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16. Februar 2010, 13:27 Uhr

National protzen, kommunal sparen

Wie sieht's bei Ihnen aus? Schwimmhalle dicht, Kita-Gebühren auf Rekordniveau? Kein Wunder. Im Bund wird Geld verplempert, das den Bürger vor Ort fehlt. Einzige Lösung: Streicht die Steuergeschenke! Ein Kommentar von Hans-Peter Schütz

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Nicht nur Löcher im Haushalt: Straßenszene in Leipzig© Sebastian Willnow/DDP

Ist das Hallenbad in Ihrer Stadt noch offen? Oder wird es derzeit nur auf 15 Grad geheizt, weil die Kommune Kosten sparen will? Dass es zu wenig Salz auf dem Markt gibt, um vereiste Gehwege zu entschärfen, müssen viele Bürger mit gebrochenen Knochen bezahlen. Aber selbst wenn es Salz gäbe - die Gemeinde hätte vermutlich kein Geld, es zu kaufen. Auf die Schlaglöcher, die unter das Eis in den Asphalt getrieben hat, dürfen wir uns schon heute freuen. Vermutlich sind die Löcher nicht mal bis zum nächsten Winter geflickt. Kein Geld in der Gemeindekasse.

Man schiebe die politische Verantwortung dafür bitte nicht beidarmig den Bürgermeistern und Gemeinderäten zu. Sie hat auch nichts mit den Parteibüchern der Gemeindechefs zu tun. Die Frankfurter Oberbürgermeistern Petra Roth, CDU, ist sich da mit ihrem Münchner Kollegen Christian Ude, SPD, einig: "Hier ist tatsächlich Land unter." Der Zusammenbruch stehe bevor.

Die falschen Betörungen

Bei der Ursachenanalyse der Finanzkrise der Gemeinden beklagt der Deutsche Städtetag die "klebrigen Hände" der Bundesländer, an denen viel zu viel von den Geldern hängen bleibe, die eigentlich vom Bund über die Länder an die Städte fließen sollten. So ist es. Was mindestens ebenso deutlich erwähnt werden muss: Schuld sind auch die "fahrlässigen Münder" der jeweils regierenden Bundespolitiker. Seit vielen Jahren schon versuchen sie, die Wähler mit Versprechungen zu betören, die sie letzten Endes selbst bezahlen müssen.

Ein typisches Beispiel: Die schwarz-gelbe Koalition schmückt sich mit ihrem "Wachstumsbeschleunigungsgesetz". Das bringt den Hoteliers rund eine Milliarde Euro ein. Dass die Gemeinden durch dieses Gesetz 1,6 Milliarden Euro verlieren, davon reden Angela Merkel und Guido Westerwelle natürlich nicht. Ebenso wenig davon, dass 2009 durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gut sieben Milliarden Euro weniger in den Gemeindekassen landen. Zugleich wachsen die Sozialkosten für die Unterbringung von Langzeitarbeitslosen dramatisch.

Hilflose Kommunen

Oder man nehme die Bildungspolitik. Hier stellt der Bund immerhin für den Ausbau der Kinderbetreuung an der Basis vier Milliarden bereit und will sich später auch an den Betriebskosten beteiligen. Das ist ein Fortschritt. Denn früher machten die Bundes- und Landespolitiker flotte Gesetze in diesem Bereich, ohne auch nur eine Sekunde über die Kosten für die Kommunen nachzudenken. Großherzig kommt auch der künftige Rechtsanspruch für die Betreuung der unter Dreijährigen daher. Die Länder brüsten sich damit. Wie er finanziell umgesetzt wird, darüber wird geschwiegen.

Die Gemeinden sind gegen diese Politik, die national protzt, aber die Kommunen zu Kasse bittet, hilflos. Kostendeckende Gebühren für Kindergärten sind nicht zu erzielen, sie sind auch nicht über hohe Müllabfuhrgebühren oder Strafzettel für Falschparker reinzuholen. Gewinne damit zu machen, ist den Kommunen ohnehin grundsätzlich verboten.

