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18. September 2009, 13:00 Uhr

Keine Krise, nirgends

Tja, der gute alte Ost-West-Konflikt ist weg - dafür gibt es tausend neue Konflikte. Und die haben der Rüstungsindustrie aus der "Sinnkrise" geholfen, sagt Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt. Ein Ortstermin. Von Dorit Kowitz

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Rüstungsfirmen wie der Eurofighter-Hersteller EADS haben volle Auftragsbücher© EADS/DPA

Das ist aber schön, dass ein deutscher Nato-General sich nach der guten, kalten Zeit sehnt. Egon Ramms sagt also, "wie gerne erinnern wir uns, ich betone: gerne, an die Zeit, als es noch zwei Blöcke gab und zwei Blockmächte". Damals, bis vor 20 Jahren, hat man den Gegner beobachten, einschätzen, vor allem: berechnen können. Aber seit dem Ende der Ost-West-Konfrontation? Alles anders, alles neu, alles unberechenbar. In Sachen Krieg.

Krieg heißt auf diesem Symposium in Deutschland, in West-Berlin, in einem feinen Hotel an der Budapester Straße natürlich nicht Krieg. Sie machen es wie in der Politik und reden über "die Zukunft bewaffneter Konflikte und Konsequenzen für Militär und Industrie". Das "Handelsblatt" hat Militärs und Waffenhersteller zur Konferenz geladen. Generäle und Admiräle und Vorstandsvorsitzende sitzen zu Rate über das Kämpfen im dritten Jahrtausend. Wer gegen wen und warum und wie. Und, vor allem: Womit lässt sich wohl am besten ein Konflikt lösen? Mit dem guten alten Panzer? Mit neuester Artillerie? Aus der Luft? Mit Minen, unter Wasser? Mit Elektronik, Spionagetechnik, via Satellit? Mit nichttödlichen Waffen? Sie sagen lieber: nicht-lethal. "Tödlich" ist so deutsch, so deutlich.

Die Veranstaltung dauert zwei Tage. Eine Stunde davon sitzen auf dem Podium: Der General Egon Ramms, Jahrgang 1948, Commander Joint Force im niederländischen Nato-Quartier Brunssum (seine Biografie weist keinen Auslandseinsatz auf, kein Kosovo, kein Afghanistan, bloß Brunssum). Der Experte Volker Perthes, Stiftung Wissenschaft und Politik; Perthes weiß schier über alles, was in der Welt eskalieren kann, Bescheid und ist darum oft im Fernsehen zu sehen. Und es sitzt da Klaus Eberhardt, Vorstandsvorsitzender der Rhein-Metall, einer der größten Waffenhersteller Deutschlands.

Rüstungsindustrie "aus der Sinnkrise"

Perthes sagt, die Konflikte seien deutlich weniger geworden seit dem Ende des Kalten Krieges. Dafür aber sei nun alles möglich, immer neue asymmetrische Konflikte, wie: Taliban gegen Staat. Oder Land gegen Land, wie Georgien gegen Russland. Rebellen gegen Regierende, wie in Afrika. Kämpfe in Europa wie um die Arktis oder die Seewege im Golf von Aden. Flexibel und schnell müssten die Staaten und ihre Bündnisse reagieren. Schwierig sei das, weil viele Länder in der Wirtschaftskrise keine Kapazitäten mehr haben (wollen), um fremde Länder zu befrieden, zu beschützen, aufzubauen.

Und nun sagt Herr Eberhardt von Rhein-Metall das: "Diese neuen Konflikte haben der Rüstungsindustrie aus einer Sinnkrise geholfen." Aus der Stagnation einer versorgenden Industrie, gezwungen zum Arbeitsplatzabbau, erläutert er seine Freude, sei eine "technologiegetriebene Rüstungsindustrie" geworden. Das sei eine "tolle Herausforderung", ja, noch mal: "eine neue Challenge".

Die deutsche Rüstungsindustrie profitiert

Ist nicht auch das schön, dass die asymmetrischen Konflikte der Welt, die verworrene geopolitische Lage ihr Gutes haben? Sie therapieren die deutsche Rüstungsindustrie und lassen sie prosperieren. Keine Krise, nirgends, jedenfalls nicht in der Branche. Hier sind gute Nachrichten! Warum hört man so wenig davon?

