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11. November 2008, 16:40 Uhr
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Letzter Ausweg Funkloch

Elektrosensible sagen, sie reagieren mit körperlichen Beschwerden auf Handystrahlung. Es gibt keine Studie, die das beweist - doch die Elektrosensiblen leiden. Auch darunter, dass ihre Umgebung sie für verrückt erklärt, wenn sie in Funklöcher flüchten und Schutzanzüge tragen. Ein Besuch bei Mobilfunkgegnern. Von Marco Lauer

Nur im Strahlenschutzanzug geht Suzanne Sohmer in den nächsten Ort© Annette Hauschild/Ostkreuz

Die letzten Häuser bleiben zurück. Nur noch Wiesen und Wald. Der Handyempfang wird schwächer. Es ist der Weg ins Glück von Suzanne Sohmer. Acht Kilometer lang ist es und drei Kilometer breit. Ein idyllisches Fleckchen Erde in der Nähe von Oberammergau in Oberbayern. Kühe und Pferde teilen das Glück mit ihr. Keine Menschen, das ist wichtig. Denn die tragen ihren großen Feind bei sich: das Handy. Sohmer ist eine Elektrosensible. Etwa sechs Prozent der deutschen Bevölkerung reagieren mit starken körperlichen Symptomen, wenn sie hochfrequenter Strahlung ausgesetzt sind. Strahlung für den Empfang von Digitalfernsehen oder für Navigationsgeräte - vor allem aber: für Mobilfunk.

Kommt jemand mit einem eingeschalteten Handy Suzanne Sohmer zu nahe, wird es kritisch: Ihr wird schwindlig, der Blutdruck schießt auf 200 zu 110, sie sieht alles wie volltrunken und in den Ohren rauscht es, als stünde sie neben den Niagara-Fällen. "Glücklicherweise habe ich hier einen kleinen Ort gefunden, an dem ich immer ganz alleine bin", sagt sie, "auch an den Wochenenden." Und selbst wenn sich jemand zu ihr verirrt - sein Handy hat keinen Empfang.

In Deutschland werden solche Funklöcher immer seltener. Schließlich ist es für die Mobilfunkbetreiber auch eine Imagefrage, wie groß ihre Netzabdeckung ist. Die liegt laut Bundesamt für Strahlenschutz mittlerweile bei 99,1 Prozent. Damit ist die Fläche aller Funklöcher zusammengenommen nur noch wenig größer als das Saarland. Auch die letzten Lücken im Funknetz wollen die Unternehmen in den nächsten Jahren schließen. Selbst entlegene Landstriche sollen erschlossen werden - wie der, in dem Suzanne Sohmer lebt und dessen genaue Lage sie nicht beschrieben haben möchte. Weil der Feind sonst Bescheid weiß, der immer näher heran rückt an ihr Glück. Seit mehr als zwei Jahren lebt Sohmer, 49, in dem Nichts, das für sie alles ist. In einem Wohnmobil, mit dem sie früher Ausflüge in die Welt außerhalb der Funklöcher unternommen hat. Im Mai dieses Jahres kam sie hierher. Zuvor war sie schon an zwei anderen Plätzen - die dann verseucht worden seien, sagt Sohmer.

25.000 Elektrosensible

Einer internen Studie des Bundesamts für Strahlenschutz zufolge sind mittlerweile etwa 25.000 Elektrosensible wie Sohmer in Deutschland unterwegs, auf der Suche nach Funklöchern. Diejenigen, die das Handy eher als Fluch denn als Segen des technischen Fortschritts sehen, haben sich zu Hunderten Bürgerinitiativen zusammengeschlossen. Sie eint der Kampf gegen den Elektrosmog. Suzanne Sohmer gehört natürlich auch dazu. Ihre Bürgerinitiative in Oberammergau ist eine der bekanntesten.