Seite 1: National protzen, kommunal sparen
Seite 2: Sind Steuergeschenke sinnvoll?
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
jomimo (16.02.2010, 23:57 Uhr)
@knilch_59
Werter knilch,

vielleicht sind die Schützen, Sänger, Landfrauen und Yogi selbst zum Teil H4 bzw. Lohnersatzleistungsempfänger und trotzdem bringen sie es fertig, sich und ihren Kindern eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen ohne Sondersubvention.

Bedaure, aber die H4 Diskussion, welche Herr Schütz hier garnicht thematisiert hatte, läuft wohl langsam aus dem Ruder, sie verselbstständigt sich, wie Sie gerade bewiesen.
knilch_59 (16.02.2010, 23:08 Uhr)
Kann man so sehen, ...
... muss man aber nicht!
In den Kommunen wird unendlich viel Geld in die Hand genommen für "Infrastruktur-Leistungen", von denen die unterste Schicht der Bevölkerung nichts hat. Da bekommen Schützen- und Gesangsverein, die Landfrauen und die Yoga-Gruppe kostenlose Räume und irgendwelche Vereine die Sporthalle. Wohl bemerkt: Für Hartz-IV-Kinder wäre der evtl. Mitgliedsbeitrag mit dem Regelsatz abgegolten, also sind diese Kids dort eher nicht Mitglied - die Eltern schon gar nicht. Das subventionierte Programmkino, Theater, Konzert und Ballett leisten die sich auch nicht. Noch nicht mal der Computerkurs der Volkshochschule ist finanziell darstellbar. Fazit: Hier wird finanziell leistungsfähigen Bürgern eine Dienstleistung unter Gestehungskosten verfügbar gemacht, tendenziell also eine Subvention an die Mittel- und Oberschicht unter sehr geschicktem Ausschluss der Unterschicht. Glänzend durchgespielt aus dem Lehrbuch "diskriminieren leicht gemacht".
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Also wäre dort noch erhebliches Einsparpotenzial, oder man könnte die Gebühren erhöhen, ohne dass das unsozial wäre, weil die Unterschicht hieran ohnehin keinen Anteil hat.
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Dieser Subventionswahn wäre doch auch mal eine ausführliche Berichterstattung wert! Wobei ich absolut dafür bin, dass die Kommunen derartige Angebote vorhalten: kostendeckend, anzupeilen ist die "Rote Null". Und diejenigen, die sich die Sachen nicht leisten können, bekommen Wertschecks, die eine Teilhabe ermöglichen, der Rest möge gefälligst Marktpreise bezahlen!
jomimo (16.02.2010, 22:29 Uhr)
Werter Herr Schütz
Deprimierender Artikel ....

Trotzdem vielen Dank
n8g8 (16.02.2010, 21:43 Uhr)
Zeit für neue Namen, weil nomen est omen!!!
Angesichts des Wirkens der gelb-braun-schwarzen Hornissen-Regierung plädiere ich für eine Umbenennung des Reichstags in Armutstag nebst als Unterschrift: Der Deutschen Wirtschaft.
Das trifft wenigstens die Realitäten der Bevölkerung.
Vielleicht hilft ja dem ewigen Musterknaben wegen seinem total global korrekten Ordnungssinn und seiner allseits historisch bekannten Gründlichkeit ne internationale Kollekte?!? *LOL*
kinderhort (16.02.2010, 17:09 Uhr)
Bundespolitik
Dies ist so gewollt, denn hier muß dann der Bürger wieder sein Geldbeutel aufmachen
und bezahlen, dies ist die Bundespolitik und wird gans bestimmt schon 20 Jahren so
praktiziert, denn so hat der Bund immer wieder die möglichkeit unsere Industrie zu unterstützen, den Banken den Glückspiel-
einsatz bereit zustellen und wenn dann immer noch nicht genug dabei heraus kommt kann man über die SozialSchwachen dieser Republik herziehen.
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