Vor 30 Jahren stürzte das Militär in Chile unter General Pinochet den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende. Tausende Menschen wurden ermordet. Heute ist das Land immer noch gespalten.

In wenigen Wochen ist der eine tot und der andere an der Macht: Chiles Staatspräsident Salvador Allende (r.) und General Augusto Pinochet (Archivbild vom 23. August 1973)© dpa
"Ich werde meinen Posten nicht verlassen. Ich werde mit meinem Leben das Amt verteidigen, das mir das Volk gegeben hat." Mit diesen Worten verabschiedete sich der chilenische Präsident Salvador Allende am 11. September 1973 in einer Radioansprache von seinen Landsleuten. Zu diesem Zeitpunkt schossen Flugzeuge des putschenden Militärs bereits im Tiefflug Salven auf seinen Amtssitz in Santiago ab. Wenige Stunden später starb Allende in den Ruinen des Präsidentenpalastes Moneda.
Chile wurde vor 30 Jahren von einem Umsturz erschüttert, der in seiner Brutalität in Lateinamerika beispiellos war und 16 Jahren Militärdiktatur unter General Augusto Pinochet den Weg bereitete. 100 bis 150 Tote würden täglich in der Leichenhalle von Santiago angeliefert, berichtete der amerikanische Journalist John Barnes damals. Zwei Wochen nach dem Putsch habe sie bereits 2.796 Leichen gezählt, zitierte Barnes die Tochter eines Mitarbeiters des Leichenschauhauses.
Allein in den folgenden drei Jahren kamen nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) mindestens 20.000 Anhänger von Allendes sozialistischer Regierung ums Leben, unzählige verschwanden spurlos. Vollständige Angaben werde es vermutlich nie geben, da über zahlreiche Massaker in ländlichen Gebieten kaum etwas bekannt geworden sei, erklärt AI. Laut einem offiziellen Bericht liegt die Zahl der während der Militärjunta getöteten oder verschwundenen Menschen nur bei rund 3.200.

Kampfbereit: Salvador Allende (links mit Helm) und seine Leibwächter am Tag des Putsches im Moneda-Palast© dpa
Bereits am Morgen des 11. September 1973 kursierten Gerüchte über einen Marineaufstand in der Hafenstadt Valparaiso. Eine halbe Stunde später berichtete Radio Corporacion, der Sender der Sozialistischen Partei, von einer „anomalen Lage„ in der Stadt. In Santiago beobachtete der kubanische Journalist Jorge Timossi bereits die ersten Luftangriffe auf den Präsidentenpalast. In dem inzwischen zum Denkmal erklärten Nationalstadion in Santiago pferchten die Militärs ihre Opfer zusammen, folterten und ermordeten viele an Ort und Stelle. So auch den bekannten Sänger Victor Jara, dessen Name das Stadion nach dem Willen des sozialistischen Präsidenten Ricardo Lagos bald tragen soll.
Die blutigen Auseinandersetzungen dauerten noch Tage an. Als sich dann die Nachricht, der drei Wochen zuvor zurückgetretene Verteidigungsminister General Carlos Prats marschiere mit loyalen Truppen von Süden her auf Santiago zu, als Falschmeldung erwies, gaben die Regierungsanhänger ihre letzte Hoffnung auf. Im Oktober exekutierte eine von Pinochet ausgesandte "Todeskarawane" genannte Armee-Einheit 75 politische Gefangene im Norden des Landes.
Obwohl die sozialistische Regierung durchaus Fortschritte erzielt hatte - die Zahl der Arbeitslosen war zurückgegangen, und Allende hatte eine staatliche Gesundheitsfürsorge geschaffen -, hatte sich der Putsch schon Wochen zuvor angekündigt. Der Terror nationalistischer und rechtsextremer Gruppen und eine landesweite Wirtschaftskrise, geschürt vom Boykott internationaler Konzerne, wurden immer stärker.
Militante Regierungsgegner forderten die Streitkräfte mehr oder weniger offen zum Eingreifen auf. Dessen Kommandeur Prats trat Ende August nach einem misslungenen Attentatsversuch auf ihn zurück. Sein Nachfolger wurde Pinochet, der den Umsturz bereits seit einem Jahr im Stillen vorbereitet hatte. Vor allem die CIA zog im Hintergrund die Fäden und arbeitete tatkräftig am Sturz des bei den USA ungeliebten Sozialisten Allende mit. Sogar US-Außenminister Colin Powell gestand kürzlich ein, er sei auf die Rolle seines Landes bei dem Umsturz "nicht stolz".