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9. Februar 2009, 08:25 Uhr

Guttenberg wird Wirtschaftsminister

Jetzt ist es offiziell: Der 37-jährige CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg löst den altersmüden Michael Glos, 64, als Bundeswirtschaftsminister ab. Parteichef Horst Seehofer hat den Führungswechsel bestätigt und dabei indirekt Glos einen Seitenhieb verpasst.

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Steile Polit-Karriere: CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg, 37, wird neuer Bundeswirtschaftsminister© Daniel Karmann/DPA

CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg soll neuer Bundeswirtschaftsminister werden. Parteichef Horst Seehofer hat den 37-Jährigen am Vormittag als Nachfolger von Michael Glos (CSU) vorgeschlagen. Dies sei mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgestimmt. Der Führungswechsel im Bundeswirtschaftsministerium wird schon am Dienstag vollzogen. Bundespräsident Horst Köhler will um 14.15 Uhr dem bisherigen Amtsinhaber Michael Glos die Entlassungsurkunde aushändigen und danach Karl-Theodor zu Guttenberg zum Minister ernennen. Das teilte das Bundespräsidialamt mit.

Als neuer Generalsekretär ist der Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt vorgesehen. Der 38 Jahre alte studierte Soziologe war bis vor kurzem wirtschaftspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe und leitet derzeit die Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der Unionsfraktion.

Guttenberg wird der bisher jüngste Bundeswirtschaftsminister. Er werde ein "guter Anwalt der Wirtschaftsinteressen der Bundesrepublik Deutschland sein", sagte Seehofer. "Ich bin von ihm sehr überzeugt." Der CSU-Chef lobte vor allem die internationalen Beziehungen des früheren Außenpolitikers, dessen "beneidenswertes Auftreten" und die Sprachkenntnis. Nun gehe es darum, dass die Aufgaben schnell erfüllt würden. Seehofer kritisierte indirekt, dass er erst am Samstag über die Pläne von Glos informiert worden sei und Schwierigkeiten gehabt habe, an das Fax mit dessen Rücktrittsgesuch zu kommen.

Der 64-jährige Glos hatte Seehofer am Samstag überraschend um seine Entlassung aus Altersgründen gebeten, was dieser jedoch zunächst ablehnte. Das Hickhack in der CSU hatte die Bundesregierung kalt erwischt, die Opposition forderte Merkel auf, ein Machtwort zu sprechen. Am Sonntagabend verständigten sich dann Seehofer und Glos darauf, dass der amtsmüde Minister gehen darf.

Merkel bedauerte den Rücktritt von Glos und hob gleichzeitig die Qualitäten seines Nachfolgers hervor. "Ich bin davon überzeugt, dass er (Gutenberg) seine Arbeit exzellent machen wird", lobte Merkel den CSU-Politiker. Guttenberg habe ihr volles Vertrauen und ihre volle Unterstützung, sagte die Kanzlerin. Merkel dankte Glos für seinen Einsatz. Dieser habe immer "ein großes Herz für den Mittelstand gehabt." Zudem habe Glos in der Energiepolitik Akzente gesetzt, außerdem habe er erfolgreich für mehr Ausbildungsplätze geworben. An Guttenberg lobte Merkel auch dessen "großes internationales Erfahrungsspektrum".

"Keine Bedingungen"

Guttenberg erklärte in München, er sei sich der großen Herausforderung in dem Amt bewusst. Er werde mit Kraft, Zuversicht, Mut und der notwendigen Bodenhaftung die Aufgabe angehen. Deutschland stecke in der größten Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre. Der CSU-Politiker bekannte sich zu einem klaren marktwirtschaftlichen Kurs. Die soziale Marktwirtschaft sei eine Grundfrage seines Denkens und "kein Mittelding zwischen Sozialismus und Liberalismus".

Guttenberg wies Spekulationen zurück, er habe seine Bereitschaft für das Amt intern an Bedingungen geknüpft. "Wenn einem ein solches Amt angetragen wird, dann stellt man keine Bedingungen, um Himmels willen". In Medienberichten hieß es zuvor, Guttenberg habe angeblich für die Zeit nach der Bundestagswahl den Vorsitz der CSU-Landesgruppe in Berlin beansprucht, um ein Ticket zurück auf einen Parteiposten zu haben.

