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Die Trends der IAA: Feiner. Kleiner. Deiner?

Auf ihrer wichtigsten Messe präsentiert die Branche die Autos der Zukunft. Der Luxus kommt zurück, die Großen bauen immer kleiner. Und der wichtigste Trumpf heißt: Effizienz

Von Gernot Kramper

Wie sieht das Auto von morgen denn nun aus? Eine Zeitlang fürchtete man, es käme das Verzichtsmodell: beengt, bescheiden, mit Elektromotor, aber ohne jeden Fahrspaß. Attraktive Akzente setzten die Autobauer höchstens mal, indem sie bei Apple einkauften und iPhones und iPads in jede Studie einbauten. Doch das Blatt hat sich gedreht: Auf der IAA 2011 in Frankfurt hat die Autoindustrie zu altem Selbstbewusstsein zurückgefunden. Das sind die wichtigsten Trends:

1. Schrumpfkur

Ein selbstbewusster Aufbruch und dennoch ist das wichtigste Auto der Messe ein Kleinstwagen - nämlich der VW Up und nicht etwa ein Sportwagen wie der Porsche 911? Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Der Autogigant Volkswagen sagt: "Wir können auch billig." Wenn Volkswagen weltweit die Nummer Eins werden will, darf man beim Thema Kleinstwagen nicht kneifen. Der Markt für kleine und günstige Wagen wächst - auch in Europa. Die spannende Frage hinter dem Kleinstwagen Up lautet daher: Kann VW seinen gewohnten Qualitätsstandard zu Kampfpreisen anbieten?

Der Volkswagen-Konzern will das Segment der Mikrowagen mit dem Up quasi von hinten aufrollen, hat man diesen Markt in der Vergangenheit doch sträflich vernachlässigt, beziehungsweise hier kein glückliches Händchen bewiesen: Der Lupo war überteuert, der Fox ist einfach schlecht. Außerdem hängt die Kaufentscheidung in dieser Fahrzeugklasse mehr vom Preis ab, als die VW-Manager gewohnt sind. Differenzen von nur 100 oder 200 Euro können den Ausschlag geben.

Es zeugt also schon von Selbstbewusstsein, wenn Volkswagen sich Chancen in diesem Teil des Marktes mit seiner ausgeprägten Discountmentalität ausrechnet. Das Markenimage bedeutet hier wenig, gute Angebote viel. Normale Kleinstwagenkäufer versuchen, bei steigenden Spritpreisen durch Abstriche beim Fahrzeug weiterhin mobil zu bleiben. Dieser Herausforderung muss sich Volkswagen nun stellen, ein Misserfolg einer kompletten Baureihe wie dem Up wäre auch für die Wolfsburger eine Katastrophe - zumal Konzerntöchter weitere Varianten des Winzlings anbieten sollen.

2. Nichts geht ohne Assistenten

Kein neues Fahrzeug wird noch ohne Assistenzsystem vorgestellt. Bremsen, parken, die Spur halten oder Verkehrszeichen beachten – der Autofahrer von heute will sich überall unter die Arme greifen lassen. Dieser Trend ist noch lange nicht zu Ende, denn die Gesellschaft altert. Die Senioren verfügen über viel Kaufkraft und schätzen die Unterstützung. Abstandswarner mit Bremsassistenten oder Einparkautomaten sind nicht neu, aber immer noch sehr teuer. Nach der Einführung als Hochpreisextra kommt jetzt die Phase der Popularisierung. Deutsche Hersteller lassen sich diese Technik derzeit noch vergolden. Doch dieses Sondergeschäft dürfte alsbald zu Ende gehen.

Der Grund steht unter anderem bei Hyundai am Stand. Ob der Mittelklassewagen i40 tatsächlich die prestigebewussten deutschen Dienstwagenfahrer erobern kann, wie Hyundai wünscht, muss sich noch zeigen. Aber viele von ihnen werden im nächsten Jahr die Preislisten des Hyundai neben denen von Audi, BMW und Mercedes aufschlagen. Bei dem Koreaner gibt es die teure Technik im sehr günstigen Paket, auf diese Preisvorgaben werden auch die deutschen Platzhirsche reagieren müssen.

3. Atempause bei den Elektro-Autos

Natürlich stehen alternative Antriebe im Zentrum der IAA, für sie gibt es sogar eine eigene Halle. Alles andere wäre politisch unkorrekt und würde zu einem Sturm der Entrüstung der Umweltlobbyisten führen. Aber nur wenig Stromer, die in großen Stückzahlen verkauft werden können, werden vorgestellt. Im Moment sieht es so aus, als bliebe das reine Batterieauto ein Nischenprodukt. Selbst von der chinesischen Regierung, die Elektromobilität mit enormen Mitteln gefördert hat, hört man in jüngster Zeit skeptische Töne. Gleichzeitig gibt Daimler beim Thema Brennstoffzelle Gas und will das Rennen um die Mobilität der Zukunft für das Wasserstoffauto gewinnen.

