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Der neue Opel-Weg: Blitzgescheit oder Laissez Faire?

Opel wandert vom General Motors Konzern in den nächsten Monaten unter das PSA-Dach. Daran dürfte längst kein Zweifel mehr bestehen. Aus USA wird Frankreich, aus Detroit wird Paris und aus Burger wird Croque Monsieur. Doch was ändert sich in den nächsten Jahren wirklich für die Rüsselsheimer?

Karl-Thomas Neumann

Karl-Thomas Neumann

Wer die Nachrichten der letzten Tage liest, kann keinen Zweifel daran haben, dass das aufstrebende Opel-Schiff bald unter französischer Flagge laufen wird. Ein Zurück in den alten GM-Hafen wird es nicht mehr geben; dafür haben sich beide Seiten zu weit aus dem Fenster gelehnt. Was vor vier / fünf Jahren durchaus als eine griffige Lösung erschien und dann für eine einfache Plattformkooperation beiseite geschoben wurde, überraschte mit dem weitgehenden Vollzug einer Übernahme in der vergangenen Woche nicht nur die Automobilindustrie. Opel hat sich in den vergangenen Jahren von einer Talsohle überaus erfolgreich nach oben gearbeitet und wurde in Europa längst wieder als ernsthafter Konkurrent wahrgenommen.

Blitzgescheit oder Laissez Faire?
Karl-Thomas Neumann

Karl-Thomas Neumann

Wieso kann PSA als Zusammenschluss der Marken Peugeot, Citroen und DS, in den letzten 15 Jahren ebenfalls durch ein schmerzhaftes Tal der Tränen gefahren, die Marke Opel, seit 1929 in amerikanischem Besitz von General Motors, denn überhaupt kaufen? Wurde PSA (Peugeot Société Anonyme) nicht erst durch das Eingreifen des französischen Staates und des chinesischen Dong-Feng-Konzerns selbst gerettet? Derzeit halten der französische Staat, der chinesische Dong-Feng-Konzern und die Familie Peugeot gleichsam 14,1 Prozent der Kapitalanteile. Fraglos hat Opel seit dem Ende des 20. Jahrhunderts keine Gewinne mehr gemacht und blieb dem amerikanischen GM-Konzern trotz aller Liebesbekundungen ein teurer Klotz am Bein. Dass General Motors Opel als kostenintensiven Europa-Klotz ohne mittelfristige Aussicht auf große Gewinne loswerden will, mag niemanden überraschen. Doch dass gerade einer der größten Konkurrenten aus dem benachbarten Ausland zuschlägt, der ebenfalls auf wackeligen Beinen tanzt, wundert viele, ärgert manche und irritiert einige.

Schließlich haben sowohl die Marken Peugeot / Citroen als auch die Gegenüber Opel / Vauxhall überaus schwere Jahre hinter sich. Die schmerzhaften Verluste liegen hier wie da nicht an einzelnen Gründen, sondern an einem ganzen Konglomerat von Fehlentscheidungen. Bei Opel wurde zu lange an zu schlecht ausgelasteten Werken festgehalten, es haperte lange Zeit an der rechten Modellpolitik und an effizienten Produktionen. Wichtige Autos kamen gar nicht, andere viel zu spät oder wieder andere sorgten für kaum mehr als Verwunderung. Nahezu deckungsgleich positionierte Kleinwagen wie Adam, Corsa oder Karl, die allesamt kaum Geld in die leeren Kassen spülen, initiierte man bei Opel ebenso selbstbewusst wie die Modelle C1, C2 und C3 bei Citroen. Auch Peugeot griff nach erfolgreichen Massenmodellen wie 205 / 206 gründlich daneben, verschlief wie allgemein PSA und lange auch bei Opel jeglichen SUV-Trend. PSA wie Opel strichen über die Jahre imageträchtige Luxusmodelle wie Senator, Commodore, Monza auf der deutschen, sowie Citroen CX-25, C6 oder Peugeot 605 / 607 auf französischer Seite. Wenn die Imageträger in der umkämpften und allzu preissensiblen Mittelklasse ohne großes Markenbewusstsein fahren, ist es schwer für Aufsehen zu sorgen.

