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26. September 2009, 20:13 Uhr

So ist es, Kanzler zu sein

Kanzler müsste man sein! Dienstwagen, Chauffeur, üppige Diäten, jede Menge Empfänge. Doch ist der Job wirklich so traumhaft? stern.de führt durch einen typischen Kanzlertag. Von Annika Müller

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Das Bundeskanzleramt in Berlin. Wer hier der Chef ist, bekommt vor allem eines: zu wenig Schlaf

Stellen Sie sich vor, Sie sind Kanzler. Eine angenehme Vorstellung? Sie könnten reisen, wo hin sie wollen, immer im gepanzerten Audi A8, einer S-Klasse oder im 7er BMW, der Sicherheit wegen - eine Dienstwagenaffäre ist ausgeschlossen. Höchstens über eine Flugaffäre könnten Sie stolpern, weil Sie den Airbus oder Hubschrauber etwas zu oft geordert haben. Doch auch das sollte kein Problem sein, schließlich verdienen Sie 24.000 Euro im Monat und können sich einen Privatflug locker leisten. Eine üppige Rente ist Ihnen sicher, auch die zweitgrößte Regierungsresidenz gleich nach dem Moskauer Kreml bekommen Sie mitgeliefert. Dazu festliche Bankette, berühmte Gäste, ein Traumjob!

Doch um all diese Annehmlichkeiten genießen zu können, müssen Sie auch arbeiten - und das eigentlich rund um die Uhr, denn Beruf und Privates lassen sich als Kanzler schwer trennen. Sie wollen einen netten Abend mit Ihrem Freund Josef Ackermann bei gutem Essen und Wein verbringen? Na gut: Aber denken Sie unbedingt daran, diese Festivität als Arbeitsessen zu verbuchen! Ansonsten gibt's reichlich zu tun. Sie müssen ganz schön früh raus aus den Federn, um spätestens um 7:00 Uhr im Kanzleramt zu sein. Wenn Sie mögen, können Sie dort im achten Stock wohnen - das spart Zeit, ist aber unbequem. Die Zimmer sind eher Kämmerchen, getrennt von einem Bankettsaal. Gerhard Schröder machte das nichts aus, Angela Merkel lässt sich dort oben nur schnell schminken. Der geplante Kanzlerbungalow im Park hinter Ihrem Amtssitz fiel leider dem Rotstift zum Opfer.

Besser ein dickes Fell

Ob nun frisch geschminkt oder nicht, ausgeschlafen oder mürrisch, von zu Hause angereist oder gerade erst aus dem Bett gefallen, Sie müssen sich beeilen: Spätestens um 8:30 Uhr findet die Morgenlage in Zimmer 7.101 statt, ein kleines Eckzimmer auf der Kanzleretage mit einem runden Tisch und Platz für etwa 10 Personen aus Ihrem engsten Beraterkreis. Um mitreden zu können, sollten Sie bereits Ihre Mappe mit den aktuellen Zeitungs-Ausschnitten und Agenturmeldungen durchgearbeitet haben, die Ihre Mitarbeiter, die sich seit 4:30 Uhr für Sie durch die Medien wühlen, für Sie zusammengestellt haben. Hier springen Ihnen schwarz auf weiß die kleinen und großen Katastrophen entgegen, über die Ihr Wahlvolk spricht: Sie haben gerade 6 Prozent Ihrer Sympathiewerte verloren, man macht sich über Ihren Verteidigungsminister lustig und verspottet Sie als Schlaftablette auf zwei Beinen? Willkommen in Ihrem Alltag, also legen Sie sich besser schnell ein dickes Fell zu!

Falls es gerade Mittwoch ist, sitzen Sie schon um 7:45 Uhr im Eckzimmerchen mit Ihren Vertrauten, um gleich im Anschluss zum Ministerfrühstück zu hetzen. Dann folgt um 9:30 Uhr die Kabinettsitzung im 6. Stock. Sollten Sie dramatische Auftritte lieben, bimmeln Sie möglichst oft mit der großen Glocke, die vor Ihnen auf dem Tisch steht. Das sichert Ihnen die ungeteilte Aufmerksamkeit Ihrer Minister. Wenn die Presse den Saal verlassen hat, müssen Sie unter den Argusaugen des Finanzministers, der Ihnen immer gegenüber sitzt, beschließen, welche Gesetze in den Bundestag eingebracht werden. Wenn alles normal läuft, sind Sie damit in zwei Stunden durch. Sie können allerdings auch versuchen, den Geschwindigkeitsrekord von Gerhard Schröder einzustellen. Der hat das Pensum in einer halben Stunde abgehakt.

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