Der künftige Wirtschaftsminister sagte, ihm sei klar, dass seine Amtszeit zwangsläufig im Herbst mit der Wahl ende. Auch Seehofer betonte, es habe keinerlei Bedingungen oder Absprachen gegeben.

Bislang kennt sich Guttenberg vor allem in der Außenpolitik aus. Der Obmann der Unionsfraktion im Auswärtigen Ausschuss befasste sich zum Beispiel mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, der Russland-Politik oder mit dem Verhältnis zur Türkei. Der Rechts- und Politikwissenschaftler, der mit summa cum laude promovierte, hat aber auch Erfahrungen in der Wirtschaft: als geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Guttenberg GmbH, einem Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe.

Der Franke kann gut mit Seehofer

Guttenberg entstammt altem christsozialen Adel. Er ist der Spross eines Geschlechts oberfränkischer Großgrundbesitzer aus dem gleichnamigen Ort Guttenberg. Im Bundestag sitzt er seit 2002. Fünf Jahre später wurde er Bezirkschef der CSU Oberfranken - wobei er sich gegen Landesgruppen-Geschäftsführer Hartmut Koschyk durchsetzte. Der Nachwuchspolitiker hat ein sehr gutes Verhältnis zu Seehofer. Der stets korrekt gekleidete und frisierte Guttenberg ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Der Koalitionspartner SPD hatte eine schnelle Entscheidung der Union über die Nachfolge von Glos verlangt. "Da muss wieder Ordnung geschaffen werden", sagte Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in der ARD. "Wir brauchen in dieser Lage einen handlungsfähigen Wirtschaftsminister."

Der frühere langjährige CSU-Landesgruppenchef Glos war nur Wirtschaftsminister geworden, weil der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nach der Wahl 2005 einen Wechsel nach Berlin überraschend abgelehnt hatte.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 61)
 
