Weltspiegel: VW Routan 3.8 V6 Mister X für Sieben


VW bringt einen neuen Van: Viel Platz, komplette Ausstattung - und kaum mehr als 17.000 Euro teuer. Ein Märchen? Nur für die europäischen Kunden. In den USA feiert der VW Routan dieser Tagen Premiere.

Über diesen Van würde Volkswagen zumindest in Deutschland gerne den Mantel des Schweigens hüllen. Viele Jahre sinnierte man in der Wolfsburger Konzernzentrale darüber, wie man das Van-Segment mit einer in den USA nach wie vor beliebten Großraumlimousine bereichern könnte.

Der VW Sharan, Bestseller und Dauerläufer im Modellprogramm, ist technisch fast schon ein Oldtimer. Er wurde vor mehr als 15 Jahren konzipiert und bekäme schon aus Sicherheitsgründen keine US-Zulassung. Als Star im einstigen Euro-Triumvirat aus Ford Galaxy, Seat Alhambra und VW Sharan wird er jedoch zu Preisen ab 29.000 Euro nach wie vor mit Erfolg in unseren Breiten verkauft. Wer es kleiner will, bekommt den deutlich moderneren VW Touran, den rustikalen Caddy Life oder den mächtigen T5-Transporter - sie alle sind jedoch nichts für den extrem preissensiblen Van-Markt in den USA.

Da ein Eigengewächs fehlt, kaufte man sich vor Zeiten daher beim Van-Spezialist Chrysler ein. Der frisch aufgelegte Chrysler Voyager schien gerade gut genug, um das VW-Logo in den USA kostengünstig zum Strahlen zu bringen.

Neuer als der VW T5, größer als der Touran und günstiger als der Sharan hätte der in Kanada produzierte VW Routan auch in Europa alle Chancen – doch er darf nicht. "Ein Import nach Europa ist nicht vorgesehen", sagt VW-Sprecher Christian Haacke. "Das Motorenspektrum ist beschränkt auf zwei V6 Benziner, ein Diesel ist nicht verfügbar. Die auf aufgrund dieses Motorenspektrums zu erwartende Kundenresonanz rechtfertigt den Homologationsaufwand nicht."

Preise ab 17.000 Euro

Das werden in Deutschland viele Kunden mit Familie nicht gerne hören. Insbesondere wenn es um den Preis geht. Das gut ausgestattete Volumenmodell VW Routan 3.8 V6 SE kostet mit Klimaautomatik, elektrischen Helfern für Fenster, Sitze und Schiebetüren sowie einer kompletten Sicherheitsausstattung und DVD-Entertainment gerade mal 32.900 Dollar – macht kaum mehr als 20.000 Euro. Die Basisversion ist bereits für knapp über 17.000 Euro zu bekommen. Dafür gibt es in Deutschland höchstens einen schlecht ausgestatteten Touran - garantiert nicht mit sieben Sitzplätzen, Automatikgetriebe und knapp 200 PS.

Dass der 5,10 Meter lange VW Routan mit dem Slogan "the only Minivan in America with German engeneering" angepriesen wird, lässt einen angesichts der Herkunft aus dem Hause Chrysler doch sehr staunen. Denn von Volkswagen ist an dem VW kaum etwas - außer den Leuchteneinheiten, dem Logo auf dem Lenkrad und dem Namen Routan.

Egal ob außen oder innen: Wohin man schaut sieht man solide Baukunst aus dem Hause Chrysler und viel Platz für bis zu sieben Personen. Ganz nebenbei: Der Chrysler Grand Voyager ist natürlich auch in Deutschland verfügbar. Mit einem 2,8 Liter großen Vierzylinderdiesel, der 163 PS leistet. Der treibt den fast drei Tonnen schweren Fronttriebler zwar alles andere als sportlich an – verbraucht aber wenig. Zudem dürften sich nur wenige Fahrdynamiker für einen Grand Voyager interessieren.

Preislich stellt der VW Routan 3.8 V6 auch seinen deutschen Ableger Chrysler Grand Voyager in den Schatten. Der startet bei 34.990 Euro für den 2.8 CRD. Der 3.8 Liter große Benziner kostet mit Komplettausstattung mindestens 43.990 Euro. Das Preis-Wert-Verhältnis ist somit bei einem Modell wie dem VW Routan kaum zu schlagen.

Attraktiver Grauimport

Was bei Zwillingsbruder Chrysler "Stow 'n Go-System“ heißt, läuft beim VW ohne Namen – ist aber genauso praktisch. Die hinteren Sitze lassen sich komplett im Wagenboden versenken und mit einer handvoll einfacher Handgriffen wieder entfalten. Schlaufen mit Nummerierungen zeigen wie es geht. So wird in weniger als einer Minute aus einem siebensitzigen Van mit 638 Litern Laderaum ein zweisitziger Transporter mit bis zu 3.300 Litern.

Durch die breiten Schiebetüren links und rechts ist der Einstieg in den Fond bequem möglich. Praktisch: Die Türen öffnen und schließen vollelektrisch – auf Wunsch auch die Heckklappe. Ebenfalls praktisch sind die zahlreichen Ablagen. Typisch amerikanisch ist die Vielzahl der Getränkehalter. In den Boden der zweiten Reihe sind Staufächer eingelassen.

Die Nachfrage in den USA ist zum Marktstart eher zurückhaltend: "Wir haben jetzt die ersten Modelle bekommen", sagt Tim Regenold vom VW-Autohaus Gossett in Memphis/Tennessee, "doch wohl erst einen oder zwei verkauft."

Doch es gibt viele Gründe, die den VW Routan für einen Grauimport aus den USA oder Kanada attraktiv machen würden. Doch VW-Sprecher Christian Haacke warnt: "Von privaten Importen ist aufgrund der fehlenden Infrastruktur in Bezug auf Service und Ersatzteile bei den Volkswagen-Partnern abzuraten."

Wer es trotzdem wagt, bekommt einen ungemein praktischen und günstigen Van zu einem Wahnsinnspreis. Und wenn es mal ein Ersatzteil sein muss, hilft vielleicht der Chrysler-Händler um die Ecke weiter. Nur bei Karosseriearbeiten an Front und Heck könnte es eng werden.

Stefan Grundhoff, Memphis / pressinform PRESSINFORM

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