Russischer Angriffskrieg
Ukraine-Krieg: Weitere Angriffe vor angekündigter Waffenruhe

Schon im vergangenen Jahr gab es für die Feier des 80. Jahrestages des Kriegsendes in Europa eine dreitägige Feuerpause. (Archiv
Schon im vergangenen Jahr gab es für die Feier des 80. Jahrestages des Kriegsendes in Europa eine dreitägige Feuerpause. (Archivbild) Foto
© Ulf Mauder/dpa

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Auf Moskaus Ankündigung einer zweitägigen Waffenruhe reagiert Kiew mit einem eigenen Vorstoß für eine früher beginnende Feuerpause. Bevor die Waffen schweigen sollen, haben Angriffe schwere Folgen.

Vor einer von Moskau und Kiew mit unterschiedlichem Beginn angekündigten Waffenruhe gehen die Attacken im Ukraine-Krieg weiter. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau diesbezüglich Zynismus vor. Es sei absolut zynisch, um eine Waffenruhe für Propagandafeierlichkeiten zu bitten, und in den Tagen davor solche Drohnen- und Raketenangriffe zu verüben, schrieb er in sozialen Medien. Russland könne jederzeit den Beschuss stoppen und das würde den Krieg und ukrainische Gegenangriffe beenden.

Tote und Verletzte in der Ukraine nach russischen Angriffen 

Auslöser der Kritik Selenskyjs waren schwere russische Angriffe auf die ukrainische Region Poltawa. Vier Menschen wurden Gouverneur Witali Djakiwnytsch zufolge bei einem Angriff im Umland der Großstadt Poltawa in der Zentralukraine getötet. Verletzt wurden seinen Angaben nach weitere 37 Personen. Moskaus Militär habe Raketen und Drohnen eingesetzt. Russland attackierte den Einschlagsort ein zweites Mal, wie der ukrainische Zivilschutz mitteilte. Bei zwei der Getöteten und mehr als 20 Verletzten handelt es sich demnach um Einsatzkräfte.

Auch im Gebiet Charkiw kam nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft ein Mensch bei einem Angriff auf ein Industrieunternehmen im Kreis Isjum ums Leben, zwei seien verletzt worden. In den Gebieten Tschernihiw und um die Hauptstadt Kiew meldeten Behörden ebenfalls Verletzte.

Beide Seiten verkünden Waffenruhe - mit unterschiedlichem Beginn

Das russische Verteidigungsministerium hatte am Abend eine Waffenruhe für Freitag und Samstag angekündigt. Russland feiert traditionell am 9. Mai den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg über Nazi-Deutschland unter anderem mit einer Militärparade auf dem Roten Platz.

Die Ukraine reagierte wenige Stunden später überraschend mit einem eigenen Vorstoß. "Wir verkünden eine Waffenruhe, beginnend ab 0.00 Uhr (23.00 Uhr MESZ) in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai", teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Sollte sich die russische Seite aber nicht daran halten, werde Kiew spiegelbildlich reagieren. Einen Zeitpunkt für das Ende der Waffenruhe nannte er dabei nicht. 

Rüstungsfabrik und Raffinerie in Russland angegriffen

Vor Beginn der verkündeten Waffenruhe griff aber auch Kiew noch einmal verstärkt das russische Hinterland an. In der russischen Großstadt Tscheboksary an der Wolga wurden regionalen Behörden zufolge drei Menschen bei ukrainischen Drohnenangriffen verletzt. Einer der Verletzten sei ins Krankenhaus eingeliefert worden, teilte das Gesundheitsministerium der Teilrepublik Tschuwaschien mit. Die Drohnen waren demnach Teil einer zweiten Angriffswelle. Bei einer ersten Attacke traf ein Marschflugkörper nach Berichten des Internetportals "Astra" die Rüstungsfabrik "WNIIIR Progress", wo Navigationsmodule für Drohnen, Marschflugkörper und Raketen hergestellt werden.

In Kiew bestätigte Selenskyj später den Einsatz von Marschflugkörpern des Typs Flamingo. Es seien "unter anderem Objekte des militärisch-industriellen Komplexes in Tscheboksary" beschossen worden. Die Raketen legten ihm zufolge eine Entfernung von mehr als 1.500 Kilometern zurück.

Tscheboksary liegt etwa 1.000 Kilometer von der Front entfernt. Insgesamt wurde sogar in 18 russischen Regionen Raketenalarm ausgerufen, darunter erstmals auch in dem im asiatischen Teil Russlands liegenden autonomen Kreis der Chanten und Mansen. Die Ukraine produziert seit dem vergangenen Jahr Marschflugkörper des Typs Flamingo, die eine Reichweite von bis zu 3.000 Kilometer haben sollen. Bislang wurden sie allerdings erst wenige Male eingesetzt.

Nicht zum ersten Mal wurde im Norden Russlands außerdem die Raffinerie Kirischinefteorgsintes angegriffen. Der Gouverneur des die Millionenstadt St. Petersburg umgebenden Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, bestätigte einen Brand im Industriegebiet der Stadt Kirischi. Dieser sei unter Kontrolle.

Nicht erste zeitlich begrenzte Waffenruhe in Ukraine-Krieg

US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin hatten Ende April bei einem Telefonat über eine mögliche Waffenruhe zu den Feierlichkeiten zum 9. Mai gesprochen. 

In dem vor mehr als vier Jahren von Kremlchef Putin befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine gab es schon mehrfach Versuche, die Waffen vorübergehend schweigen zu lassen. Zuletzt wurde eine begrenzte Feuerpause anlässlich des orthodoxen Osterfests ausgerufen. Im vergangenen Jahr sollten anlässlich der Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Weltkriegsendes drei Tage lang die Waffen ruhen. Moskau und Kiew hatten sich in der Vergangenheit bei solchen Feuerpausen immer wieder Verstöße vorgeworfen.

Kiew hat sich immer wieder für einen dauerhaften Waffenstillstand und einen anschließend durch Sicherheitsgarantien für die Ukraine gesicherten Friedensschluss ausgesprochen. 

Direkte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine, bei denen zuletzt die USA vermittelten, pausieren derzeit. Ein neuer Termin und ein Kriegsende sind nicht in Sicht.

dpa

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