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Saab-Insolvenz: Zu klein, zu schlecht, zu teuer

Das Imperium von General Motors beginnt sich aufzulösen. Als erste Tochter geht Saab in die Insolvenz. Die Mutter sorgt sich nicht um den Fortbestand des schwedischen Autobauers, sondern nur darum, wie die Kosten des Zusammenbruchs abgewälzt werden können. Wer Opel retten will, muss jetzt handeln, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Von Gernot Kramper

Der schwedische Autobauer Saab hat die Konsequenz gezogen und Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte die schwedische Regierung weitere Staatshilfen rigoros abgelehnt. Zu Recht, sagt der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. "So bitter es ist, es ist vollkommen richtig, dass die schwedische Regierung sich nicht erpressen lässt und Saab in die Insolvenz gehen lässt. Saab ist nicht zu retten." Schon zuvor hatte GM bei der Vorlage seines Sanierungskonzepts verkündet, der Konzern brauche etwa 6 Milliarden Dollar direkte Unterstützung von Kanada, Deutschland, Großbritannien, Schweden und Thailand, damit die GM-Töchter ausreichend Liquidität zur Verfügung hätten. Eine Summe, die nur den Fortgang der Geschäfte ermöglicht hätte. Eine Zukunftsperspektive wäre damit nicht gesichert.

Und für die kleine Tochter Saab schon gar nicht. "Saab ist einfach zu klein. Und in dieser Zeit mit einer so schlechten Produktpalette von 100.00 verkauften Einheiten auf die benötigten 400.000 Einheiten gehen zu wollen, das ist vollkommen illusorisch", so Dudenhöffer. Für Westschweden ist der bevorstehende Untergang von Saab eine Katastrophe, aber nicht mehr zu vermeiden. Seit Jahren wurde kein Gewinn erzielt und am Beispiel Saab lässt sich wie im Lehrbuch zeigen, wie die Detroiter Mutter die schwedischen Tochter ruinierte. "Saab war einmal eine hochinnovative, starke Marke und dann kam GM. Jetzt sind die Fahrzeuge umgestaltete, alte Vectras, die mit Premiumanspruch verkauft werden wollen und gegen BMW und Audi antreten sollen", erläutert Dudenhöffer. "Das geht natürlich nicht gut."

Die Pläne des geschäftsführenden Saab-Direktors Jan-Ake Jonssons, Saab nach einer Neuorganisation als selbstständige Marke weiter führen zu wollen, beurteilt Dudenhöffer skeptisch. Eine Lösung der strukturellen Probleme von unattraktiven Modellen und geringen Stückzahlen sei so nicht zu lösen. Das Manöver einer Saab-Loslösung in der Insolvenz könnte gar kein Versuch sein, einen Neuanfang für den Traditionshersteller zu ermöglichen, viel näher liege die Annahme, dass sich GM damit nur einen Mühlstein vom Hals schaffen will. Der unvermeidliche Saab-Zusammenbruch werde enorme Insolvenzkosten verursachen. "Aber auch wenn Saab sich trennen will und in die Insolvenz geht, schüttelt GM damit die Kosten natürlich nicht ab. Das wird alles etwas komplizierter und wird viele Anwälte beschäftigen. Aber GM gewinnt Zeit, bevor die Kosten in den USA ankommen. Die Fortexistenz von Saab ist eine Fiktion, wenn Saab jetzt noch weiter produzieren will, sind die Fahrzeuge doch spätestens seit heute nicht mehr verkäuflich."

Die Stockholmer Zeitung "Expressen" berichtet über Verhandlungen, die mit Opel über ein Zusammengehen ohne die bisherige US-Konzernmutter GM geführt würden. So eine Kooperation wäre ein gefährliches Geschenk. Wer Opel retten will, darf laut Dudenhöffer nicht auf die GM-Pläne vertrauen. "In Deutschland müsste die Politik viel aktiver daran arbeiten, eine Opel-AG aus dem Konzern GM herauszulösen. Stattdessen, wird gar nichts getan und erst einmal abgewartet." Der Blick der Politik verenge sich viel zu sehr auf die Standorte und vernachlässige die komplexe Aufgabe, wie man Opel aus dem Konzern herauslösen könne. "Die Öffentlichkeit schaut auf Arbeitsplätze, Standorte und Fabriken. Dabei sind die Fabriken in der Hochlohnzone Westeuropa genau das, was keiner haben will. Wichtig sind Entwicklung, Vertrieb und das Know-How der Marke Opel."

Zeit darf nicht mehr verloren werden, denn das Beispiel Saab zeigt, wie wacklig das gesamte Konstrukt von General Motors bereits ist. "Ohne die Milliarden der US-Regierung läuft gar nichts mehr und wo GM mit diesem Geld hingeht, dass weiß niemand", so Dudenhöffer. "Es ist also zu verstehen, dass die schwedische Regierung diesen Unsinn nicht mitmacht." Der Zusammenbruch von Saab wird erst der Anfang, das Jahr 2009 wird voraussichtlich das Verschwinden weiterer Automarken erleben. Das Ende von GM-Marken wie Pontiac und Saturn ist bereits angekündigt. Darum wird der Markt aber nicht übersichtlicher, sagt Dudenhöffer. "Nach 2011 werden die Chinesen weltweit viel präsenter werden. Da wird der Kunde dann ganz neue Namen lernen müssen."

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