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Seat Ronda Crono 2000: Der Porsche-Seat

Die Top-Version des Seat Ronda ist eine echte Rarität: Nur 800 Mal wurde der Crono 2000 gebaut. Angetrieben wurde der Flotte Spanier von einem Motor, den mit Porsche-Know-how Beine gemacht wurden.

So schnell können aus Partnern Feinde werden. Über 30 Jahre währte die Kooperation zwischen Seat und Fiat, ehe sie 1982 endete. Als sich die Verantwortlichen beider Hersteller im Jahr 1984 in Paris vor Gericht trafen, ging es um Plagiatsvorwürfe. Oder anders gesagt: Wie viel Fiat Ritmo steckt im Seat Ronda. Um das Urheberrecht am Kompaktklassenmodell mit dem internen Code 0222A zu klären, wurde eigens ein Auto vor Gericht präsentiert, das zeigte, was an dem Auto von Fiat was von Seat stammte. Die gelben Teile kamen aus Spanien, die schwarzen aus Italien. Letztendlich bekam Seat recht und die Produktion des Ronda ging bis 1986 weiter. In den vier Jahren Bauzeit liefen insgesamt 177.869 Ronda in der Zona Franca in Barcelona vom Band.

Die Krönung des Spanien-Golfs ist der Ronda Crono 2000. Von dem iberischen GTI mit 120 PS wurden nur 800 Stück gebaut. Äußerlich unterscheidet sich der schnellste Ronda kaum von seinen Modellbrüdern. Lediglich der rote Crono-Schriftzug im Kühlergrill signalisiert, dass das Alpha-Tier der Baureihe im Rückspiegel auftaucht. Diese Signalfarbe ist nicht umsonst gewählt. Der Zwei-Liter-Motor hängt gierig am Gas und hat mit dem knapp 1.000 Kilogramm schweren Vehikel keinerlei Probleme. Daher lässt es sich auch im fünften Gang und bei niedrigen Drehzahlen ganz entspannt fahren. Gibt man dem Triebwerk die Sporen, geht es heftig nach vorne. Kein Wunder: Der Zylinderkopf wurde bei Porsche entwickelt, nur der Motorblock ist noch von Fiat.

Die Soundkulisse ist ebenfalls ganz Zuffenhausen-Style. Der Ronda klingt rau, ungestüm und brodelnd. Ab 140 km/h muss man im Innenraum laut reden, um sich zu verstehen. Bei 190 km/h ist Schluss. Die erreicht der Ronda Crono auch. Die Bremsen, vorne Scheiben, hinten Trommeln, greifen bissig zu. Damit der flotte Iberer auch gut auf dem Asphalt liegt, sind vorne und hinten Domstreben verbaut. Dementsprechend hart ist auch das Fahrwerk. Allerdings wankt der Youngtimer in Kurven gerne mal und neigt zum Untersteuern. Auch die Fünfgang-Schaltung und vor allem die Lenkung könnten präziser sein.

Innen gibt der Seat-Porsche ganz den Golf GTI: Sitze mit karierten Mittelbahnen und ein sportliches Interieur sollen auch optisch Dynamik versprühen. Beim Ronda Crono 2000 haben sich die Spanier wirklich ins Zeug gelegt und einiges an Technik verbaut, was damals in einem Kompaktklassen-Sportler nicht üblich war - egal ob Golf GTI oder nicht: Zwei grüne Leuchtdioden-Bänder zeigen den Öldruck (in kg/Kubikzentimeter) und die Öltemperatur an. Gleich daneben geben rote Lampen, die sich in einer angedeuteten Fahrzeug-Silhouette befinden, Auskunft über den Reifendruck, Ölstand und den Zustand der Bremsen. Da Crono das Top-Modell war, gibt es auch solche Annehmlichkeiten, wie elektrische Fensterheber vorne.

So rar das Auto, so abenteuerlich seine Entdeckung. "Wir haben das Auto bei einem General, der in Barcelona auf einem Hügel lebt, entdeckt. Dort stand der Ronda unter einem Tarnnetz", erzählt Isidre Lopez, der Leiter der historischen Seat-Sammlung. Der Ronda befand sich in einem erbärmlichen Zustand: Er hatte einen Frontschaden, die Karosserie rostete und das Getriebe war eigentlich nur noch Schrott. Letzteres war besonders schwer zu besorgen, da es im Vergleich zu den anderen Modellen eine spezielle Konstruktion mit größeren Zahnrädern ist. Doch ein Seat-Händler half aus. Bei der Reparatur der Karosserie griffen die Youngtimer-Experten auf die originalen Baupläne zurück und auf die Expertise der Seat-Clubs, um die Ersatzteile zu besorgen.

Letztendlich klappte alles, wie gewünscht und der Seat Ronda Crono 2000 erstrahlt im neuen Glanz und ist bestens in Schuss. Vor wenigen Wochen nahm der Youngtimer an der Andorra-Rallye teil. Ganz stilecht mit zwei Extra-Scheinwerfern. Da ging es über Stock und Stein. Das alles steckte der 29jährige Youngtimer locker weg. Auch die Testfahrt.

Press-Inform / pressinform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.