma hat also große Pläne, aber auch einen kleinen Schönheitsfehler: Es gibt sie gar nicht. Weder in Deutschland noch anderswo ist sie im Handelsregister zu finden. "Sie befindet sich noch in der Gründungsphase", sagt Boese. Auf einer Website behauptet die Firma jedoch, das Unternehmen sei bereits im September 2005 gegründet worden.

Die Gründung einer AG sei eben kompliziert, sagt Boese. Es ist hingegen offensichtlich einfach, als Aufsichtsratschef der Leo Sat Courier AG immer wieder überall eingeladen zu werden, zum Beispiel dieser Tage zum Deutsch-Arabischen Wirtschaftsforum der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Oder im Dezember 2006 als Teilnehmer einer Delegationsreise des Bundeswirtschaftsministeriums nach Abu Dhabi. Bei der hatte Staatssekretär Bernd Pfaffenbach auch Boese mit an Bord.

Dass es die Firma gar nicht gibt, war im Wirtschaftsministerium von Michael Glos (CSU) irgendwie nicht aufgefallen. Wenn ein Unternehmer "ernsthaftes Interesse" zeige, könne er mitreisen, erläutert ein Pfaffenbach-Mitarbeiter. Die Firmenleute seien ja auf eigene Kosten mitgeflogen. "Das Wirtschaftsministerium lässt sich keine Handelsregisterauszüge vorlegen", sagt der Ministeriale.

Also kein Problem, wenn man keinen hat.

Von Hans-Martin Tillack
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
hevosenkuva (09.02.2008, 13:20 Uhr)
@RogerM
What the heck is that supposed to mean, the "Russian Question"? And why do you refer to those historical matters, concluding in a dire recommendation? Sorry, I can´t follow you at all.
hevosenkuva (09.02.2008, 13:12 Uhr)
@boeseIP
Eine Firma, wohlgemerkt eine AG und keine Personengesellschaft, die laut eigener Webseite vor 3 Jahren gegründet wurde aber bisher nirgends registriert ist, kann man wohl kaum als gesetzeskonforme Projektierungsphase bezeichnen. Diese Vorgehensweise so vehement zu verteidigen und gleichzeitig dermaßen mit Schmutz um sich zu werfen, lässt tief blicken.
http://de.wikipedia.org/wiki/Aktiengesellschaft_%28Deutschland%29
RogerM (08.02.2008, 16:31 Uhr)
Strategic Realities
I would recommend to those small-minded souls in Germany associated with the intent of this article, not to play games on the Russian Question, like those criminal fools from the infamous Oganization Konsul of the 1920's, whose murders and intrigues against sane German-Russian relations fed into the geopolitics that gave us Hjlamar Schacht and Hitler. The LaRouches' support for Franklin Delano Roosevelt financial reforms, and foreign policy, are well understood in Moscow. Please take note, not to play with fire.
boeseIP (08.02.2008, 16:02 Uhr)
Schlechte Meinungsmache!
Ich finde diesen Artikel grottenschlecht, rückt er doch nur konsequent irgendwelche Vorkommnisse und Personen in einen sehr konstruiert wirkenden Zusammenhang.
Was ist hier denn nun die Investigation? Dass eine Firma auf ihrer Website eine Gründung vorgibt, auch wenn sie noch in der Projektierung steckt... Prima News, mehr davon!
Der ganze Rest ist schmierige Spekulation, Meinungsdiktatur und irellevant. Dass jemand verschiedensten Personen ein Forum gibt ist doch positiv, solange sich Sektierer mit Rechtgläubigen und Linke mit rechten die Wage halten. Schade nur dass der Autor einer sehr spezifisch-missionarischen Rechtgläubigkeitsvorstellung anhängt...
Salzsteuer (08.02.2008, 14:19 Uhr)
Unsere Politiker,
allen voran der Gas-Gerd passen da genau hinzu.
Mein Vorschlag:
Alle zusammen in einen Sack stecken, zubinden und dagegen treten.
Man trifft immer den Richtigen!
Roy05441 (08.02.2008, 13:34 Uhr)
So ist nun mal die Neue SPD,
wenn ich sie seh, tuts in der Seele mir weh!
Da seh ich Schröder, Clement, und dann Benneter, das sind die sozialen Volkes-Töter!
Alle drei dann sofort erkannt, dann weisst Du, wie ein arbeitendes Volk wird verbrannt! Sie Haben sich eingekauft in ihre Mafia, und denken sie leben in Schlaraffia.
Ihre Konten auf den Cayman-Isles strahlen wegen des Kontostandes zwar vor Glück, doch irgendwann schlägt das Universum dann zurück!
taucher1102 (08.02.2008, 13:09 Uhr)
@Malt
Stimme dir voll zu! Aber du hast eines vergessen, er hat auch das deutsche Volk zu seinem persönlichen Vorteil verkauft. Diese korrupte Kanallie
whismerh2 (08.02.2008, 13:02 Uhr)
@redaktion
La Rouche ist ein Politiker,
die Partei die hier unter seiner Führung läuft nennt sich abgekürzt Büso.
Mann muß ja nicht mit allem seiner Meinung sein, aber im wirtschaftlichen Bereich hat er auf
jeden Fall mehr Kompetenz als so manche Politikerclowns und seine Kenntnis über die Geschichte dürfte wohl jedem Zweifel erhaben sein.
Wieso soll das jetzt eine Sekte sein,
oder wird er da und seine Partei nur reingeschoben weil er für viele Mächtigen ein unbequemer Zeitgenosse ist.
.
.
Der Gerd spürt den Ufschlag nemer
Malt (08.02.2008, 11:23 Uhr)
Wenn ich das Foto...
...vom lachenden Gas-Gerd sehe wird mit schlecht. SO sieht einer aus, der seine Seele verkauft hat!
Easy_d (08.02.2008, 10:29 Uhr)
Reisegesellschaft
Ich überlege gerade, ob man nicht Reisen mit dem Bundeswirtschaftsministeriums nach Abu Dhabi anbieten soll. Da wollen bestimmt viele mitfliegen. Mich würde interessieren wie viel eine Reise kostet, dann ein kleiner Aufschlag und schon hat man ein lohnendes Geschäft.
Vor dem Artikel hatte ich mir das etwas schwieriger vorgestellt, aber so....
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