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Kolumne: Neulich im Netz: TV Nimmersatt: Online XXL

Wenn es ums Sparen geht, war man bei ARD und ZDF schon immer auf dem ersten und zweiten Auge blind und taub sowieso. Sparen: nicht nötig, es gibt ja Rundfunkgebühren – für Fernsehen, Radio und Internet. Bald 18 Euro pro Monat, wenn es nach den Öffentlich-Rechtlichen geht.

Wenn es ums Sparen geht, war man bei ARD und ZDF schon immer auf dem ersten und zweiten Auge blind und taub sowieso. Sparen: nicht nötig, es gibt ja Rundfunkgebühren – für Fernsehen, Radio und Internet. Bald 18 Euro pro Monat, wenn es nach den Öffentlich-Rechtlichen geht.

Macht rund 1,8 Milliarden Euro mehr für die ARD und 1,4 Milliarden Euro zusätzlich fürs ZDF. Von diesem Geld wollen die beiden Anstalten ihre Hauptprogramme bezahlen und einen Rattenschwanz von weiteren Programmen, Radiosendern, digitalen Programmsträußen und Internetangeboten.

Die Liste ist lang

Beispielsweise die Landesrundfunkanstalten Hessischer Rundfunk, Bayerischer Rundfunk, Norddeutscher Rundfunk, Westdeutscher Rundfunk, Südwestrundfunk, Mitteldeutscher Rundfunk, Rundfunk Berlin Brandenburg, Radio Bremen und Saarländischer Rundfunk. Oder die Kulturprogramme 3sat und Arte, das Dokumentationsprogramm Phoenix und den Kinderkanal KiKa. Oder die Rundfunkprogramme Deutsche Welle und Deutschlandfunk. Oder digitale Zusatzprogramme wie BR Alpha, Eins Extra, Eins Festival und Eins Muxx sowie das Programmpaket ZDF.vision mit Theater-, Info- und Dokumentationskanal. Und so weiter und so fort.

Und selbstverständlich Internetangebote zu allen Plattformen.

Muss so sein

Muss alles sein, sagen unisono die Intendanten von ARD und ZDF. Und: ist noch längst nicht alles, was wir brauchen. ZDF-Chef Markus Schächter etwa sieht seinen Sender trotz unzähliger Zusatzkanäle benachteiligt. Weswegen neue Programme, Mittel und Wege her müssen, um gegenüber den privaten Sendern wie RTL, SAT1 und Co. konkurrenzfähig bleiben zu können. Und nicht unentwegt Wiederholungen senden zu müssen, wie beispielsweise das ZDF derzeit. Und damit in der Sehergunst selbst hinter RTL2 zurück zu fallen. Wie nun geschehen. Armes ZDF.

Um nicht ganz so arm dazustehen, kooperiert der Mainzer Sender. Einst mit Microsoft, heute mit T-Online. Und so wundert es nicht, dass auf den Internetplattformen der ZDF-Senderfamilie neben Programminformationen auch viele Dinge aus der freien Wirtschaft zu sehen sind, die nach Meinung von Medienexperten dort nichts zu suchen haben. Mehr noch: die schlichtweg illegal seien. Kein Einzelfall. Auch die ARD interpretiert entspannt den Rundfunkstaatsvertrag.

Die EU wird zickig

Und obendrein bauen beide Anstalten ihre Internetpräsenzen zur neuen medialen Säule ihres Wirkungsbereichs aus. Das findet selbst die EU nicht gut, den Bundesländern Sachsen und Baden-Württemberg reicht es nun. Sie wollen den nimmersatten Öffentlich-Rechtlichen auf die Füße steigen. "Kommerzielle Internetangebote dürfen bei gebührenfinanzierten Rundfunksendern keinen Platz haben", forderten die Staatsminister der beiden Bundesländer.

Ein guter Zeitpunkt, um mit dem Lernen anzufangen

Diese Stimmen haben Gewicht, schließlich entscheiden die Länder über die Rundfunkgebühren. Und Geld ist momentan knapp. Das merken beispielsweise auch die privaten Sender wie RTL, Pro7 und Co. Sie reagieren auf die Marktlage, weil sie marktwirtschaftlich reagieren müssen. ARD und ZDF mussten das so wirklich ernsthaft noch nie. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um mit dem Lernen anzufangen.

Thomas Hirschbiegel