. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
10. März 2010, 19:25 Uhr

Der Quacksalber von der FDP

Philipp Röslers geplanter Umbau des Medikamentenmarktes dämpft vielleicht die Kosten - aber ganz bestimmt jede Erwartung an ihn. Ein Kommentar von Dorit Kowitz

Philipp, Rösler, FDP, Gesundheitsminister, Pharmaindustrie, Pillen, Arzeneien, Rabatte, Krankenkassen, IQWIQ

Wählerherzen gebrochen: FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler© Rainer Jensen/DPA

Wow, das klingt wild und gefährlich: "So breche ich das Preismonopol der Pharmaindustrie", droht Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler am Schwarzen Brett der Deutschen, also in "Bild". Mensch soll staunen: Ausgerechnet ein Liberaler zeigt der renditeverwöhnten Arzneimittelbranche die Zähne? Beißt ihr womöglich die fetten Gewinne weg? Wow!

Zuvor hatte Röslers Haus schon in der "FAZ" seine Pläne lanciert, wie er der Kostenexplosion bei den Medikamenten beikommen will. Nötig ist das: Allein vom Jahr 2008 auf das Jahr 2009 waren die Ausgaben der Krankenkassen für Arznei um fünf Prozent gestiegen; seit Jahren sind sie der Kostentreiber Nummer 1 im deutschen Gesundheitssystem. Denn noch immer können die Hersteller die Preise für neu zugelassene Präparate frei festlegen. So etwas gibt es nur in Deutschland.

Rösler klingt: markig

Was aber will Rösler, der Arzt der Nation, jetzt ändern? Er will: dass Krankenkassen mit Arzneimittelherstellern direkt über Preise verhandeln. (Er wolle die Pharmaindustrie gar, sagt Rösler, "dazu zwingen") Er plant außerdem, dass die Produzenten angeblich neuer Medikamente in unabhängigen Studien nachweisen müssen, ob der Nutzen wirklich neuartig ist - oder ob es sich bloß um teure Scheininnovationen handelt. Und er möchte, dass Kassen und Hersteller künftig zügig nachverhandeln, sobald tatsächlich innovative (und das heißt stets: sauteure) Mittel auf dem Markt kommen.

Rösler, so klingt das, bietet den vermeintlichen Abzockern Einhalt. Das klingt doch mal markig.

Das Problem mit den Studien

Bloß: Es sind alles nicht seine Ideen. Sämtliche Ansätze hat die Pharmabranche, die um den Druck auf sich weiß, selbst geliefert - und schon vor sechs Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt. "Interessant, dass man uns zu unseren eigenen Vorschlägen zwingen will", konstatiert darum unterkühlt Bernd Wegener, der Chef des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (bpi). Und Wegener weist, nicht übermäßig mitleidig, auf das zentrale Problem der Rösler-Ideen hin: Studien des staatlichen "Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesens" (IQWIG), die den Nutzen neuer Medikamente be- oder widerlegen würden, brauchen - Jahre. Eine Eindämmung der Kosten über wissenschaftliche Bewertungen von Preis und Leistung kann es erst auf lange Sicht geben, aber nicht so schnell, wie Rösler sie braucht.

Drum hat der Minister auch noch einen weiteren Vorschlag nachgeschoben, aber eher verdruckst. Er möchte, bis sein Umbau des Medikamentenmarktes greift, "kurzfristige Kostenbremsen" reinhauen - in Form höherer Zwangsrabatte und Preismoratorien. Rösler will also per Ordre de Mufti die Arzneimittelindustrie zu Nachlässen verdonnern. Die CDU ließ über ihre Gesundheitspolitiker bereits ausrichten, dass sie das genauso sieht und mitmacht.

Ein harter Aufschlag

Rösler schlägt mit diesen "Ideen" endgültig hart im politischen Berlin auf: Er bricht zum einen das große Versprechen, das er den Deutschen und vor allem sich selbst immerfort gegeben hat - nämlich nicht "bloß ein weiteres Kostendämpfungsgesetz" auf den Weg zu bringen. Genau das aber wird er jetzt tun.

Und er beweist der Pharmabranche, dass sich ihre Lobby-Arbeit lohnt. Denn er hat sich ihre Ideen zueigen gemacht.

So bricht man keine Monopole, so bricht man höchstens Wähler-Herzen.

Ein Kommentar von Dorit Kowitz
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Gesundheitswesen Rösler legt sich mit der Pharmaindustrie an

Medikamente sollen billiger werden - so schnell wie möglich. Gesundheitsminister Philipp Rösler will die Arzneimittelhersteller daher zu Zwangsrabatten und Preis-Stopps zwingen. mehr...

Gesundheitsreform Union zerreißt Röslers Arznei-Sparpläne

"Unausgegoren mit einer Reihe von Schwachstellen": Gesundheitsminister Philipp Rösler hat sein Sparkonzept für den Arzneimarkt noch nicht einmal vorgestellt, da wird es bereits vom Koalitionspartner zerpflückt. Und auch die Pharmaindustrie läuft dagegen Sturm. mehr...

Schwarz-gelbe Gesundheitspolitik Die Kopfpauschale - Röslers Luftnummer

Die CSU will sie nicht, die Kassen wollen sie nicht, die Bevölkerung schon gleich gar nicht: die Kopfpauschale. Gesundheitsminister Philipp Rösler wird deshalb vorsichtig. mehr...

ARD-Deutschlandtrend Wähler sind unzufrieden mit Westerwelle und Rösler

Die Unzufriedenheit der Wähler mit der Bundesregierung nimmt nach einer repräsentativen Umfrage zu: Bei der aktuellen Erhebung für den ARD-Deutschlandtrend bemängelten 72 Prozent die Arbeit der schwarz-gelben Koalition. Dies sind fünf Prozentpunkte mehr im Vergleich zum Januar, wie der WDR am Donnerstag mitteilte. mehr...

Ratgeber Krankenkasse Ihre Rechte als Kassenpatient

Das deutsche Gesundheitssystem zählt zu den besten der Welt - doch die vielen Vorschriften und Tarife lassen Versicherte oft verzweifeln. stern.de zeigt die Vor- und Nachteile der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen auf und hilft Ihnen bei der Suche nach dem optimalen Versicherungsschutz. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe