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ROLLS-ROYCE: Eine Palast-Revolution auf Rädern

Da kommt was auf uns zu: Von einem gewaltigen Kühlergrill geprägt schiebt sich der neue Rolls-Royce aus dem Hause BMW ab 2003 durch den Wind.

Irgendwie sind alle im Luxusrausch. Dieser Tage schickt Volkswagen der Mercedes S-Klasse den Lulatsch Phaeton auf den Pelz. Mercedes wiederum will mit dem viel größeren Maybach an die Kohle der steinreichen Schlossbesitzer ran. BMW wird dem schwäbischen Maybach mit einem bayerisch aufgebrezelten Rolls-Royce einen vor die lange Schnauze knallen. Und demnächst versucht VW, mit einem Bentley-Coupé die Brieftaschen der High Society ein wenig zu erleichtern. Das irrwitzige Spiel »Wer hat den Allerlängsten?« beginnt im Herbst 2002. Dann schnurren der Maybach 57 (5,73 Meter Länge) und sein Bruder Numero 62 (gefühlte 6,20, jedoch echte 6,17 Meter) im ordinären Stau. 310.000 Euro kostet der Kleine, 360.000 Euro der Große - ohne Steuern.

Vergleichsweise günstig: Kommender Rolls-Royce

Das BMW-Imperium, von fiesen Amerikanern einst zu »British Motor Works« deklariert, schlägt mit seiner teutonisch-britischen Rolls-Royce-Kreuzung Anfang Januar 2003 zurück. Der Termin passt bestens, denn BMW wird dann seit wenigen Tagen offiziell im Besitz der Namensrechte des Doppel-R sein. Doch Vorsicht, der neue Rolls könnte schnell einen Image-Kratzer abbekommen: Er ist zwar auch ein Palast auf Rädern, doch mit 5,50 Metern ein kleinerer und mit voraussichtlich 250.000 Euro leider sogar günstiger. Ts, ts, so was in den Kreisen? Na, vielleicht schalten die Preisgestalter doch noch den Turbo ein.

Sollten die Royals dieser Welt, die Schickis und andere Schein-Heilige tatsächlich dafür weniger bezahlen müssen, können sie sich mit einer ungewöhnlichen Technik unter der feinen Aluminiumkarosse trösten, die kein Konkurrent anbieten kann: eine Brennstoffzelle. Nicht anstelle des Motors, der ein bulliger 450 PS-Zwölfzylinder sein wird. Doch immerhin als Batterieersatz. Das kleine Kraftwerk bezieht seine Energie aus einem Reformer, der aus Benzin Wasserstoff zaubert. Sofern der Tank voll ist, hat diese Technik enorme Vorteile für die verwöhnte Kundschaft: Die Klimaanlage kann bei ausgeschaltetem Motor auf vollen Touren Kühle fächeln, der Fernseher wie auch die HiFi-Anlage können laufen, ohne dass sich der Chauffeur Sorgen um die Energieversorgung machen muss. Selbstverständlich reicht die Power auch für den Kühlschrank. Schließlich darf sich der Schampus nicht erhitzen.

Fondtüren öffnen nach hinten

Auch für den profanen Vorgang des Einsteigens gibt's was Neues. Kopf einziehen und halbe Büßerhaltung wie bei Krethi und Plethi sind passé. Dank Türen, die sich beidseits wie Scheunentore öffnen, ist ein souveränes Begehen des Nobelhobels möglich. Klingt alles prächtig und ist es wohl auch. Der eigentliche Vorteil jedes Rolls-Royce jedoch ist sein Name. Der geht seit 1906 unfallfrei über die gepflegten Lippen. Wie jedoch soll der vermögende Ami oder Chinese Maybach aussprechen? Etwa Mähbäck?

Harald Kaiser

Wissenscommunity