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Reportage: Bentley Oldtimer-Treffen auf der Isle of Man Ikonen unter sich

Bentley Treffen Isle of Man
Bentley Treffen Isle of Man
© press-inform - das Pressebuero
So eine Ansammlung Bentley 3-Litres hat es bisher noch nicht gegeben. Auf der Isle of Man wandeln 78 der automobilen Ikonen auf den Spuren der legendären Tourist Trophy, drei Bentleys vor 100 Jahren den Sieg in der Teamwertung holten.

Janet Thommeny hat sich herausgeputzt und sogar die goldene Ratskette angelegt. Schließlich begrüßt die Bürgermeister von Douglas nicht jeden Tag automobile Ikonen, die bis hundert Jahre alt sind. Selbst die Sonne zeigt sich von ihrer besten Seite und lacht mit voller Freude auf die viktorianische Seepromenade auf der Isle of Man herunter. Passend zum Kaiserwetter haben sich 78 klassische Bentleys aus der ganzen Welt eingefunden. Die Autos kommen aus Kanada, Kalifornien und aus ganz Europa. Um nur einige Regionen zu nennen.

Die weiteste Anreise hat ein Mitglied des altehrwürdigen Bentleys Driver’s Club, der seine automobile Preziose aus Neuseeland auf die Insel zwischen England und Irland transportieren ließ. Auch der Oldtimer ist eine Rarität. Steve sitzt am Steuer seines Three Litre Super Sport von Bentley nur 18 Exemplare baute. „Mister. Bentley garantierte, dass jedes Auto 100 Meilen pro Stunde schnell ist“; sagt der Mann, dem der Stolz deutlich anzusehen ist. Damals ein irrwitziger Speed. Auch heute noch mit so einem Gefährt ein Abenteuer. Auf der Motorhaube und im Cockpit prangt der Name „Amy“ in gelben Lettern. Nach der Pilotin Amy Johnson, die als erste Frau 1930 einen Alleinflug von England nach Australien absolviert hatte.

Die Anreise verlief alles andere als glatt, doch das hielt Steve nicht davon ab, zum Treffen zu kommen. Aufgrund der Covid-19-Restriktionen konnte das Auto nicht wie geplant mit dem Schiff die Reise antreten, sondern musste von Auckland aus eingeflogen werden. Für Steve war das keine Frage, er wollte unbedingt an diesem Treffen auf der legendären Insel teilnehmen. Egal, was es kostet. Mit dieser Einstellung ist er nicht alleine. „Die Teilnehmer tragen alle Kosten selbst“, erklärt der Organisator Vivian Bush. Die Belohnung ist ein Interesse, wie man es nur selten findet. Die pittoreske Promenade ist gefüllt mit Schaulustigen, die sich an den ikonischen Karossen ergötzen.

Die Handys sind im Dauereinsatz und so mancher Speicher eines Mobiltelefons dürfte an seine Kapazitätsgrenzen geraten, so viel gibt es zu sehen und zu fotografieren. Wann wird man jemals wieder eine Ansammlung solcher Ikonen sehen? Die Antwort lautet: nie! Und es ist fraglich, ob es ein solches Treffen jemals wieder zustande kommt. Der Wert der Autos spricht für sich: Rund 40 Millionen britische Pfund. Überall wird gefachsimpelt. Es geht um Nieten, Schrauben und Muttern, schließlich sind die Autos von Hand zusammengebaut und keines gleicht dem anderen, auch wenn beide der selben Modellbaureihe angehören. Eine Frage, die die Experten umtreibt, ist, welcher Zylinderkopf zu welcher Ära passt. „Der Motor Nummer fünf müsste vier Bolzen haben“, fachsimpelt ein Mann mit einem markanten, weit über die Wangen hinausragenden weißen Schnurrbart.

„Ich bin sehr glücklich“, strahlt Vivian mit der Sonne um die Wette. Diese Veranstaltung ist für ihn eine Herzensangelegenheit. „Ich liebe die Drei-Liter-Modelle. Das sind die ersten und pursten Bentleys“, erklärt Vivian, und das breite Grinsen zeigt, dass der Mann mit den wachen Augen hinter der rahmenlosen Brille. Die Freude des 64-Jährigen ist verständlich, wenn man an den chromglitzernden Karossen vorbeiflaniert. Ein Hauptdarsteller ist der Bentley EXP2, eines der Autos, die im Jahr 1922 die Teamwertung der legendären Tourist Trophy gewonnen haben und damit der älteste Bentley der Welt. Damals entschied Walter Owen Bentley mit drei 3- Litre-Bentleys an dem ultraharten Inselrennen teilzunehmen und eines der Fahrzeuge selbst zu pilotieren. Frank Clement holte bei schlechtem Wetter den zweiten Platz, gefolgt von den anderen beiden Bentleys. „W.O. Bentley hat erst spät zugesagt. Obwohl er schon lange von dem Rennen wusste. Immerhin hat er viel riskiert. Wenn ihm etwas zugestoßen wäre, dann hätte es das Aus für Bentley bedeutet“, erzählt Vivian Bush. Den Sieg holte sich der Franzose Jean Chassagne in einem Sunbeam – der erste nicht-britische Fahrer, dem dieses Kunststück gelang. Natürlich ist das Siegerauto bei dem exklusiven Oldtimer-Stelldichein ebenfalls dabei, auch wenn es kein Bentley ist. Auch dieses Auto hat einen langen Weg hinter sich, denn der Besitzer Erez Yardeni lebt in Thailand.

Der Höhepunkt des Treffens findet am Tag darauf statt: Der millionenschwere Autocorso dreht eine Runde auf der legendären Rennstrecke der Tourist Trophy. Wie vor hundert Jahren ist das Wetter miserabel, doch das stört die festentschlossenen Piloten in ihren mit Hingabe gepflegten Oldtimern nicht. Schließlich hat man den langen Weg unter anderem deswegen auf sich genommen. Als das tief grollende Konzert der Vierzylinder-Reihmotoren beginnt, läuft jedem der vielen Zuschauer, der nur einen Tropfen Benzin im Blut hat, ein wohliger Schauer über den Rücken. Als sich die Karawane aus der Boxengasse in Bewegung setzt, hat jeder ein breites Grinsen im Gesicht. Bei der Rückkehr nach der 37.730 Meilen langen Inselrunde ist das Lächeln noch breiter geworden. Auch das Wetter hat sich eines Besseren besonnen und ganz sachte blitzen Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke.

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