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Urlaub: Andere Länder, andere Bußgelder

Daheim wird der deutsche Autofahrer verwöhnt, das bemerkt er allerdings erst im Ausland, denn Strafmandate sind fast überall teurer als in Deutschland.

Trotz Billigflügen, Last-Minute-Boom und kilometerlangen Staus an Wochenenden ist bei vielen Deutschen die Lust ungebrochen, mit dem eigenen Auto in den Urlaub zu fahren. Mit dem Start in die Ferien rechnet der ADAC auch in diesem Sommer wieder mit langen Blechschlangen Richtung Süden und Millionen von Autourlaubern.

Wer sich auf vier Rädern in die Ferien aufmacht, sollte sich jedoch zuvor mit den Verkehrsregeln im Ausland vertraut machen. Sonst kann es richtig teuer werden: Nach Angaben des ADAC sind in den meisten europäischen Ländern die Bußgelder schon für harmlose Verkehrsdelikte erheblich höher als in Deutschland.

Rasen verboten

Zudem gelten in einigen Urlaubsländern ungewohnte Geschwindigkeitsbeschränkungen, ohne das entsprechende Schilder darauf hinweisen. In Österreich darf etwa auf den Touristenrouten Tauern-, Inntal-, Brenner- und Rheintalautobahn nachts zwischen 22.00 und 05.00 Uhr nicht schneller als mit 110 Stundenkilometern gefahren werden.

Anders als in Deutschland gelten in manchen EU-Staaten bei Regen generelle Tempolimits: Etwa in Italien Tempo 110 auf Autobahnen und 90 auf Schnellstraßen. Auch auf Frankreichs Autobahnen gilt dann 110 statt 130. In Frankreich und Portugal gelten zudem Tempolimits für Fahranfänger.

Auf den europäischen Autobahnen gelten meist Tempolimits von 120 oder 130 Stundenkilometern. In Norwegen darf sogar selbst auf Autobahnen nicht schneller als 90 gefahren werden. Italien hat dagegen seit vergangenem Sommer auf bestimmten dreispurigen Strecken die Grenze auf 150 angehoben.

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Strafen bis zu einem Monatslohn

Bei Missachtung drohen oft Bußgelder, im Vergleich zu denen der deutsche Gebührenkatalog sehr moderat anmutet. Bei 20 Stundenkilometern Geschwindigkeitsübertretung werden hier zu Lande bis zu 35 Euro fällig, in Italien jedoch über 140 Euro. In Spanien gar bis zu 300 Euro und in Norwegen mindestens 300 Euro. Auch in Belgien, Dänemark, Finnland, Luxemburg, Schweden, Schweiz und Ungarn werden dreistellige Beträge fällig.

Bar zahlen oder Führerschein abgeben

Italien und Frankreich haben dem Automobilclub zufolge in jüngster Zeit ihre Geschwindigkeitskontrollen erheblich verstärkt. In Italien kassieren die Carabinieri laut ADAC von Rasern nicht selten an Ort und Stelle den Führerschein oder wenn ein Bußgeld nicht sofort bar bezahlt wird, gleich das Auto: Wegen derzeit noch mangelnder Vollstreckungsmöglichkeiten im Heimatland besteht die Polizei in den meisten Ländern auf Sofortkasse.

Auch Verstöße gegen Überholverbote sind fast überall teurer als in Deutschland: Die spanische Polizei kassiert bis zu 300 Euro, die finnische bis zu einen halben Monatslohn.

Auch bei Parkverstößen langt die Mehrzahl der EU-Länder in der Regel kräftiger zu als die deutschen Behörden. In Irland gehen etwa entsprechende Bußgelder erst bei 80 Euro los. Auch das Abschleppen wird oft "großzügiger" gehandhabt als hier zu Lande. In Österreich drohen bei unerlaubten Abstellen auf Privatgrund teure Schadenersatzkosten.

Vignetten-Sünder müssen zahlen

Vignettenpflicht besteht derzeit auf Autobahnen und teilweise Schnellstraßen der Schweiz, Österreich, Tschechien und Slowakei, sowie den ungarischen Autobahnen M1, M3 und M7. Ungarn langt mit 400 Euro Bußgeld auch am härtesten bei Vignetten-Sündern zu. Tschechien verlangt 160 Euro, Österreich 120 Euro und die Schweiz 100 Franken.

Trotz Urlaubslaune sollten Autofahrer stets die örtliche Promillegrenzen im Kopf haben: In den meisten EU-Ländern gilt 0,5 Promille. Nur in Großbritannien, Irland, Luxemburg und Malta gibt es ebenso wie in der Schweiz noch die alte 0,8-Regel. In Norwegen, Schweden und Polen liegt die Grenze schon bei 0,2 Promille. Ungarn und Tschechien fordern mit 0,0 Promille strikte Abstinenz für den Fahrer.

Alkohol am Steuer wird teuer

Wer in Schweden mit Alkohol am Steuer erwischt wird, muss mindestens einen Monatslohn Strafe zahlen. In Frankreich beginnen die Bußgelder bei 750 Euro. Verboten ist in allen EU-Ländern außer Schweden auch das Telefonieren mit Handy am Steuer ohne Freisprecheinrichtung. Viele Länder erlauben dabei auch keine Headsets.

Lichtpflicht auch am Tag gilt zurzeit in Dänemark, Estland, Lettland, Norwegen, Schweden, Finnland, Italien und Ungarn, teilweise jedoch nur außerorts. In Spanien und Italien ist neuerdings eine Warnweste für Pannen vorgeschrieben.

Auf den "D"-Aufkleber können Autofahrer mit dem neueren Euro-Kennzeichen innerhalb der Europäischen Union und in die Schweiz verzichten. Für Fahrten in Nicht-EU-Länder und oder mit altem Kennzeichen ist laut ADAC in jedem Fall ein "D"-Schild am Heck des Wagens vorgeschrieben.

AP-Korrespondent Michael Pohl

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