mullus (11.02.2009, 15:04 Uhr)
berufserfahrung im ressort !
also erstens sind sie politiker augestattet mit der legitimation der wähler und - damit ist meines erachtens alles klar -on einem erteidigungsministr hat noch niemand velangt, dass er schiessen kann.
mullus (11.02.2009, 15:00 Uhr)
neue partei ? von waldi 22
selbst mir ist auch schon der gedanke gekommen, hätte er doch den vorteil, dass es jahre bräuchte die neuen "politiker" so zu integrieren, wie es die heutigen sind.
sollte man allerdings solches versuchen, trifft man auf ein wespennest , wie man es sich nicht schlimmer vorstellen kann.
ohne millonen im "hintergund" no chance
waldi22 (10.02.2009, 14:59 Uhr)
@wormdorm
Und wohin hat uns dieser Regelfall gebracht? Die fehlende Professionalität und überbordende Bürokratie von Theoretikern ist doch eines unserer Grundprobleme!
wormdorm (10.02.2009, 12:52 Uhr)
Berufserfahrung fürs Ressort!?
Soviele unsachliche Kommentare, unglaublich. Ständig wird auf die Ausbildung den Beruf des neuen W-Ministers verwiesen, der mit Wirtschaft nichts zu tun hat. Dann vergleicht mal sämtliche Bundes- und Landesminister ALLER Parteien. Welche Berufsausbildung sie haben und für welches Ministerium sie verantwortlich sind. Es ist der Regelfall dass hier genau keine Übereinstimmung vorherrscht. Ach was solls, die Kommentare sind diesselben wie am Samstagnachmittag im Fussballstadion. Emotional, primitiv und unsachlich. Echt lustig!
Corazito3333 (09.02.2009, 19:54 Uhr)
@FleurdeLis
Ihm eine Chance geben...dann geben wir doch lieber Dieter Bohlen eine Chance, da haben wir wenigstens die Aussicht auf Gewinn und eine spannende Zeit. "Wer nur meckert, soll selbst Politik machen!" sagen Sie...was ich hier lese, ist auf jeden fundierter, wie der Unsinn den unsere Politiker quaken und auch noch umsetzen. Nur leider kann man nicht einfach so in die Politik, erkundigen Sie sich, dann wissen Sie es!!
waldi22 (09.02.2009, 13:32 Uhr)
Neue Partei?
Wir alle werden hier öfter angepöbelt wegen Stammtischphrasen und fehlendem eigenen Engagements. Ich bin vor 15 Jahren aus einer der etablierten Parteien ausgetreten, weil schon im Kleinen, im kommunalen Bereich, nur Seilschaften und Netzwerke das Sagen haben und Kompetenz keine Rolle spielt - Geschachere wie im Kaninchenzüchterverein!
Beim Lesen der vielen Kommentare hier kommt mir ernsthaft der Gedanke, eine neue Partei zu gründen, die bei Erfolg zwar wahrscheinlich nach einigen Jahren auch wieder korrupt wird (siehe die Grünen unter Joschka Fischer (ich verstehe mit zunehmendem Alter, was Dialektik heißt)) aber wenigstens für einige Zeit Vernunft und Sachkompetenz in die Politik zurück bringt. Kompetenz und gesunder Menschenverstand wie zum Beispiel Wolfgang Grupp. Der Sachverstand aber auch in anderen Bereichen - z.B. keine Lehrerin als Gesundheitsministerin.
Prato61 (09.02.2009, 13:20 Uhr)
Wirtschaftskompetenz??
Gepflegtes Äußeres, gewandtes Auftreten in der Öffentlichkeit, bewandert in Fremdsprachen und .....
vor allem jung!! Somit entspricht unser neuer Wirtschaftsminister exakt dem Anforderungsprofil des neuen CSU-Vorsitzenden. Zeit ist es geworden, dass in unser Bundeskabinett endlich einmal ein Hauch von "noblesse oblige" Einzug hält. Rein optisch schadet es überhaupt nicht, wenn in unsere Ministerriege ein bischen Chic und Eleganz Einzug hält. Neben Kollegen wie Tiefensee, Jung und Gabriel, etc. die unstrittig mehr auf der biederen Outfit-Seite zuzurechnen sind, kann man die Berufung von Herrn zu Guttenberg - allein schon aus optischen Gründen - durchaus als Gewinn bezeichnen.
Was die Frage nach der wirtschaftspolitschen Kompetenz betrifft: Nicht zwingend erforderlich, solange er all dies tut, was die Industriebosse und die Großfinanz von ihm erwarten!!
Schließlich wird dies schon seit Jahrzehnten so gehandhabt und abgesehen vom blöden Volk, sind die Protagnonisten nie schlecht nach dieser Methodik verfahren.
gesox (09.02.2009, 13:05 Uhr)
@FleurdeLis
"Was würdet ihr alle schreiben, wenn der Mann Müller-Maier-Schulze heißen würde?"
Kommt drauf an, ob er was auf dem Kasten hat. Wenn nur der Name sich ändern würde wären die Kommentare inhaltlich genau so.
"Wie gesagt, wer's besser kann, soll vortreten."
Hier wurde schon ein Vorschlag gemacht. Ich selber habe gerade keine Zeit und kenne im Gegensatz zu adligen Parteischnöselsöhnchen meine Grenzen.
"Und nicht sich hinter einem nickname versteckend Stammtischphrasen dreschen."
Ich sage Ihnen bescheid, wenn ich zu "Stammtischphrasen" übergehe. Im Moment ist es nur scharfe, bissige Kritik an einem skandalösen Vorgang.
Xennia (09.02.2009, 13:03 Uhr)
warum wieder kein Fachmann?
Die hochkomplizierten wirtschaftlichen Zusammenhänge in diesem Lande und weltweit kann nur jemand verstehen, der sich mindestens fünf Jahre, während eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums, mit dem Thema beschäftigt hat. Helmut Schmidt war vor allem wegen dieser Kompetenz so erfolgreich, Angela Merkels Unsicherheit, gelernte Physikerin, rührt vor allem aus ihrer fehlenden wirtschaftswissenschaftlichen Kompetenz. Dass nun ausgerechnet ein Nichtfachmann, ein Jurist, die Nachfolge von Gloss antritt, ist eine Katastrophe!
mutti1 (09.02.2009, 13:03 Uhr)
na klar
die kaiser-zeit ist wieder da und der börsen-crash und der faschismus, löscht doch wieder, pampels
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