Man traut dem oberbayerischen Städtchen eigentlich nicht zu, die inoffizielle Hauptstadt der deutschen Mobilfunkgegner zu sein. Idyllisch liegt es im Süden Bayerns, eingebettet in die Voralpen. Die Leiden der Opfer von Mobilfunkstrahlung sind nicht offensichtlich. Sagt man bei der Bürgerinitiative "Strahlenfreier Ammergau", die Werner Funk in Oberammergau gegründet hat. Er ist ein ehemaliger Kollege von Suzanne Sohmer, beide haben bis vor vier Jahren noch zusammen beim Wetterdienst gearbeitet. "Man riecht nichts von der Strahlung und schmeckt auch nichts", sagt Funk. Weil es eben kein Sinnesorgan für Strahlung gebe. Trotzdem ist er sich sicher, dass die Symptome der Betroffenen auf die Handystrahlung zurückzuführen sind.

Nur die Angst vor der Angst?

Bei den Symptomen handele es sich vor allem um die Angst vor der Angst. Sagt man dagegen beim Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit (Femu) in Aachen. Bis heute sei kein eindeutiger Zusammenhang gefunden worden zwischen Handystrahlung und schweren körperlichen Leiden. Obwohl man dort in einem groß angelegten Forschungsprojekt über 7000 wissenschaftliche Studien durchforscht hat. Es gab auch Feldversuche mit Placebo-Antennenmasten. Dafür wurden auf Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden Funkmasten installiert. Prompt gingen Klagen ein über Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Herzrasen, obwohl zu dem Zeitpunkt die Antenne bewusst noch nicht eingeschaltet war.

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KOMMENTARE (10 von 29)
 
