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Autoshow in Pebble Beach: Schaulaufen der Luxuskarossen

Beim "Concours d'Élégance" in Pebble Beach präsentieren sich exotische Sportwagen und seltene Luxuskarossen, für die Superreiche Millionen ausgeben. Auch ein 1,4-Millionen-Euro-Spielzeug aus Wolfsburg ist dabei.

Von Karsten Lemm, San Francisco

Eric Filipek hat ein Herz für Sportwagen. Er fährt einen Porsche Carrera C4S, hat seinem zweijährigen Sohn Calem beigebracht, wie sich Lamborghini ausspricht, und träumt von einem Ferrari 430 Spider. "Ich liebe das Motorengeräusch", sagt der Risikoinvestor aus San Francisco. "Dieses wrumm, wrumm, wrumm." Wenn der Zweisitzer, der es mit seinem 483-PS-Motor auf knapp 320 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit bringt, für einen jungen Familienvater nicht so unpraktisch wäre, hätte er wohl längst zugeschlagen. So aber belässt der 36-Jährige es vorerst bei stillen Wünschen und sieht sich satt an all den exotischen Sportflitzern und Edelkarossen, die ihm bei der Autoshow in Pebble Beach nahe dem Küstenstädtchen Monterey begegnen.

Einmal im Jahr, immer in der dritten Augustwoche, dreht sich in der kleinen kalifornischen Gemeinde, die normalerweise für ihre exquisiten Golfplätze bekannt ist, alles ums Auto. Im Zentrum steht der "Concours d'Élégance", ein Schaulaufen antiker Nobelkarossen, das sich über 58 Jahre hinweg zum exklusivsten Vierradtreffen der USA entwickelt hat. Es lockt mittlerweile so viele Besucher an, viele von ihnen aus den obersten Einkommensschichten, dass sich heute rund um den "Concours" eine ganze Reihe weiterer Veranstaltungen schart - von Oldtimer-Auktionen bis zu historischen Autorennen im nahen Laguna Seca. (Siehe Video.)

1001 PS, über 400 km/h Spitze

Der VW-Konzern nutzte die Gelegenheit, um vor den Augen der Welt die Cabrio-Variante seines Bugatti Veyron zu enthüllen. Der Sportwagen buhlt mit diversen Superlativen um die Aufmerksamkeit von Menschen, die sich an seinem Preis von 1,4 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer nicht stören: 1001 PS, über 400 km/h Spitzentempo und ein Sieben-Gang-Direktschaltgetriebe, das es bequem machen soll, den temperamentvollen Boliden auch gemächlich durch den Stadtverkehr zu manövrieren. Wer oben ohne fahren möchte, muss allerdings das Kunststofffaser-Glasdach zu Hause lassen - im Auto selbst fehlt Stauraum. Zum Ausgleich haben die Entwickler sich eine faltbare Stoffhaube einfallen lassen, die ähnlich kompakt ist wie ein Regenschirm und unter der Motorhaube Platz findet.

"Es gab rege Nachfrage nach einem offenen Auto", erklärt Bugatti-Entwicklungschef Wolfgang Schreiber, der in dem hohen Preis keine Absatzhürde sieht: "Es gibt viele, die sagen: Ich habe das Geld, meine Lebenszeit ist begrenzt, also mache ich das jetzt." Auf Massenumsatz spekuliert VW ohnehin nicht; im Gegenteil. Künstliche Verknappung soll den Reiz der Nobelkarosse noch erhöhen. Die Stückzahl des bisherigen Veyron, der seit 2005 verkauft wird, ist auf 300 Exemplare limitiert; vom neuen Grand Sport will Bugatti 150 Fahrzeuge bauen. Alle werden im französischen Molsheim im Elsass handmontiert.

64 Millionen Dollar an zwei Abenden

Manch Käufer dürfte spekulieren, dass sein Millionen-Mobil über die Jahre noch an Wert gewinnt. Gut erhaltene Klassiker und Sammlerstücke erzielen bei Auktionen oft ein Mehrfaches ihres Originalpreises. Das zeigte sich auch in Pebble Beach: An zwei Abenden wurden fast 170 seltene Autos versteigert, darunter ein Mercedes aus dem Jahr 1936, der 950.000 Dollar einbrachte; eine Chevrolet Corvette Baujahr 1962 für 1,35 Millionen Dollar; und ein 1959er Ferrari Spyder, der für über drei Millionen Dollar einen neuen Besitzer fand. Um den Bugatti Grand Sport - ein Vorserienmodell und Einzelstück - entbrannte am zweiten Abend ein Bieterwettstreit, der den Preis auf 2,9 Millionen Dollar trieb. 1,5 Millionen davon kommen einem guten Zweck zugute. Insgesamt brachte die Auktion 64 Millionen Dollar ein.

"Hierher kommen Leute, die viel Geld haben und bereit sind, viel auszugeben", sagt Paul Duchene, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Sports Car Market". Für die meisten von ihnen seien Autos eine Leidenschaft - und nicht unbedingt die teuerste, die sich denken lasse. "Verglichen mit anderen, etwa dem Sammeln von Kunstwerken alter Meister, ist dies noch ein eher billiges Hobby", sagt Duchene. Wer mit seinem tipptopp gepflegten Klassiker beim "Concours" antritt und einen Preis erhält, müsse sich über Geld ohnehin keine Gedanken mehr machen, erklärt der Experte: "Jedes Auto, das hier gewinnt, ist automatisch eine Million wert - in der Regel mehr." Das sind gute Nachrichten für Jon und Mary Shirley aus dem Städtchen Medina bei Seattle, deren Alfa Romeo Touring Berlinetta, Baujahr 1938, mit dem diesjährigen "Best of Show"-Preis bedacht wurde, der höchsten Ehrung des "Councours d'Élégance". Nicht, dass es die beiden finanziell unbedingt nötig hätten - Jon Shirley ist der ehemalige Präsident und Chief Operating Officer einer kleinen Softwarefirma namens Microsoft.

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