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Mobile World Congress Nokia setzt auf alte Stärken - aber reicht das für ein Comeback?

Das Nokia 5 in mehreren Farbvarianten
Bei seinen neuen Smartphones setzt Nokia auf ein Unibody-Design aus Aluminium. Hier im Bild das heute auf dem MWC 2017 vorgestellte Nokia 5
© Nokia
In der Handy-Ära kam man um Nokia kaum herum. An Smartphones bissen sich die Finnen die Zähne aus. Jetzt startet Nokia mit seinem frischen Smartphone-Lineup einen neuen Versuch - mit einer echten Nokia-Strategie. Und einem alten Bekannten.

Bevor Apple mit dem iPhone die Smartphone-Ära einleuchtete, hatte der Handy-Markt mit Nokia einen unangefochtenen König. Am Smartphone scheiterten die Finnen aber kläglich, nicht zuletzt, weil man sich an Microsoft band und auf das erfolglose Windows Mobile setzte. Jetzt gibt es neue Android-Smartphones von Nokia.

Um sich der harten Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt zu stellen, setzt Nokia ganz auf seine alte Stärke: Gute Qualität, unabhängig von der Preisklasse. Man solle stolz auf sein Nokia-Smartphone sein, egal was es gekostet habe, erklärte man entsprechend bei der Präsentation. Alle Geräte haben ein ähnliches, schlichtes Design, alle haben ein Unibody-Gehäuse aus Aluminium - selbst das Einsteiger-Modell für nur 139 Euro. Nokia war bei der Präsentation sichtlich stolz auf das Design, wirklich herausstechend fanden wir es allerdings keines der neuen Modelle. Die drei Geräte Nokia 3, Nokia 5 und Nokia 6 unterscheiden sich vor allem in kleineren Details und in der verbauten Technik.

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Pures Android, aber kein Spitzenmodell

Auch bei der Software bekommen alle exakt die gleichen Features: Nokia verspricht pures Android, sogar Googles künstliche Intelligenz Assistant ist an Bord. Die war bis vor kurzem noch Googles Pixel-Smartphones vorbehalten. Toll: Nokia verspricht, alle Smartphones mit monatlichen Android-Updates sicher zu halten. Das bleibt sonst meist nur den Highend-Modellen vorbehalten.

Eine gelungene Strategie, könnte man nun meinen. Wenn da nur nicht dieser gar nicht so kleine Haken wäre: Denn selbst das "teuerste" Modell Nokia 6 ist mit einem Preis von 229 Euro der unteren Mittelklasse zuzuordnen und setzt auf veraltete Technik. Der lahme Prozessor wurde 2015 vorgestellt. Während Nokia früher an der Spitze die Innovation vorantrieb, aber in allen Preisklassen aufgestellt war, konzentriert man sich nun auf den Billigmarkt. Der ist heute allerdings deutlich umkämpfter - und vor allem kaum profitabel.

Selbst China setzt mittlerweile auf Premium

Günstige Smartphones aus China haben längst Qualitätsstandards erreicht, die locker mit etablierten Marken mithalten können, bei niedrigerem Preis. Einstige Billig-Marken wie Huawei setzen mittlerweile auf dem Premium-Sektor um Geld zu verdienen. In nahezu allen anderen Markt-Segmenten machen die Hersteller wegen des hohen Konkurrenz-Drucks eher Verluste. Auch bei Nokia hatten heute viele Beobachter deshalb ein Highend-Smartphone erwartet.

Stattdessen gab es am Ende ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Das Nokia 3310 ist nun als Neuauflage erschienen. Warum man sich heutzutage noch ein Handy kaufen sollte, weiß aber wohl nicht mal Nokia so genau. Als wichtigste Features listet man neben einem Monat Akkulaufzeit auch schon die vier erhältlichen Farben - und den Spiele-Klassiker Snake. Erst letzten Monat hatte Nokia mit dem Nokia 150 einen neuen Knochen auf den Markt gebracht, der im Vergleich zu Smartphones bei uns aber nicht besonders gut abschnitt.

Nokias größtes Kapital ist sicher der Name, der bei vielen immer noch nostalgische Erinnerungen hervorruft. Das Versprechen eines immer aktuellen Androids könnte für manche auch ein Kaufargument sein. In China, wo das Nokia 6 bereits seit zwei Monaten im Handel ist, scheint man mit den Verkaufszahlen zufrieden zu sein. Ob es so aber noch einmal für den Thron reicht, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht ist Nokias Hammer-Smartphone ja schon in Planung.


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