DarkSpir (23.10.2008, 06:34 Uhr)
Denkt doch bitte auch an die Kinder!
@23Skiddoo: Und ich hatte gehofft, du schließt die Hiphop-Kinderrudel da mit ein, die sich Grüppchenweise durch die Fußgängerzone bewegen und der in der Mitte hält ein Handy hoch, dass auf voller Lautstärke unverständlich vor sich hinkratzt und -plärrt.
23Skiddoo (22.10.2008, 21:13 Uhr)
Kein Empfang? Umso schlimmer!
Zitat: "Und selbst wenn sich jemand zu ihr verirrt - sein Handy hat keinen Empfang." Toll! Ein Mobiltelefon ohne Antwort vom Sender verhält sich wie ein Baby, das seine Mama vermißt: Es schreit aus voller Lunge! Der Beweis ist sehr einfach erbracht:
1.) Mein Akku hält bei eingeschältetem Gerät mindestens eine Woche.
2.) In meiner Tiefgarage ist auch ein Funkloch.
3.) Vergesse ich das Telefon im Auto, ist am nächsten Morgen der Akku leer, weil der Sender mit maximaler Leistung versucht, eine Rückmeldung von der nächsten Station zu bekommen.
4.) Wenn man sich zehn Minuten lang einen Telefon-Dummy ans Ohr hält, wird das auch warm, weil die Körperwärme reflektiert wird. Man teste das mit einer runden Edelstahlsalatschüssel: einfach mal langsam mit dem Gesicht der Innenseite nähern: Prompt wird es warm....
Ich halte diese Elektrosensibilität für eine Kopfsache, die einen Menschen sicherlich krank machen kann. Aber das ist ein quantenmeschanischer Prozess, der nichts mit der Strahlung an sich zu tun hat. "Elektrosensible" müßten dann eigentlich zu Staub zerfallen, sobald die Sonne aufgeht oder mal wieder eine Supernova platzt.
Ich habe zugegebenermaßen auch eine "Handyallergie",- aber die wird von den Trägern verursacht, die mit diesen Dingern nicht umgehen können und den Klingeltonanbietern ermöglichen, meinen Fernsehinhalt zuzumüllen,- aber das ist ein anderes Thema.
Ich wünsche allen elektrosensiblen Zeitgenossen gute Besserung und ein Fernstudium im Themenbereich Physik, Biologie, Astrophysik und Quantenmechanik.
loempia07 (22.10.2008, 15:26 Uhr)
Hey, nicht lachen!
Ich bin so sensibel, dass ich sogar mein Handy hören kann, wenn es klingelt!
Motzerator (22.10.2008, 14:20 Uhr)
Alles Hypochonder
Solange bei diversen Tests immer wieder herauskommt, daß die Elektrosensiblen nicht spüren können, ob eine Antenne eingeschaltet oder ausgeschaltet ist, bleibe ich dabei, es sind eingebildete Symptome.
Denn wenn ein Mensch etwas zu spüren glaubt, müsste er ja auch spüren, wenn es nicht da ist. Derartige Versuche liefern aber immer wieder Beweise gegen die Elektro Sensibilität.
DarkSpir (22.10.2008, 13:43 Uhr)
Das Problem liegt in der Argumentation
Okay, ich habe ja schon meinen Standpunkt zu dem Thema gepostet und vertrete diesen nach wie vor. Ergänzend möchte ich aber noch etwas dazu sagen, dass hier viele argumentieren, dass es Menschen gibt, die Dinge wahrnehmen, die andere Menschen eben nicht wahrnehmen. Ob dem tatsächlich so ist oder nicht, vermag ich nicht zu sagen. Ja, es gibt Menschen, die nehmen z.B. Gefühle und Musik als Farben wahr. Prominentes Beispiel hierzu ist der kanadische Musiker und Produzent Devin Townsend. Mir fehlt hierfür die Vorstellungskraft. Aber ich denke, wenn ich Mr Townsend dazu befragen würde, würde ich von ihm eine sinnvolle und vernünftige Erklärung bekommen. Die Meisten, die irgendwie anders sind, befassen sich mit ihrem Anders-sein. Da gibt es Leute, die Hausstauballergien haben (so wie ich), die befassen sich mit ihrer Allergie und finden raus, dass sie gegen den Milbenkot im Staub allergisch sind und nicht gegen den Staub ansich. Also führen sie ihr Gefecht gegen die Milben. Vielleicht habt ihr keine Hausstauballergie, aber ihr nehmt mein Leiden ernst, weil das, was ich euch über mein Leiden erzählen kann, wissenschaftlich erwiesen ist (ich habe mich also damit beschäftigt) oder Sinn ergibt. So, aber jetzt kommt da so eine Tante, die nur im blauen Schutzanzug auf die Straße geht, die behauptet, dass Menschen mit eingeschaltetem Mobiltelefon, dass aber keinen Empfang hat, ihr nicht unangenehm sind. Die ihren Wohnort nicht preisgeben will (was ich verstehen kann) und das damit begründet, dass die bösen Mobilfunkbetreiber sonst mitkriegen wo sie wohnt und vor lauter Boshaftigkeit ihr eine Antenne aufs Nachbargrundstück stellen (was ich nicht verstehen kann). Nur um sie zu ärgern.
Worauf ich hinaus will: Wie kann ich Empathie für einen Menschen entwickeln, der sich in seiner Argumentation selbst so unglaubwürdig macht? Googelt mal nach Strahlenfreier Ammergau und ihr werdet gleich als ersten Hit ein Infoblatt als PDF finden, in dem sie erklären, wieviele Ärzte und Elektrotechnik-Ingenieure Mitglieder sind. Also Fachleute.
