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New York Autoshow 2009: GM-Chef schwänzt die Show

Detroits "Big Three", GM, Ford und Chrysler kämpfen ums Überleben, liefern aber auch auf der New York Auto Show keine Fahrzeuge ab, die eine Wende im Verkauf bringen könnten. Der frisch gekürte GM-Boss Fritz Henderson erschien erst gar nicht. Etwas besser sind die deutschen Autobauer aufgestellt

Von Michael Specht

Für Überraschungen war Chrysler schon häufig gut. Auch als der US-Autobauer vergangenes Jahr zur Detroit Motor Show eine ganze Herde Longhorn-Rinder durch die Innenstadt treiben ließ, nur um seinen Monster-Pick-up Dodge Ram eindrucksvoll in Szene zu setzen, gab es "standing ovations". Anfang 2008 war die automobile Welt jedoch noch in Ordnung. Mittlerweile steht der Konzern vor der Pleite. Chrysler bleiben nicht einmal mehr 30 Tage, der US-Regierung ein tragfähiges Überlebenskonzept zu präsentieren. Umso gespannter war die Fachwelt auf der New York Auto Show, die noch bis zum 17. April ihre Tore geöffnet hat. Chryslers Vize-Chef Jim Press fuhr in einem Fiat 500 auf die Bühne. Applaus. "Dieses Auto hat die Größe unseres Hemi-V8-Motors". Gelächter. "Wäre es nicht herrlich, mit dem Fiat durch die Straßen von Manhattan zu fahren?" Erstaunte Gesichter. Wie ein Staubsaugervertreter preist Press die Vorzüge des kleinen Italieners an, lobt die technische Kompetenz des neuen Partners Fiat. Aussicht, dass der 500 schon bald über die US-Highways rollen kann, besteht allerdings nicht. Der Cinquecento scheitert an den amerikanischen Crash-Bestimmungen.

Hurra, wieder ein Geländewagen!

Die einzige Neuheit von Chrysler blieb - wie sollte es bei US-Autobauern auch anders sein - ein Geländewagen. Der Jeep Grand Cherokee kommt aber erst im Sommer 2010 auf den Markt und ist laut Jim Press "der beste Premium-SUV, der jemals von Chryslers Bändern lief". Plattform von der Mercedes ML-Klasse, Luftfederung, V6- oder V8-Benzinmotoren. Möglich sind auch Hybridantrieb und Diesel von Mercedes.

Der Chef schwänzt

Eine schwache Show lieferte dagegen der größte amerikanische Autohersteller General Motors (GM) ab. Dessen frisch gekürter Konzern-Boss Fritz Henderson erschien erst gar nicht, überließ einer Dame aus der zweiten Reihe die Präsentation eines - weiteren Geländewagens. Der GMC Terrain besitzt die Größe eines Audi Q5 und soll ab Sommer 2009 dank eines Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzers nur rund acht Liter verbrauchen. Immerhin ein Anfang in die richtige Richtung.

Ob man dies vom "Puma" behaupten kann, bleibt abzuwarten. Optisch sieht das einsitzige Elektro-Gefährt aus wie eine Mischung aus Einkaufswagen, Golfcart und überdachtem Krankenfahrstuhl. Die Studie soll die zukünftige City-Mobilität abbilden. GM hat den "Puma" zusammen mit Segway entwickelt.

Markt im Kollaps

Dieses Jahr, so die Prognosen, dürften die Autohersteller in den USA weniger als zehn Millionen Fahrzeuge verkaufen, nach 17 Millionen im Jahre 2006. Insgesamt fanden von Januar bis März 2009 nur 2,2 Millionen Neuwagen Käufer, über 1,3 Millionen weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Auch die deutschen Marken haben in der Neuen Welt nichts zu lachen. Das durchschnittliche Absatzminus beträgt 22,1 Prozent. Am schwersten traf es Porsche mit minus 29,1 Prozent. Mercedes büßte 25 Prozent ein und verkaufte im März mit 15.609 Autos nur noch ein paar mehr Einheiten als Lexus. Böse erwischte es die S-Klasse, Technologieträger und Flaggschiff der Marke, die über 50 Prozent einbrach. Das gleiche Schicksal trifft die SUV. Mercedes verkauft drüben mittlerweile mehr Smart Fortwo als M-Klasse.

SUV-Fahrer: Radlader-Fahrer hilft nach Unfall - und macht alles noch schlimmer

"Das beste Mittel, die Krise zu überstehen, sind attraktive und gute Produkte", sagt Dr. Klaus Maier, Vertriebsvorstand bei Mercedes-Benz, als hinter ihm der Hybrid-Geländewagen ML 450 auf die Bühne fährt. Über die Hälfte weniger soll der SUV, unter dessen Haube ein V6-Benziner und gleich zwei Elektromotoren arbeiten, in der Stadt verbrauchen gegenüber einem ML mit V8-Motor. Die Markteinführung ist für den Herbst vorgesehen und vorerst ausschließlich für Amerika und Kanada.

Beten für den Diesel-Durchbruch

Als "attraktive Produkte" sieht Mercedes-Mann Maier auch das Coupé der E-Klasse, dessen Enthüllung in New York musikalisch von der schwarzen Sängerin Dianne Reeves begleitet wurde, sowie die Limousine E 250 Bluetec. Offiziell ist das Auto noch eine Vision und die Amis sind noch weit davon entfernt, sich in dieser Wagenklasse mit einem Vierzylinder-Diesel anzufreunden. Doch Mercedes-Motoren-Chef Dr. Leopold Mikulic lobt schon heute die Laufkultur des "Wunderdiesels" und verspricht einen Verbrauch von unter fünf Litern.

Dass der Dieselmotor in den USA kurz vor seinem Karriere-Durchbruch steht, glauben (und hoffen) neben Mercedes und BMW auch Audi und VW. Auf diesen Tag warten sie seit Jahren. Die Ingolstädter ließen vor den Messehallen extra eine ganze Armada schneeweißer Q7 TDI (der Absatz des Benziner-Q7 brach in Amerika um über zwei Drittel ein) zu Testfahrten durch Manhattan aufstellen. Volkswagen will im Mai den Touareg und im Herbst den Golf als TDI anbieten und freut sich über die breit gestreuten Werbemaßnahmen der Konkurrenz. "Auch ohne gezielte Aktionen entscheiden sich mittlerweile 30 Prozent der Jetta-Kunden für den sparsamen Selbstzünder und sogar die Hälfte beim Jetta Sport Wagon", sagt VW-Amerika-Chef Stefan Jacoby.

Sportwagen für die Superreichen

Sein Kollege Detlev von Platen, Chef von Porsche America, kann mit solchen Zahlen nicht aufwarten, als er das Tuch vom heißesten aller 911er, dem GT3 ziehen lässt. Das 435-PS-Geschoss katapultiert in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 und bringt es auf 312 km/h. "Wir wissen zwar nicht, wie lange die Krise dauern wird", sagt von Platen, "wir wissen aber wohl, dass Sportwagen immer gefragt sind."

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