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6. September 2009, 20:05 Uhr

Die Kanzlerin sprach - und sagte nichts

Teflon-Kanzlerin Angela Merkel ist sich bei dem pompös inszenierten CDU-Wahlkampfauftakt in Düsseldorf treu geblieben. Nur nichts anbrennen lassen! Von Sebastian Christ, Düsseldorf

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Verbreitete ein diffuses Gefühl von Optimismus: Wahlkämpferin Angela Merkel in Düsseldorf© Lennart Preiss/DDP

Diese Show ist eine Liebeserklärung an die Erfindung des Hochleistungsscheinwerfers. Strahlkränze vereinigen sich zu Kegeln, die in allen Regenbogenfarben den dunklen Saal erleuchten. Sie sind heller als die riesigen Videoleinwände an beiden Seiten der Halle, auf denen von Herbst bis Frühjahr die Eishockey-Tore der Düsseldorf Metro Stars zu sehen sind. Doch eigentlich geht es heute um Politik. Die CDU feiert ihren Wahlkampfauftakt.

Angela Merkel marschiert in den Saal ein. Die Bildschirme multiplizieren ihr Winken. An den Seitenrändern der Tribünen sitzen die Nachwuchspolitiker des "Teams Angela Merkel" und feiern die Kanzlerin. In ihren orangefarbenen T-Shirts wirken sie wie sonderbare Gespenster, die am Rande der Lichtshow einige schräge Glühwürmchentänze aufführen. Sie rappeln mit Ballons und speziell gefüllten Rasseln. Sie tanzen, jubeln. Besonders laut, wenn Fernsehkameras in der Nähe sind. Die Kanzlerin läuft durch eine lange Gasse von Menschen. Jetzt, in diesem Moment, mit all dem Licht und all den Leuten und all den Geräuschen: Da ist sie fast ein Popstar. Und genau das soll sie auch sein.

Die Veranstaltung im Düsseldorfer ISS Dome ist wohl eine der pompösesten Polit-Inszenierungen, die es jemals in Deutschland gegeben hat. Rund 9000 Zuschauer kamen, die meisten waren wohl CDU-Mitglieder. Im Publikum wehten Fahnen von einzelnen Bundesländern, eine Gruppe hatte sich Wolfgang-Schäuble-Fanschilder gebastelt. Im Vorprogramm traten unter anderem die international bekannten Sängerin Jennifer Rush und der Produzent Leslie Mandoki auf. Letzterer hat übrigens auch den CDU-Wahlkampfsong "Wir sind wir" produziert. Der frühere "Dschingis Khan"-Frontmann sagt: "Ich finde, Angela Merkel ist ein Glücksfall für unsere Nation." Hätte ein Popkünstler das vor zehn Jahren gesagt, er wäre wohl mit sozialer Ächtung gestraft worden.

Neben den prominenten Künstlern traten auch noch zahlreiche andere Gruppen auf. Auch die ehemalige Dressurreiterin Nicole Uphoff durfte sagen, warum sie Angela Merkel unterstützt. Am Ende dauerte die Show mehr als vier Stunden. Der Kongress, auf dem die Union ihr Wahlprogramm vorstellte, war eine Stunde kürzer.

Die Teflon-Kanzlerin lässt nichts anbrennen

Inhaltlich gab es nichts Neues. Auch an diesem Sonntag vermied es die CDU, ihre Wähler mit wahrscheinlich nötigen Zumutungen zu konfrontieren. Zum bisher praktizierten Nullwahlkampf gehört es eben auch, ein diffuses Gefühl von Optimismus zu verbreiten. Da passen einfache Wahrheiten nur schwerlich rein: Dass irgendjemand etwa die geplanten Steuersenkungen für die Mittelschicht bezahlen muss. Oder dass aufgrund der stark steigenden Zinszahlungen im Bundeshaushalt Einschnitte bei anderen Ressorts beinahe unumgänglich sind. Kein Wort darüber.

Stattdessen lobte Gastredner Christian Wulff die Eigenschaften von Teflon: "Das ist ein Stoff aus der Weltraumforschung", sagte der Ministerpräsident von Niedersachsen. "Er bewirkt, dass nichts anbrennt." Und das sei ja ein gutes Omen für Angela Merkel - der ja häufig Teflon-Eigenschaften unterstellt werden.

Nur nichts Konkretes

Wulff schürte außerdem die Angst vor einer linken Mehrheit im Bundestag. "Ich möchte nicht, dass wir die Bundestagswahl nach einigen Monaten wiederholen müssen wegen unklarer Mehrheitsverhältnisse. Wir dürfen es nie wieder zulassen, dass Radikale von links und rechts wieder die Politik mitgestalten."

Auch Jürgen Rüttgers hielt eine kurze Rede. Dabei streifte der die Vorwürfe, die gegen ihn wegen angeblich fremdenfeindlicher Äußerungen erhoben werden, mit keinem Wort. Stattdessen verlautbarte er einige Wohlfühlparolen. "Die Botschaft der Sozialen Marktwirtschaft ist nicht Reichtum für wenige, sondern Wohlstand für alle." Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident fühlt sich offenbar wohl in seiner Rolle als "Rächer der Entrechteten". Spottname: "Robin Rüttgers." Wenn man aber genauer hinhört, bleiben am Ende nur Gemütssätze übrig. Meinungsäußerungen, kaum mehr. So ködert man jedoch Parteitagspublikum. Man bringt in den Unionskollegen etwas zum Schwingen. Konkretes kommt dabei aber nicht rum.

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