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5. April 2006, 12:05 Uhr

Kleider machen Laute

Jacken, aus denen Musik tönt, T-Shirts, die einheizen, Sonnenbrillen zum Telefonieren - mit intelligenter Kleidung bringen Forscher Textilien und Elektronik zusammen. Jetzt kommen die ersten Produkte in die Läden. Von Mascha Jacoby

Die Jeans Jacket von Bogner ist zugleich eine mobile Steckdose: Über die Solarzellen wird ein eingenähter Akku aufgeladen© C.Barthold, F. Dietz, M. Akalovic

Fröstelnde Frauen, aufgepasst: Entsorgt den hässlichen Wollpulli oder den Mann, den ihr nur zum Wärmen braucht! Das Shirt mit Heizung ist da. Und Jungs: Nehmt den Ghettoblaster von der Schulter, denn der steckt ab sofort im Jackenkragen.

Viele Läden bieten neuerdings so etwas an: Kleidung, bei der Mikrofone, Solarzellen, Lautsprecher, Tastaturen und Sensoren eingebaut sind. Damit kann man dann zum Beispiel telefonieren oder Musik hören, ohne das Handy oder den MP3-Player aus der Tasche nehmen zu müssen.

Auf den Markt gebracht haben das Hersteller von Sportartikeln und Lifestyle-Produkten wie O'Neill, Burton und Bogner. Sie weben etwa eine Fernsteuerung in den Jackenärmel; Anrufe annehmen, Lautstärke regeln oder Songs auswählen geht dann per Knopfdruck direkt auf dem Stoff. Telefonieren kann man über Mikrofone, Lautsprecher oder Kopfhörer, die im Kragen stecken. Eine zentrale Steuereinheit in der Jacke verbindet alle Komponenten miteinander. Auch Rucksäcke, Sonnenbrillen und Schuhe werden immer öfter mit Elektronik bestückt - damit der Träger die Hände frei hat zum Arbeiten, Essen oder Knutschen.

Das Shirt "WarmX" macht einen warmen Bauch per eingebauter Heizung© C.Barthold, F. Dietz, M. Akalovic

Weil Akkus und Chips immer kleiner und robuster werden, ist die intelligente Kleidung trotzdem durchweg angenehm zu tragen: Sie wiegt nicht viel, ist einfach zu bedienen, von guter Qualität - und meist auch waschmaschinenfest. Selbst beheizbare Kleidung gibt es inzwischen zu kaufen: Beim "WarmX"-Shirt wärmen eingewobene Silberfäden Bauch und Rücken. Für die Stromzufuhr sorgt ein Akku, den man an das Shirt knöpft.

Und das ist nur der Anfang. Für die kommenden Monate erwartet die Textilbranche einen wahren Boom elektronischer Anziehsachen. "Nachdem die ersten Produkte auf dem Markt erfolgreich waren, haben auch andere Hersteller erkannt, dass das Thema keine Eintagsfliege ist", sagt Markus Strecker von der Firma Interactive Wear AG, die Elektronik für intelligente Kleidung entwickelt. Auf der diesjährigen Cebit stellte die Firma Prototypen von Produkten vor, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen sollen: zum Beispiel einen Rucksack mit montierbarer Minikamera, der mit O'Neill zusammen entwickelt wurde, und eine Jacke mit GPS-Navigations-Antenne, mit der der Träger immer weiß, wo er ist.

Auch Jeans-Hersteller Levi's hat angekündigt, eine Hose mit iPod-Vorrichtung und Fernsteuerung auf den Markt bringen; von Adidas und Polar kommt das erste in Shirt und Schuh integrierte Trainingssystem für Jogger in die Läden: Dabei sind erstmals waschbare Sensoren in ein Sportshirt integriert, die die Herzfrequenz überwachen. In die Sohle des Laufschuhs ist ein Sender eingebaut, der die Geschwindigkeit des Sportlers und die gelaufene Distanz automatisch erfasst.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt den Trend zur elektronischen Kleidung: Anfang des Jahres schrieb der Bund 15 Millionen Euro für die Entwicklung neuer kluger Anziehsachen aus. Bis Ende April können Unternehmen und Forschungsinstitute Projektskizzen einreichen. Die fünf oder sechs Besten fördert der Staat bis zum Prototypen. Denn intelligente Kleidung kann viel mehr sein als nur technische Spielerei. Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut arbeiten beispielsweise an einem T-Shirt, das Herzschlag, Puls und Blutdruck von Kranken misst und im Notfall automatisch den Arzt alarmiert.

Retter in der Not könnte auch eine schlaue Schutzkleidung für Feuerwehrmänner sein: ein Schutzoverall mit einer Sensorik, die Körpertemperatur und Herzfrequenz misst. Wenn es zu heiß wird, warnt die Kleidung den Feuerwehrmann, schickt per Funk oder Infrarot die Messdaten aus dem brennenden Gebäude direkt an den Einsatztrupp.

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 14/2006

Von Mascha Jacoby
 
 
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