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8. Juli 2011, 14:29 Uhr

Ausländerbeauftragter flieht vor Rassismus

Für das Image des brandenburgischen Schwedt ist es ein Debakel: Ibraimo Alberto, ehemaliger Ausländerbeauftragter der Stadt, wirft das Handtuch. Der Mosambikaner konnte den alltäglichen Rassismus nicht mehr ertragen.

Vor drei Jahren wurde er noch von Wolfgang Schäuble als "Botschafter für Demokratie und Toleranz" ausgezeichnet. Jetzt hat Ibraimo Alberto, Amateurboxer und ehrenamtlicher Ausländerbeauftragter im brandenburgischen Schwedt, das Handtuch geworfen und seine langjährige Heimat verlassen. Im Interview mit dem "Deutschlandradio Kultur" beklagte der Mosambikaner das ausländerfeindliche Klima in der uckermärkischen Oder-Stadt. "Ich konnte einfach nicht mehr. Ich habe gemerkt, es wird immer mehr", sagte Alberto dem Sender.

Fast jeden zweiten Tag habe es verbale Attacken gegen ihn und seine Familie gegeben. Mehrfach wurde Alberto, der über 21 Jahre in Schwedt gelebt hatte, auch körperlich angegriffen. "Ich wurde von einer Frau mit der offenen Hand geschlagen. Die Leute haben nur zugeschaut." Elfmal habe er Anzeige erstattet.

Am schlimmsten aber sei das Schweigen der breiten Bevölkerung und der verantwortlichen Politiker gewesen. "Schweigen ist für mich nichts anderes als Zustimmung für diejenigen, die sagen 'Du gehörst hier nicht hin!'", so Alberto, selbst SPD-Mitglied und Ex-Abgeordneter der Stadt. Dem Schwedter Bürgermeister Jürgen Polzehl attestierte er ein "liebes Herz", aber letztlich zu wenig Bereitschaft, sich aktiv für ihn und gegen den Rassismus in seiner Stadt einzusetzen.

Ausschlaggebend für seinen Umzug nach Karlsruhe sei allerdings ein Fußballspiel im März gewesen. Während der Partie wurde Albertos 17-jähriger Sohn von einem Gegenspieler als "Negersau" beschimpft und erhielt noch auf dem Platz Morddrohungen. Das Publikum schaute tatenlos zu. Auf Nachfrage der Berliner Zeitung "taz" gab sich SPD-Mann Polzehl zerknirscht, bezeichnete die Vorwürfe aber auch als "ein bisschen überspitzt" und "nicht nachvollziehbar". Er gestand allerdings persönliches Versagen ein, für seinen Ausländerbeauftragten keinen festen, bezahlten Job gefunden zu haben.

Den hat sich Ibraimo Alberto nun selbst besorgt: Seit einigen Monaten arbeitet er als Erzieher in einem Karlsruher Kindergarten.

jwi
 
 
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