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MWC 2019 Von wegen Windows: So sieht Microsoft die Zukunft des Computers

In der mit Hololens betretbaren, Virtuellen Welt sollen zukünftig auch ganze Meetings möglich sein.
In der mit Hololens betretbaren, Virtuellen Welt sollen zukünftig auch ganze Meetings möglich sein.
© Microsoft / PR
Auf dem Mobile World Congress hat Microsoft seine Vision vom Arbeiten der Zukunft gezeigt. Das findet größtenteils in virtuellen Räumen statt. Windows kam in der ganzen Präsentation nicht einmal vor - ein iPad aber schon.

"Wir wollen jedem von uns Superkräfte verschaffen" – so formulierte Microsoft-Chef Satya Nadella die Vision des Konzerns, die Nutzer ständig live mit Technologie zu unterstützen. Sein Beispiel: Eine Facharbeiterin, die das Interieur von Trucks zusammensetzte und dafür erst einmal die hochkomplexen Abläufe dieses Einbaus lernen musste. "Was, wenn wir diese Lernkurve einfach abschaffen könnten?" fragte Nadella – und zeigte, wie sich der Konzern Computer der Zukunft vorstellt.

Die Grenze zwischen Computer und Realität verwischt

Mit Windows haben die quasi nichts mehr zu tun. Stattdessen setzt die Präsentation vollständig auf die zweite Version von Microsofts Datenbrille Hololens und die künstliche Intelligenz der Cloud-Plattform Azure. In einer Beispiel-Präsentation zeigte  der Konzern dann, wieso es sich davon die Zukunft des Computers erhofft. Das Start-up Spatial ermöglichte mit der Hololens komplette Meetings in einem digitalen Raum, in dem Präsentationen, 3D-Objekte und Textfelder direkt von den Nutzern erschaffen, im Raum frei platziert und gemeinsam bearbeitet werden konnten. Diese Räume werden gespeichert – und können im genau selben Zustand wieder betreten werden, auch externe Mitarbeiter können sich jederzeit einfach durch einen Avatar in das Projekt einklinken und mitarbeiten, als ob sie um Raum sind. Das Büro wird so zu einem rein virtuellen Raum.

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Aber auch Jobs, bei denen man mehr Hand anlegen muss, können von der Technologie profitieren. In der Demo ließ sich etwa über Hololens und live über vernetzte Geräte gesammelte Daten die Benutzung einer schweren Maschine visualisieren, ein 3D-Modell zeigt dann etwa genau an, welches Zahnrad in nächster Zeit wegen Abnutzung ausgetauscht werden muss. Der Mechaniker kann mit der Brille jedes Teil der Maschine einzeln auswerten, ist genau im Bild, wie viel Belastung es bisher abbekommen hat.

Die neue Hololens 2 ermöglicht es, virtuelle Schalter auch anzufassen und direkt mit den Händen zu bedienen
Die neue Hololens 2 ermöglicht es, virtuelle Schalter auch anzufassen und direkt mit den Händen zu bedienen
© Microsoft / PR

Neue Datenbrille und Raumvermessung

Die Daten werden dann in der neuen Hololens 2 sichtbar gemacht. Der Nachfolger von Microsofts Hologramm-Brille wurde bei der Darstellung, dem Tragekomfort und den möglichen Einsatzbereichen verbessert. Sie zeigt deutlich mehr Details, erhöht dadurch das Sichtfeld und erlaubt zudem eine direktere Steuerung mit Gesten. Für einen bequemeren Sitz wurde das Gehäuse leichter gemacht, der Schwerpunkt wurde verlagert. Zudem können die Brillen nun angepasst werden, etwa um sie auf Schutzhelmen zu montieren. Um die Benutzung zu verbessern, scannt die neue Hololens die Hände des Nutzers und seine Umgebung. Dadurch passen sich die Hologramme an den Raum an – und können vom Nutzer "angefasst" und direkt mit den Händen manipuliert werden. Zusätzlich werden nun Augenbewegung und Stimme direkt zur Steuerung genutzt.

Um auch die Umgebung besser einbinden zu können, hat Microsoft mit Azure Kinect ein weiteres Produkt entwickelt. Der ursprünglich für die Xbox konzipierte Tiefen- und Bewegungssensor Kinect soll in Zukunft zusammen mit der Künstlichen Intelligenz von Azure nicht nur Computer mit Gestensteuerung ermöglichen, sondern in unzähligen Einsatzszenarien die Arbeit erleichtern und etwa Objekte im Lager erkennen, Teile eines Motors virtuell an der richtigen Stelle platzieren und Krankenhauspersonal vor stolpernden Patienten warnen, bevor sie stürzen. Kinect kann dabei einzeln einen bestimmten Bereich scannen oder mit mehreren Geräten eine komplette Raumerkennung bieten.

Windows auf der Hinterbank

Wie wichtig der Schritt in Mixed Reality für Microsoft ist, zeigt, dass man sich nicht auf die eigenen Produkte beschränkt. Azures Hologramm-Technologie ist etwa auch für Apples Augmented-Reality-Programm AR-Kit erhältlich. Auf der Bühne zeigte man etwa, wie sich eine Nutzerin statt über Hololens über das iPad in das laufende Programm einklinkte und dieselben Daten sehen konnte. Im Großen und Ganzen erscheinen Tablets, Computer und Smartphones in Microsofts Vision aber nur noch als Zusatzgeräte, die einen Teil der Virtuellen Realität mit beeinflussen dürfen und als Tipp- oder Visualisierungshilfe dienen. Sie sind nicht mehr das Hauptgerät, sondern ein Zugang von vielen zu Microsofts mittlerweile wichtigster Plattform Azure. In Microsofts Computer der Zukunft ist Windows nur ein System unter vielen.

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