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Verschmelzung mit dem Netz: Ist Google TV die Zukunft des Fernsehens?

Mit Google TV soll es keinen Unterschied mehr zwischen Fernsehen und Websurfen geben. Die Auswirkungen auf die TV-Landschaft könnten gravierend sein - wenn das Konzept funktioniert.

Von Karsten Lemm, San Francisco

Es kann vorkommen, dass der Franzose Junien Labrousse in die Welt von Youtube eintaucht und sich stundenlang in ihr verliert. Dann schaut der 52-jährige Hobby-Pianist, wie andere Leute Klavier spielen, um davon zu lernen, oder er holt sich Tipps, wie er Rubiks Zauberwürfel noch schneller lösen kann als bisher - dabei liegt sein Rekord schon bei 30 Sekunden. "Es gibt enorm viele Videos im Internet, die das Anschauen wirklich lohnen", schwärmt Labrousse, der in Kalifornien lebt. Oft ruft er seine Frau und Kinder, fünf und sieben Jahre alt, dazu, um mit ihnen etwas gemeinsam zu schauen. Dumm nur, dass sich dann alle vier um seinen kleinen Laptop-Bildschirm drängen müssen - was nicht sehr bequem ist. Doch im Herbst soll alles anders werden und viel besser, denn dann kommt Google TV.

"Google TV wird die Art, wie wir fernsehen, von Grund auf verändern", verspricht Labrousse - wobei er als Produkt-Chef des Google-Partners Logitech an der Revolution, die er in Aussicht stellt, maßgeblich beteiligt ist. Google TV ist der Versuch des Suchmaschinen-Riesen, sich im Wohnzimmer auszubreiten und nach PCs, Laptops und Mobiltelefonen einen weiteren Bildschirm zu erobern: den Fernseher, die letzte Bastion im digitalen Alltag der meisten Menschen ohne eingebauten Internetzugang.

Mit dem Zukunfts-TV, das Google auf seiner Entwicklerkonferenz I/O präsentierte, soll es künftig ein Kinderspiel sein, eine schier unendliche Fülle an Unterhaltung und Informationen zu finden, ohne sich von der Couch zu erheben, und alles, was man sehen möchte, auf dem Großbildschirm zu bewundern. Man sucht nach einer Sendung, und es spielt gar keine Rolle mehr, woher sie kommt. Vielleicht hat der digitale Videorekorder "Dr. House" gestern schon aufgenommen, dann findet Google TV ihn auf dem Rekorder und spielt das Programm von dort ab. Wenn nicht, macht der grantelig-geniale Doktor seinen Hausbesuch eben vom Internet aus - zumindest in den USA ist es kein Problem, etliche Sendungen aus dem Netz abzurufen, bei Portalen wie Hulu ebenso wie auf den Webseiten der Sender selbst. Deutschland hinkt noch etwas hinterher, doch auch in den Online-Mediatheken von ARD und ZDF gibt es schon reichlich Futter für den Browser.

Bisher freilich leben diese Inhalte vorwiegend im Laptop oder auf dem PC. Wer macht sich schon die Mühe, seinen Rechner in die gute Stube zu schleppen, um ihn an den Fernseher anzuschließen? Selbst dann bleibt die Trennung zwischen Internet und TV erhalten, weil man immer hin und her schalten muss. Doch nicht mehr lange. "Der fundamentale Unterschied bei Google TV ist, dass man nicht mehr aus dem Fernseh-Erlebnis herausgerissen wird", erklärt Logitech-Manager Labrousse. Seine Firma, bisher am besten bekannt durch Webcams und High-Tech-Mäuse, hat zusammen mit Google eine Box entwickelt, die sich zwischen Internet und Fernseher klinkt; meist kommt auch noch ein Kabel- oder Satellitenempfänger dazu.

Preis? Noch unbekannt

Die Box hat bisher weder einen Namen noch einen Preis. Fest steht nur, dass sie im Herbst auf den Markt kommen soll, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft, genau wie eine neue Modellreihe von Sony-Fernsehern und Blu-ray-Playern, bei denen Google TV gleich mit eingebaut ist. Europäer allerdings schauen auf absehbare Zeit in die Röhre, denn das Fernsehen der Zukunft beschränkt sich vorerst auf Amerika.

Einmal angeschlossen, übernimmt die Logitech-Box die Steuerung von TV-Gerät und Kabel- oder Satellitenempfänger. Die Internetsuche wird auf Knopfdruck einfach über das Fernsehsignal gelegt und eingeblendet. Im Inneren der Box und bei den Sony-Geräten übernimmt ein Chip von Intel das Aufbereiten der Webseiten. Als Software nutzt Google TV das Betriebssystem Android, das Google ursprünglich für Smartphones entwickelt hat. Das heißt, der Fernseher lernt nicht nur das Surfen, sondern kann auch Programme ("Apps") verwenden, die es bereits für andere Android-Geräte gibt - etwa Skype, Spiele oder spezielle Anwendungen für die Wettervorhersage, Börsenkurse und vieles mehr.