Dafür zieht Realismus in das Thema Elektro-Auto ein. Ein Stromer mit den Leistungen eines heutigen Kompaktwagens wird auf absehbare Zeit für Privat- und Firmenkunden zu teuer sein. Der Elektro-Smart soll sagenhafte 19.000 Euro kosten, dazu kommt noch die Miete für die Batterie. Hochgerechnet auf die Gesamtlebenszeit liegt der Zweisitzer dann bei stolzen 40.000 Euro.

Damit Stromer akzeptiert werden, müssen die Preise deutlich fallen. Vordenker ist Renault mit dem Twizy – eine Art überdachter Motorroller mit Stromantrieb und vier Rädern. Auf den gleichen Zug springen der VW Niels und Opel mit der "My first e-Opel"-Studie auf, beide sind wie Kabinenroller gestaltet. Zudem nutzen die Hersteller hier einen Trick, um wohlhabende Familien als Käufer zu gewinnen: Wenn die Geschwindigkeit der Ministromer abgeregelt wird, können verwöhnte Jugendliche schon mit 16 emissionsfrei durchstarten.

4. Triebwerke halten die Luft an

Die unmittelbare Zukunft gehört weiterhin dem Verbrennungsmotor – eventuell kombiniert mit einem Stromantrieb. Effizienz ist die wichtigste Vokabel im Motorenbau – quer durch alle Leistungsklassen. Kleinwagen unterbieten inzwischen die Verbrauchsgrenze von vier Litern, aber die stärksten Einsparungen lassen sich bei größeren Triebwerken realisieren. Die simpelste Methode besteht zur Zeit darin, in Wagen der Luxusklasse profane Vierzylinder einzubauen. Der Einsatz von Minimotoren wird zumindest zum Teil von der Steuergesetzgebung in wichtigen Märkten nahegelegt. Weit verbreitet ist das Downsizing: Mit geringeren Hubraum und weniger Zylindern lässt sich die Leistung erhöhen und der Verbrauch minimieren. Der nächste Schritt soll nun die Abschaltung einzelner Zylinder sein. Das Ergebnis der Sparanstrengungen: Auch sehr leistungsstarke Fahrzeuge sollen so den Verbrauch eines Sparautos erreichen – zumindest auf dem Prüfstand.

5. Die Autos werden auffälliger

"Moderne Auto sind so langweilig." Ob dieser Vorwurf berechtigt ist, ist nicht wichtig, entscheidend ist, dass die Kunden es so empfinden. Ohne emotionale Begeisterung lässt sich heute kein Auto verkaufen – die Transportanforderungen erfüllt meist schon ein Dacia Sandero. Noch vor einigen Jahren bemühten sich Autodesigner um eine Art hanseatischer Zurückhaltung: Form folgte der Funktion und klassischen Prinzipien. Autos dienten der Fortbewegung und nahmen sich optisch zurück.

Inzwischen greifen die Hersteller in die Vollen. Am Auffälligsten sind die LED-Girlanden, die überall die Schweinwerfer verzieren. Größere Grille stemmen sich gegen den Wind, mächtige Sicken bringen Schwung und Dynamik in die Seiten und Radhäuser sorgen für breiten Stand. Das Auto versteht sich wieder offensiv als Ego-Verstärker. Die Geschmacksvorlieben werden nicht mehr von saturierten Europäern vorgegeben, die Neureichen der Wachstumsmärkte wollen umworben sein. Bescheidenheit hat also ausgedient, man zeigt, was man hat. Blickt man zu den Autoveredlern kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis Gold als serienmäßige Dekorfarbe angeboten wird.

6. Premium-Spaß muss sein

Elektro-Autos bekommen eine eigene Halle - damit sie nicht die echten Attraktionen stören, könnte man spotten. Denn auch diese IAA lebt von der Faszination, die PS-Boliden und Supercars verströmen. Der neue Porsche 911 wirkt schon fast bodenständig, wenn man ihn mit dem Lamborghini Super Trofeo Stradale vergleicht. Autos wie der Bugatti Grand Sport L´Or Blanc, verziert mit Einlegearbeiten aus Porzellan, faszinieren wie eh und je die Massen. Diese Modelle bleiben Kleinserien. Aber Premium insgesamt meldet sich eindrucksvoll zurück.

Zur Erinnerung: Nach der Finanzkrise 2009 wurde das Ende des Luxussegments prognostiziert. Wenn es in der Zukunft noch Wachstum gäbe, dann nur mit Billigautos, hieß es. Weit gefehlt. Das Gegenteil ist eingetreten: Das Premiumsegment ist doppelt so schnell gewachsen wie der gesamte Automarkt. Und besonders erfolgreich sind die schon mehrfach totgeglaubten SUVs. Kleiner Trost für Umweltfreunde: Auch im Luxus schrumpft man. Der sündhaft schöne Range Rover Evoque ist nicht größer als ein stinknormaler Tiguan.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.