Und wenn ich dann dieses Infoblatt lese, habe ich nicht das Gefühl, dass wir hier von einer Bevölkerungsgruppe reden, die in ihrer Wahrnehmung anders ist als der Rest und aufgrunddessen unter dem Mobilfunk leidet, nein, die reden hier von einer gesundheitlichen Gefahr für alle und vor allem an die Kinder! Mein Gott, denkt doch auch mal an die Kinder! Wenn wir nichts tun und denen nicht beibringen sich ihr ganzes Leben lang selbstständig Wissen anzueignen und alles zu hinterfragen... dann werden die irgendwann mal so dumm sein, dass man sie mit den richtigen Bürgerinitiativen jederzeit frei nach Gutdünken MANIPULIEREN kann! Denkt an die Kinder!
...wer Ironie, Sarkasmus und Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. ;) Das mit der ernstzunehmenden Argumentation meinte ich aber genau so. Wer vernünftig argumentieren will, sollte sachlich und fachlich richtig bleiben. Ansonsten gibt er sich der Lächerlichkeit preis. Vielleicht gibt es ihn tatsächlich, den Menschen mit dem "Sinn" für Hochfrequenz-Strahlung. Die, die das von sich behaupten, konnten mich mit ihren fachlich unglaubwürdigen Aussagen allerdings noch nicht davon überzeugen.
asdfghjkl (22.10.2008, 12:45 Uhr)
Messfehler...
Es gibt immer wieder diese netten Aussagen darüber, was ein Mensch wahrnehmen könne und was nicht.
Bestimmte Schallfrequenzen liegen angeblich außerhalb des menschlichen Hörvermögens, bestimmte Farbunterschiede könne ein Mensch nicht wahrnehmen, und so weiter.
Ich kenne mehrere Leute, die behaupten Marder-Piepser, Hundepfeifen oder ähnliche Ultraschall-Geräte hören zu können. Obwohl das menschliche Gehör das angeblich nicht wahrnehmen kann.
Einer meiner bekannten hat mich mehrfach bei abendlichen Spaziergängen darauf hingewiesen, dass sich in der Nähe Fledermäuse befinden. Ich hatte nichts gehört. Nach kurzer Suche haben wir dann aber immer welche entdeckt.
Ich hatte einen Kollegen der (das haben wir intensiv ausgetestet) bei Röhrenmonitoren einwandfrei die Bildwiderholraten 75Hz, 85Hz, 90Hz, 100Hz und 110Hz unterscheiden konnte - und er behauptete noch bei 110Hz dass es flimmert. Obwohl das menschliche Auge (meines auch) ab 85Hz aufwärts kein Flimmern mehr bemerken soll. Der Kollege bekam dann einen Flachbildschirm, der baulich bedingt gar nicht flimmert. Ach ja, einen Fernseher besaß der Mann auch nicht. Er sagte, da bekäme er bloß Kopfschmerzen von, und könne eh nichts erkennen.
Diese Leute nehmen etwas wahr, das andere Leute nicht wahrnehmen. Und "theoretisch" ist es unmöglich, dass sie das wahrnehmen.
Es gilt also als "wissenschaftlich erwiesen", dass mein Kollege sich das Flimmern des Monitors nur eingebildet hat. Und das mein Bekannter die Fledermäuse nicht hören konnte.
Wieviel Glauben soll ich denn nun der Studie schenken, die Behauptet eine Frau X aus Y könne den Elektrosmog überhaupt nicht wahrnehmen, weil Menschen dafür kein Empfinden haben?
fragt sich
asdfghjkl
hmpff (22.10.2008, 12:02 Uhr)
@horst.pachulke
Ich zündel mit ;-))
Ich finde es mehr als vermessen, anderen eine Sensibilität abzusprechen, nur weil man sie selber nicht hat.
Und: Im Deutschen Museum in München sind die Leute reihenweise hinter dem garantiert wissenschaftlich erwiesen harmlosen Röntgenschirm herspaziert und von vorne konnten die Angehörigen die Knochen bewundern.
Malt (22.10.2008, 11:53 Uhr)
Ja klar...
...sind das alles Spinner und Hypochonder... ebenso wie Anwohner in meiner Straße, die unter einer Strakstromleitung wohnen... mittlerweile hat oder hatte dort in JEDEM HAUS min. ein Bewohner Krebs - in einem Haus, in dem mittlerweile die 3. Familie lebt, seit ich dort in der Nähe wohne (das Haus, dass direkt drunter steht) hat mittlerweile schon wieder jemand die Diagnose Brustkrebs erhalten.... die haben sich da sicher auch alle reingesteigert, ne? Denn schließlich ist auch hier der Zusammenhang mit der Starkstromleitung nicht wissenschaftlich nachweisbar.... vermutlich, weil niemand danach sucht.
Huxley_82 (22.10.2008, 11:22 Uhr)
Wer sich
mit der Technik auskennt weiß, dass das ziemlicher Humbug ist, was manche Leute da veranstalten.
Ich mein ich weiß nicht, ob das nur Wichtigtuerei von irgendwelchen Ökos ist, oder ob die wirklich nix dafür können. Traurig ist es so oder so.
Inteliewengzbestie (22.10.2008, 11:19 Uhr)
Alles Einbildung und Hypochondrie
Die sogenannten "Elektrosensiblen" (früher nannte man sie noch Hypochonder) sind gewiss nicht in der Lage, auf Funk und Strahlung zu reagieren. In Tests wurde nachgewiesen, dass solche Leute nicht erkennen können, ob eine Strahlung da ist oder nicht. Ich bin zwar auch kein Freund der immer mehr werdenden Technisierung durch Handy, Bluetooth, Wlan und Co. dennoch sollte man sich davon sein Leben nicht versauen lassen.
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