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8. Mai 2009, 17:22 Uhr

Union nimmt Steinbrück unter Beschuss

Nach der erneuten Verbal-Attacke von Finanzminister Peer Steinbrück gegen Steueroasen wie Luxemburg hagelt es von Unions-Politikern Kritik. So sei "Wiederholungstäter" Steinbrück als Diplomat "unterbegabt". Unterstützung erfährt dieser jedoch von Bundeskanzlerin Merkel und aus den eigenen Reihen.

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Steinbrück stellt Länder wie Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz und Österreich auf eine Stufe mit Ouagadougou© Markus Schreiber/AP

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) steht wegen seiner jüngsten Bemerkungen über Steueroasen weiter in der Kritik. Steinbrück hatte Luxemburg, Österreich und die Schweiz in eine Reihe mit Ouagadougou gestellt, der Hauptstadt des afrikanischen Staates Burkina Faso. In der Bundestagsdebatte um Steueroasen setzte er am Mittwoch seine Attacken auf die Schweiz und Liechtenstein fort. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), sagte im "Deutschlandradio Kultur", Steinbrück soll sich im Ton mäßigen. Es gelte der alte Spruch: "Hart in der Sache, aber freundlich im Ton", so Polenz. Der Flurschaden werde immer größer; außerdem sei Steinbrück ein Wiederholungstäter.

Eine unerträgliche Belastung

Die bayerische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Emilia Müller (CSU), riet Steinbrück zu einem einmonatigen Schweigegelübde. Er rede sich sonst um Kopf und Kragen. "Es ist beispiellos für einen deutschen Spitzenpolitiker, wie sich Peer Steinbrück durch eine Kette verbaler Entgleisungen in der eigenen Partei isoliert hat", sagte Müller der "Passauer Neuen Presse".

Unions-Finanzexperte Otto Bernhardt (CDU) nannte Steinbrücks Attacken eine unerträgliche Belastung. Eine Entschuldigung forderte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt in der "Berliner Zeitung": "Es ist dringend notwendig, dass Steinbrück sich schnell entschuldigt. Er hat bewiesen, dass er auch als Diplomat eher unterbegabt ist."

Merkel schlichtet

Dagegen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Steinbrück in der Sache den Rücken gestärkt. Es sei nicht ihr Interesse, dass es wegen öffentlicher Äußerungen zu Verstimmungen in den Beziehungen zu Ländern wie Schweiz oder Luxemburg komme, sagte Merkel am Freitag in Berlin. "In der Sache aber muss man sagen, ist das absolut gerechtfertigt", betonte die Kanzlerin zugleich. Es sei jahrelang nicht thematisiert worden, dass die OECD-Standards über den Umgang mit Steuerflüchtlingen von manchen Ländern nicht akzeptiert worden seien.

"Auch Luxemburg hat erst kürzlich die Bereitschaft dazu erklärt", sagte sie. Die Kanzlerin kritisierte auch Belgien. Das Land habe 2001 die Anerkennung der Standards angekündigt, aber bis heute nicht umgesetzt. "Ich glaube, wir haben ein Recht, die Vereinbarungen einzufordern". Steuerhinterziehung könne keine Basis für die Beziehungen der Ländern untereinander sein.

Sie habe am Vortag mit dem luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker gesprochen, der sich heftig über Steinbrück erregt hatte. Es gehe ihr darum, Verstimmungen und Irritationen zu beseitigen. "Aber nun müssen wir verhandeln. Wir müssen einfach das Problem lösen", sagte Merkel.

Müntefering ist für "eine klare Sprache"

SPD-Chef Franz Müntefering nahm Steinbrück in Schutz. "Die Wahrheit ist doch: Da sind Leute, die betrügen uns um Steuern, und zwar in einem erheblichen Maße", sagte Müntefering im "Deutschlandfunk". Sie bekämen die Möglichkeit, ihr Geld zu verstecken, weil ihnen andere Länder diese Möglichkeit geben würden. Es sei nötig, eine "klare Sprache" zu sprechen, wenn es um so viel Geld gehe.

Zur Kritik am scharfen Ton von Steinbrück sagte Müntefering, es solle "keiner übertrieben empfindlich sein". Er sei auch dafür, dass man freundlich miteinander umgehe. "Aber wenn man mal meckern muss, damit sich etwas bewegt, dann ist Meckern auch erlaubt."

Eichel sieht künstliche Erregung

Der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wies die Kritik an seinem Amtsnachfolger als "reines Ablenkungsmanöver" zurück. Er forderte die große Koalition in der "Leipziger Volkszeitung" zu konsequenterem Vorgehen gegen Steuerhinterziehung auf. "Was sich hier abspielt, ist oft eine künstliche Erregung von Leuten, die dieses System nicht wirklich angreifen wollen oder gar Nutznießer sind", sagte Eichel. In der Schweiz lägen Milliardenbeträge von hinterzogenem Geld aus Deutschland. "Das ist der eigentliche Skandal, und nicht, ob ein Finanzminister mehr oder weniger diplomatisch ist."

DPA/mre
 
 
KOMMENTARE (10 von 40)
 
Westerle.Merkwelle (09.05.2009, 14:34 Uhr)
Die Wahllügen von CDU/CSU, SPD und FDP - Hier: Steuergerechtigkeit
Seit Wochen will man uns einschläfern mit der Behauptung, dass die Wirtschaftskrise nicht so schlimm sei und bis zum Jahresende alles wieder so weiter gehen können wie früher. Leider fallen darauf die meisten Leute herein und geben ausgerechnet denjenigen im Herbst wieder ihre Stimme, die durch ihre neoliberale Politik der letzten Jahre die Wirtschaftskatastrophe zu verantworten haben.
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Bis heute belügen uns die Politiker über das wahre Ausmaß der Katastrophe. Sie tun alles, um bis zur Bundestagswahl die Ursachen und Folgen zu vertuschen und schön zu reden.
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Staatsbankrott droht in mehreren Ländern
Da hier auch EU Länder betroffen sind, könnte dies das Ende des Euro sein - mit unübersehbaren Folgen für unsere Ersparnisse!
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/16/0,3672,7527184,00.html
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Verbrennt der Staat unser Geld?
Während für Bildung, Gesundheit, Arbeitslose und Rentner kein Geld da ist, werden mehrere Billionen € bzw. $ für die Alimentierung von Banken bereitgestellt. Machen wir uns nichts vor: Das kann nur in einer Hyperinflation enden.
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Die große Rechnung der Politiker kommt noch: Am Montag nach der Bundestagswahl. 08:00 Uhr!!
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Schamlose Lügen und Schönfärbereien. Zum Beispiel: Steuergerechtigkeit:
Lese Sie von Ernst Schmiederer und Hans Weiss das Buch "Asoziale Marktwirtschaft" (ISBN 3-462-03643-2), um zu erfahren, wie skandalös unsozial unsere Steuergesetze sind. Jährlich entgehen dem Fiskus 117 Mrd € alleine durch hinterzogene Umsatzsteuern!! Das stellte bereits 2006 der Bundesrechnungshof fest. Was ist seitdem passiert? Nur soviel: Während ein Steuerfahnder im Schnitt jährlich 2 Mio Steuern eintreibt, werden die Planstellen für Steuerfahnder gestrichen!!!
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Unsere Politiker lügen auch bei dem wichtigen Thema Steuerhinterziehung was das Zeug hält. Sie wollen gar keine wirkliche Bekämpfung der Steuerhinterziehung. Die Kassen sind leer. 100te Mrd € werden den Banken geschenkt, aber für Schulen und Krankenhäuser fehlt das Geld. Da lobe ich mir die Positionen der Linken:
http://die-linke.de/wahlen/positionen/themen_az/pt/steuerhinterziehung/ als alleinige Alternative zum Berliner Korruptions- und Selbstbedienungssumpf.
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Es gibt weitere Wahllügen, die ich hier aus Platzgründen nicht aufführen kann. Fortsetzung folgt!
balldurian (09.05.2009, 08:48 Uhr)
Komplett lachhaft ...
... wenn nun eine partei den allerwertesten aus dem fenster hängt die jahrzehntelang ihre prall gefüllten schwarzen schmiergeldkoffer ausser landes schleppen liess ...
MichaelArnoldt (09.05.2009, 00:10 Uhr)
Ugadugu
Hat Ugadugu diesen Vergleich verdient ?
Siamkatze79539 (08.05.2009, 20:12 Uhr)
Steueroasen
Es war einmal ein Robin Steinbrück, nach den Bundestagswahlen ward er nimmer gesehen!
Das ist ein Trost.......
abcbw (08.05.2009, 18:02 Uhr)
Einseitige Handlungen
Natürlich ist Steuerzahlen eine Pflicht - sich dieser zu entziehen entspricht nicht einem Verhalten wie vorgesehen und zu erwarten.
Nur, und ich will hier nur den Raum Karlsruhe und Umland bemühen, ist es nicht so dass der Staat nach säumigen Zahlern oder gar Steuerflüchtlingen sucht. Der Staat, und ich beziehe mich auf BW und Raum Karlsruhe verfällt immer mehr der Idee Steuern auch dann zu erheben, wenn diese nicht oder nicht in dieser Höhe anstehen. Dabei bietet er dem Fahnder die Möglichkeit seine persönlichen Interpretationen ebenso umzusetzen, wie dies Herr Steinbrück im Moment tut, Schaden anrichten ist die Devise und wenn sich nach Jahren mühsamer Gegenwehr dann herausstellt das alle Vorwürfe, jeder Einzelne und Allesamt nicht zutrafen, erfunden waren, auf Diebstahl von Dokumenten beruhen, durch uneidliche Falschaussagen bei Gericht in die Welt gesetzt wurden - dann zuckt der Staat zurück und weiß von nichts, BGB § 839 i.V. GG Art. 34 ist ein Fremdwort, eine Phrase ohne eine Möglichkeit der Verwirklichung.
Wen wundert es nun dass der BMF im Moment größter Schwierigkeiten mit geradezu populistischen Äußerungen Schaden versucht herzustellen, Sachverhalte zu behaupten die sich jeder Kontrolle und Nachprüfbarkeit entziehen, sich also so verhält wie im Kreis Karlsruhe bei bestimmten Behörden seit Jahren üblich.
Die diebische Freude über das Resultat ist unübersehbar, notabel in jeder Aktion und Abbild dessen, was Steuerpolitik in Deutschland heute auch sein kann, Instrument zur Umsetzung von Vorhaben außerhalb jeder gesetzlichen Kontrolle.
Denunziantentum, der Wille auch mit einem Kriminellen zusammen zu arbeiten um formal auf ausreichender Grundlage Steuerermittlung und Festsetzung zubetreiben kennzeichnet zunehmend das behördliche Amtshandeln und die einseitige Wirkungsweise von Gesetz und Recht gegen den Bürger. Die AO ist inzwischen halbiert und reduziert auf repressive Maßnahmen und sie werden zumindest im Raum Karlsruhe kein Gericht finden das bereit wäre das Fehlverhalten neutral zu erkennen, zu bewerten und zu sanktionieren.
Vielleicht anderwo, in Burkina Faso vielleicht - aber nicht hier und nicht mit diesem Herrn BMF und den Kopien in den Löndern.
Angel_of_Mercy (08.05.2009, 17:32 Uhr)
Finanzminister = Diplomat?
Seit wann denn das? Es heißt doch, bei Geld hört die Freundschaft auf. Also darf ein Finanzminister gar nicht diplomatisch sein. Zumindest kommt jetzt etwas Bewegung in die ganze Sache, seit Steinbrück mault.
kabelmann (08.05.2009, 16:46 Uhr)
nur mal so:
Die Bundesrepublik ist in Europa für Unternehmen die Top Steueroase. Und Deutschland zwingt seinen europäischen Nachbarn ähnlich lasche Besteuerung von Unternehmen und auch Topverdienern geradezu auf.
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Wenn Herr Steinbrück also lospoltert, dann sollte er
a) Erstmal im eigenen Land für klare und vor allem glaubwürdige Verhältnisse sorgen und
b) Endlich mal Taten folgen lassen. Sich ständig auf die OECD Liste zu berufen, auf der ja eigentlich kein einziges Land auf der Welt steht und nichts gegen die Kanalinseln unternehmen zu wollen ist schon lächerlich genug
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So nobel die Absichten von Steinbrück auch sind, er ist weiterhin ein Schwätzer, der viel erzählt, aber nicht handelt
kaiivo (08.05.2009, 16:27 Uhr)
Steueroasen
Ach is et dat schön, wenn Politiker nicht nur BlaBla von sich geben, sondern Missstände deutlich anprangern. Wer solche Dinge deutlich anspricht, ist kein "unterbegabter Diplomat", sondern ein ehrlicher Mensch.
auwei (08.05.2009, 15:35 Uhr)
@Blacky
Da mögen Sie teilweise Recht haben. Es geht hier aber nicht um die Rache des kleinen Mannes, sondern um planmäßige Hinterziehung durch vermögende Menschen, die zwar gerne die Leistungen des Staates in Anspruch nehmen (und in ihrer jeweiligen Lobby auch noch lautstark Subventionen fordern), aber nicht einsehen wollen, dass sie dafür auch etwas geben müssen. Sozialautisten wie diesen sollte man den Spruch "Eigentum verpflichtet" auf die Innenseiten ihrer Augenlider tätowieren.
Blacky007 (08.05.2009, 15:31 Uhr)
auwei
Mir ist das doch auch völlig egal, ob einer hinterzieht - ich kenne auch niemanden, der bei dem Thema nicht schummelt und ich finde - völlig zurecht! Wir werden beim Thema Steuern vom Staat hinten und vorne beschissen, da finde ich es eben nur völlig legitim, dass auch die Steuerzahler bescheissen.
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Würde der Staat mit den Steuermitteln völlig korrekt umgehen, würden wir völlig frei zugänglich Einsicht in die Mittelverwendung bekommen, aber da würden ja die ganzen Tricks und Verschwendungen nachvollziehbar sein - dies kann nicht im Interesse des Staates liegen.
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Nehmen wir nur einmal die dreiste Abzocke mit der Rente: im Grunde müssten wir weit geringere Beiträge bezahlen, würde der Staat die Renten und Pensionen rein Netto ausbezahlen. Warum muss der Einzelne den Anteil an Steuern mitbezahlen, den die Rentner/Pensionäre im Nachhinhein eh wieder an Steuern an den Staat zahlen? Würden die Renten also Netto ausbezahlt werden, könnte der Beitragssatz sicher um 2 bis 4%, wenn nicht sogar mehr, entlastet werden. So aber holt sich der Staat etliche hundert Millionen extra aus den Taschen der Steuerzahler, als eigentlich nötig.
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Solange der Staat und die Regierung mit schlechtem Beispiel voran geht, solange kann niemand einseitige Ehrlichkeit verlangen.
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Bescheisst du mich, bescheiss ich dich - bist du ehrlich, bin ich es auch - eine ganz simple Gleichung.
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Wenn also der Staat will, dass wir zu einer Steuerehrlichkeit kommen, dann muss der Staat den ersten Schritt tun und mit gutem Beispiel vorangehen. Die Bemühungen kann ich nicht erkennen...
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