Weil man unter sich ist. Die Presse darf natürlich hinein. Aber wenn sie etwas fragt, zum Beispiel einen wichtigen Mann von Rhein-Metall, beim köstlichen Mittagessen, gesponsert von Rhode & Schwarz (Messtechnik, Funküberwachung), wenn sie also fragt, ob bei dieser Fachtagung nicht auch über neue Aufträge für die Rüstungsindustrie gesprochen wird, dann grinst er nur schief und sagt: "Sie können sich denken, was ich darauf jetzt antworten werde." Dann dreht er sich weg, fast möchte man sagen: uncharmant, und wendet sich zu seinem Nachbarn. Einem hochrangigen Kapitän zur See. Man muss Prioritäten setzen.

Dorit Kowitz ist Redakteurin im Berliner stern-Büro

Von Dorit Kowitz
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
OttoB (18.09.2009, 21:39 Uhr)
Tigerente
Wer die Waffenlobby nicht fördern will, darf nicht die Tigerentenregierung wählen.
OttoB (18.09.2009, 21:26 Uhr)
@Tempelhofer
Aber an den Kriegen verdient die Waffenlobby ihre Millionen und Menschen Leben und Gesundheit.
Dieses ist meine eigene Meinung, für die ich nicht bezahlt werde.
Tempelhofer (18.09.2009, 20:52 Uhr)
@ OttoB
Der Frieden muss bewaffnet sein.
OttoB (18.09.2009, 18:56 Uhr)
Die Rüstungslobby
kennt nur Geld und keine Menschen.
@Tempelhofer jetzt ihren bezahlten Satz dazu.
Malt (18.09.2009, 16:47 Uhr)
@Tempelhofer
Gut, dann nennen Sie mir EINEN EINZIGEN Satz von mir, in dem ich für die Linkspartei geworben hätte - einer reicht schon! Viel Spaß beim suchen - finden werden Sie nichts. Soviel zum Thema Paranoia.... klassischer Fall von Selbstdisqualifikation.
Tempelhofer (18.09.2009, 15:02 Uhr)
@ malt
Also wenn hier Leute pausenlos politische Werbung für die Linkspartei machen, und in einem wahren Trommelfeuer dafür werben, die Linkspartei zu wählen, dann ist die Annahme naheligend, dass es sich um Linke handelt. Das hat mit Tellerrandsicht nichts zu tun.
HenningOL (18.09.2009, 14:28 Uhr)
Die Rüstungsindustrie...
... baut das was die Politik will. Wenn ein kleiner Rollstuhlfahrer sich mit seinen Zielen durchsetzt wird die Industrie eben das liefern was der will. So funktioniert das im Kapitalismus, da mit dem Zeigefinger rumwedeln ist albern. Die bösen Jungs sitzen in der Politik - und jedes Volk hat auf Dauer die Regierung die es verdient.
Malt (18.09.2009, 14:11 Uhr)
@Tempelhofer
Also, von einem der hinter jedem Kommentar, der von der eigenen Tellerrandsicht abweicht, einen "Linken" oder "Piraten" sieht, lass' ich mir gerne etwas über Paranoia erzählen.... Sie scheinen sich damit bestens auszukennen.... im Gegensatz zur eigentlichen Thematik des Artikels... oder haben Sie dazu auch noch was zu sagen? Nein? Dachte ich's mir doch...
Tempelhofer (18.09.2009, 13:55 Uhr)
@ malt
Meine Güte, haben Sie eine Paranoia. Die ganze Welt hat sich gegen Sie verschworen, weil Sie von 6 Mrd. Menschen als einziger den totalen Durchblick haben. Haben Sie schon heute Ihre Wohnungen nach Wanzen überprüft ? Und welcher Ihrer Freunde und Bekannten arbeitet wohl für den Verfassungsschutz ? Leute wie Sie leben längst in Ihrer eigenen Traumwelt.
Malt (18.09.2009, 13:36 Uhr)
Die Rüstungsindustrie...
....hat schon voll auf den Bedarf der Zukunft umgestellt der da lautet: Unterdrückung der eigenen Bevölkerung, Kontrolle über unbewaffnete Demonstranten behalten, urbane Kampfhandlungen und vor allem Überwachung! also alles was man braucht, um einer evtl. Revolution/einem Aufstand Herr zu werden! Schaut euch mal an was die so bauen momentan: Drohnen die selbstständig bis zu 48 Stunden ein Fahrzeug verfolgen und überwachen können - Biometrische Zielerkennung (ein Schelm, wer dabei an die neuen, biometrischen Fotos in den Ausweisen denkt), Mikrowellenwaffen die speziell gegen große Menschenansammlungen angewendet werden können... da lacht jedes Diktatorenherz!
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