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Neue Kritik an Microsoft-Betriebssystem: "Windows 8 ist wie Frankensteins Monster"

Es sind harte Worte des Windows-Experten Paul Thurrott: Windows 8.1 sei nicht nur Schrott, Microsoft habe im Gegensatz zu Apple auch keinen Plan, wo es hinwill. Es gibt viele Gründe für das Scheitern.

Von Christoph Fröhlich

Der Schritt von Windows 7 zu Windows 8 war der radikalste in der Geschichte von Microsoft: Weg vom altbekannten Desktop, hin zur Kacheloberfläche ("Modern UI"). So sinnvoll der Wandel aus Unternehmenssicht auch war, bei den Nutzern kam der neue Look nicht besonders gut an: Zu bunt, zu umständlich, schlicht unnötig sei die Software, kritisierten viele User. Auch in der Presse war das Echo negativ. Die Wirtschaftszeitung "Financial Times" bezeichnete Windows 8 sogar als den größten Fehler der Industriegeschichte seit der Einführung der "New Coke" von Coca Cola im Jahr 1985.

Wie finden Sie Windows 8.1?

Im Oktober 2013 schob Microsoft das kostenlose Update Windows 8.1 nach - und machte es nicht viel besser. Zwar wurde der Start-Button auf Drängen der User wieder eingeführt, doch die Umsetzung war eher halbherzig. Das ungeliebte Kachel-Menü kann nach wie vor nicht umgangen werden. Der Windows-Experte Paul Thurrott verteidigte das Windows-8.1-Update lange Zeit gegen Kritiker und lobte es als sinnvolle Reaktion auf Kundenfeedback.

"Ein Desaster in beinahe jeder Hinsicht"

Doch mit dem Blick auf das kommende Update, das für März erwartet wird, hat er seine Meinung grundlegend geändert: Offenbar fällt Microsoft wieder in alte Muster zurück, schreibt er in seinem aktuellen Artikel auf "Winsupersite". Der Konzern versuche immer mehr, die Bedürfnisse aller zu befriedigen, doch am Ende gefalle das Ergebnis niemanden. "Das Problem am ersten Update ist keine kleine Funktionserweiterung", schreibt Thurrott. "Es ist die strategische Ausrichtung, die dieses Update impliziert." Ihm zufolge sei vor allem die Verschmelzung der Software missglückt: "Es gibt zwei Betriebssysteme, ein mobiles und eins für den Desktop, die so unnatürlich miteinander verschmolzen wurden wie Frankensteins Monster."

Vor allem wenn man Windows 8.1 mit Apples OS X vergleiche, würde auffallen, wie chaotisch das Microsoft-Betriebssystem sei. "Apple hat sich, trotz seines immer weiter wachsenden iOS-Publikums, niemals von seinem Leitbild entfernt. Und das ist nur umso bemerkenswerter wenn man bedenkt, dass der Schöpfer dieser Vision, Steve Jobs, vor mehr als zwei Jahren gestorben ist", schreibt Windows-Experte Thurrott.

Zwar hat es Microsoft mit Windows-Chef Steven Sinofsky auf ähnliche Art und Weise probiert, doch das Ergebnis sei "leider Windows 8". Der habe die gleiche "wahnsinnige Energie und den unbedingten Willen eines Steve Jobs", attestiert ihm Thurrott. Doch ihm fehle dessen größte Stärke: ein tiefgreifendes Verständnis von gutem Design. "Windows 8 ist nicht gut designt. Es ist ein einziges Chaos. Doch Windows 8 hat weit größere Probleme. Windows 8 ist ein Desaster in beinahe jeder Hinsicht."

Windows ist um Jahre zurückversetzt

Thurrott geht in seinem Artikel sogar so weit und meint, dass Windows 8 das Unternehmen "um Jahre zurückversetzt und möglicherweise sogar das einst erfolgreichste Software-Franchise aller Zeiten vernichtet hat." Partnerunternehmen wie Laptop- und Tablet-Hersteller hätten Microsoft frühzeitig vor dem anstehenden Desaster gewarnt, schreibt der Experte, doch der Windows-Hersteller wollte das Problem offenbar nicht wahrhaben.

Nach vielen harschen Worten hat Thurrott für Microsoft einen Rat parat: "Ihr könnt nicht jeden zufriedenstellen. Also hört auf, es zu versuchen. Es wird Zeit, die Anstrengungen für die Menschen zu verdoppeln, die aktuell eure Produkte nutzen. Und nicht eure Energie für eine Gruppe von Kunden zu verschwenden, die niemals aufhören werden, ihr simpler zu bedienendes Android- oder iOS-Gerät zu nutzen, nur weil ihr es wollt."

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