Gutes Konzept, schwierige Umsetzung

"Das Konzept hinter Google TV ist sehr gut", lobt Rob Enderle von der Unternehmensberatung Enderle Group. "Die Herausforderung wird darin liegen, es umzusetzen." Die komplexe Technik müsse reibungslos funktionieren, wenn sie sich durchsetzen solle. "Kein Mensch will seinen Fernseher neu booten oder ein Technik-Diplom machen, um ihn zu bedienen", argumentiert Enderle. Die Aufgabe wird nicht leichter dadurch, dass Google sein System sehr offen gestaltet hat und kaum Kontrolle ausübt - anders als Apple. Und selbst Apple ist es bisher nicht gelungen, das Wohnzimmer zu erobern. Die "Apple TV"-Box, die Musik und Videos aus dem iTunes-Laden abspielen kann, "darf als einer der wenigen Flops gelten, die Apple sich in den letzten Jahren geleistet hat", sagt Enderle.

Anderen, darunter Philips mit seinen "Net TV"-Fernsehern und US-Anbietern wie Boxee und Roku, ist es nicht besser ergangen. Drei Stolpersteine sieht der Analyst: Technik, die zu sehr einschränkt, weil nur bestimmte Videos oder Web-Inhalte abgespielt werden können. Technik, die zu schwer zu bedienen ist. Und Technik, die zu viel kostet. Wenn Google TV Erfolg haben soll, dürften Fernseher und Geräte wie die Logitech-Box nicht mehr als etwa 100 Euro zusätzlich kosten, sagt Enderle. "Das ist für viele Leute die Grenze, wenn es darum geht, so etwas mal auszuprobieren."

Alle Firmen, die nun mit Macht ins Wohnzimmer drängen, lockt das Geld: Neue Geräte, die das Heimkino der Zukunft verlangt, sind das Eine; das Andere ist der Werbemarkt - erklärtermaßen der Antrieb für Google. Mit Anzeigen im Internet macht der Suchmaschinen-Riese bereits mehr als 20 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr (etwa 16 Milliarden Euro). "Bei Fernsehwerbung geht es um weitere 60 Milliarden Dollar", allein in den USA, sagt Richard Doherty, Direktor der Beraterfirma Envisioneering Group. "Google kann die Dollar-Scheine förmlich riechen."

Wo sind die Sender?

Dank Youtube hat Google bei Videowerbung Erfahrung gesammelt und arbeitet auch bereits mit US-Sendern zusammen, um Werbung im Internet zu vermarkten. Doch bei der Enthüllung von Google TV am Donnerstag war von den großen Namen der Fernsehwelt wenig zu sehen. Einzig der Nischenkanal MSNBC und der relativ kleine Satellitenanbieter Dish Network traten als Partner auf. "Die Sender halten sich zurück, weil sie Angst haben, dass Google ihnen Werbegelder abjagen will", sagt Doherty.

Dazu kommt für die Sender das Problem möglicher Kannibalisierung: Die Programm-Anbieter haben kein Interesse, all ihre Sendungen ins Netz zu stellen - selbst dann, wenn sie online Extra-Millionen verdienen können. Denn Kabelanbieter und Satellitenbetreiber in den USA legen Milliarden auf den Tisch, um ihren Kunden eine möglichst breite Palette an Fernseh-Unterhaltung anzubieten. Im Durchschnitt lassen es sich amerikanische Haushalte 70 Dollar im Monat kosten, 300 Kanäle zu empfangen. Sollten nun zu viele Sendungen ins Internet wandern, und die Programme sind genauso gut auf dem heimischen Fernseher zu bewundern, "wird ein Punkt kommen, an dem die Kunden nicht mehr bereit sind, diese 70 Dollar zu zahlen", warnt die Investment-Bank Needham in einer Studie. Um diese Schwelle nicht zu erreichen, überlegen die Hulu-Eigentümer NBC, Fox und Disney bereits, eine Abogebühr für ihr Onlineportal zu verlangen.

Jugendschutz noch ungeklärt

Google TV lockt freilich auch dann noch damit, das Netz auf neue Art mit TV-Inhalten zu vermählen: Bei der Präsentation konnte das Publikum etwa bewundern, wie Google-Manager nahtlos zwischen Webseiten mit Basketball-Ergebnissen und einer Sportübertragung hin und her wechselten. Allerdings hat auch das ungehinderte Surfen auf dem Fernseher seine Tücken. Was passiert, fragt Richard Doherty, wenn die Fernbedienung, die plötzlich den Weg zu ganz neuen Inhalten bahnt, in unbedachte Kinderhände fällt? Familienfreundliche Filterfunktionen vermochte der Analyst bei der Enthüllung von Google TV nirgends zu entdecken. "Könnte es sein", spekuliert Doherty, "dass irgendwann im Herbst der erste kleine Junge zu seiner Mutter in die Küche läuft und fragt: 'Mami, was machen denn die nackten Frauen da auf dem Fernseher?'"

Es kann eben auch Vorteile haben, sich gemeinsam ums Laptop zu scharen. Zumindest, wenn die Eltern sicher sein wollen, dass das Internet-TV stubenrein bleibt.

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.