Jetzt langsam schien Opel langsam wieder auf die Räder zu kommen. Mit der ersten Insignia-Generation gelang 2008 mehr als ein Achtungserfolg und die nachfolgenden Modelle waren durchweg gut. Nicht in der Lage die Premiumliga oder zumindest die längst enteilte Konkurrenz aus Wolfsburg anzugreifen; aber Fehltritte gab es mit Astra, Corsa, oder Mokka nicht mehr. In den nächsten Monaten werden die Vans Meriva und Zafira gestrichen und durch die schicken B- / C-Segment SUVs Crossland X und Grandland X ersetzt. Beide Modelle sind erste, durchaus gewollte Kinder der an sich noch nicht vollzogenen Ehe mit PSA. Der Crossland parkt neben dem kommenden Peugeot 2008; der Grandland neben dem etwas größeren 3008. Der Umstieg weg von den wenig trendigen Vans zu den allgegenwärtigen SUV sind ein später, aber marktgerechter Schritt für die Marke mit dem Blitz. Hier scheint man modellseitig auf einem weiteren Weg zu sein als bei PSA, wo in einem langjährigen Plan zumindest die Submarke DS zu einem Ertragsobjekt aufgebaut werden soll. Das Sammelsurium an Kleinwagenmodellen ist durchgekämmt und so langsam hat sich auch in Paris herumgesprochen, dass ohne SUV kein Staat zu machen ist. 2008, 3008 und 5008 bringen mehr Aufmerksamkeit und Kundeninteresse als die Vans und Kombis. Eine echte Alternative zu dem überaus erfolgreichen Opel Mokka mit bisher fast 700.000 verkauften Modellen hat PSA bisher nicht. Hier musste die müde Kooperation mit Mitsubishi herhalten, um Lücken im eigenen Modellprogramm zu schließen.

Die Übernahme von Opel durch GM mag auf den ersten Blick überraschen, weil sich beide Portfolios allzu sehr gleichen. In den USA und China spielen alle Marken keine oder zumindest keine große Rolle und in Südamerika geben ebenfalls andere den Ton an. PSA wird die Marke Opel keinesfalls auslöschen und angesichts der hohen Verkaufsanteile dürfte es ebenfalls schwer sein, das britische Vauxhall-Duplikat vom Markt zu löschen. In einem ersten Schritt ist kaum mehr denkbar, als dass PSA die Volkswagen-Taktik von vor 20 Jahren umsetzt. Hier kaufte man erst Seat und dann Skoda - beides Hersteller mit einem durchaus vergleichbaren Portfolio. Über viele Jahre wurden erfolgreiche Einzelmarken unter dem Volkswagen-Dach aufgebaut, die eigene Kundenkreise haben (sollten). Nach 10 bis 15 Jahren gibt es in der Kleinwagen-, Kompakt- oder SUV-Klasse technisch nahezu identische Fahrzeuge mit einem anderen Hut auf dem Chassis. Der VW Tiguan ist identisch mit einem Seat Ateca oder einem Skoda Kodiaq; eng verwandt gibt es noch Modelle wie den Tiguan Allspace, den Skoda Yeti oder weitere noch folgende Derivate. Ähnlich sieht es bei anderen Modellen aus. VW Golf, Audi A3, Seat Leon und Skoda Octavia sind ebenso eng miteinander verwoben wie VW Touareg, Porsche Cayenne, Audi Q7 oder die kleinen Modelle Seat Mii, Skoda Citigo und VW Up. Unterschiede gibt es letztlich allenfalls bei Marke und Design; die Technik ist zu großen Teilen identisch. Darauf wird auch PSA setzen. Denn es geht gerade auf Druck von Dong-Feng auch um das Thema alternative Antriebe. Die teuren, schweren und aufwendigen Plug-In-Hybriden dürften für keine der beteiligten Marken eine nennenswerte Bedeutung haben. Opel-Chef Dr. Karl-Thomas Neumann erklärte nach den ersten Testfahrten mit dem Opel Ampera-e jüngst, dass Opel ab 2030 zur Elektromarke werden könne. Technisch ist man hierzu aktuell auf General Motors angewiesen. Denn nach dem Flop mit der ersten Ampera-Generation ist der Nachfolger nur deshalb möglich, weil er ein Zwilling des US-Modells Chevrolet Bolt ist. PSA hat in Sachen Elektroantrieb abgesehen von den unbeachteten Mitsubishi-Zwillingen Citroen C-Zero und Peugeot Ion nichts zu bieten. Die technische Expertise von GM in Sachen Elektroantrieb dürfte daher für PSA elementarer Bestandteil eines etwaigen Kaufarrangements sein.

So gut man die Übernahmegespräche zwischen GM und PSA auch geheim halten konnte, so sehr geraten die neuen Opel-Modelle nun ins Abseits. Das wird nicht nur den neuen Insignia, sondern insbesondere auch die neuen SUVs Crossland X und Grandland X unter Druck setzen, die eben schon PSA-Gene in sich tragen. Bleibt die Frage, welchen Namen die vermeintliche Übernahme bekommen wird. PSA möchte die Übernahme nicht zuletzt angesichts der im Mai anstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich möglichst schnell und möglichst lautstark nach außen verkünden. Das wird man bei Opel und der deutschen Politik bisweilen anders sehen. Hier liest sich eine Ausweitung der Kooperation zwischen PSA und Opel nicht nur angesichts der im Herbst anstehenden Bundestagswahl deutlich besser. Eine offizielle Übernahme oder ein Kauf dürfte Opel in der deutschen Öffentlichkeit nennenswert Imageverluste bringen. Gerade auch, weil Opel in Deutschland und einigen angrenzenden Ländern ein deutlich besseres Image aus Peugeot oder Citroen hat. Wichtig ist nur, dass es schneller Vollzug vermeldet wird, sonst geraten alle Beteiligten unter Druck.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.