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Interview

Colin Angle: iRobot-Chef: Darum sollte man 1000 Euro für einen Saugroboter ausgeben

Saugroboter erobern unsere Wohnungen. Der stern sprach mit iRobot-Gründer Colin Angle darüber, warum sich 1000 Euro für einen Staubsauger lohnen, über fiese Datenspione in der Wohnung und das Schwarze-Teppich-Problem.

Colin Angle mit seinem Top-Modell unter dem Arm.

Colin Angle mit seinem Top-Modell unter dem Arm.

Die Roomba-Staubsauger von iRobot sind unter Saugrobotern das, was ein Mercedes einst unter den Autos war. Colin Angle ist Vorstandsvorsitzender und CEO von iRobot. Er gehört zu den Gründern. Die drei Absolventen des MIT wollten Roboter für die Erforschung des Weltraums und das Militär entwickeln. Doch 2016 verkaufte iRobot seine Militär- und Sicherheitsroboter-Sparte und konzentriert sich seitdem darauf, dem Schmutz im Haushalt den Kampf anzusagen.

Herr Angle, iRobot ist der Marktführer für Roboter-Staubsauger. Ihr Top-Modell kostet 1000 Euro. Man kann sich aber auch ein Modell aus China kaufen. Das kostet keine 300 Euro.

Wir sind sehr darauf fixiert, das beste Gerät zu bauen. Unsere Preisspanne geht bei 300 Euro los und endet bei 999 Euro. Wir sind überzeugt, dass auch unsere Geräte für 300 Euro hervorragend sind. Je teurer, umso mehr Features und Innovationen haben sie – bis dieses Preisschild von 999 Euro darauf klebt.

Trotzdem: Roboter-Saugen ist teuer. Bei normalen Staubsaugern kostet ein Topgerät 200 Euro. 

Die Staubsaugerbranche ändert sich gewaltig. Schon jetzt werden 20 Prozent des Geldes im Markt für Robo-Sauger ausgegeben, dieser Marktanteil wächst in jedem Jahr um 20 Prozent. Und der Boom nimmt weiter an Fahrt auf. Das Wachstum in den betrug im ersten Halbjahr über 30 Prozent!

Und haben Sie keine Angst vor billigen Konkurrenzprodukten?

Es ist ganz normal, dass es ein günstiges Einstiegssegment gibt. Das wird das Wachstum dieses Marktes noch vergrößern. Leute steigen mit einem billigen Gerät ein und wechseln dann auf ein hochwertigeres Produkt. Unsere Strategie ist es nicht, etwas besonders Billiges anzubieten. Wir wollen neue und bessere Features entwickeln.

Auch bei Ihnen ist in Sachen Perfektion das Ende noch nicht erreicht. Auch Ihr bestes Gerät - das für 999 Euro - hat große Probleme mit meinen dicken schwarzen Teppichen.

Das Schwarze-Teppich-Problem kenne ich gut – das werden wir lösen. Das steht ganz oben auf der Liste. Als wir begonnen haben, haben 50 Prozent der Räume ein Problem verursacht, jetzt sind wir bei ein bis zwei Prozent. In Boston haben wir ein ganzes Haus gebaut, voller Herausforderungen für die und unsere Ingenieure arbeiten daran, diese Dinge zu meistern.

Und kommen Ihre Leute voran?

Ganz wichtig ist die Prozentzahl, die zeigt, wann das Saugen erfolgreich abgeschlossen wurde. Der Roomba also von allein an seine Station zurückkehrt. Es ist frustrierend, wenn der Roboter regelmäßig irgendwo stecken bleibt. Jede neue Generation muss diese Fehler-Quote reduzieren. Zuerst hatten wir Probleme mit Teppichen, die eine Fusselleiste haben. Dann haben wir eine Technik entwickelt, die es erkennt, wenn die Maschine lange Fäden verschluckt – dann drehen sich die Bürsten anders und spucken die Fusseln wieder aus. Das ist einzigartig bei uns. Unser Ziel ist es, dass immer weniger Kunden sich Gedanken über den Roboter machen sollen, sobald er erstmal bei ihnen arbeitet.

Wenn ich die Schmutzbox öffne, werde ich immer etwas dreckig. Das ist bei mir wegen der Hundehaare extrem, aber das Problem haben andere Leute auch.

Sie haben Recht. Jedes Mal denken wir, da ist ein Potenzial zur Verbesserung. Wir haben den Staubbehälter etwas größer gemacht. Wir arbeiten aber daran, dass man den Behälter noch leichter rausnehmen und leeren kann. Das steht auf unserer To-Do-Liste. Aber wir wollen keine Beutel benutzen.

Wir Deutsche haben immer Angst um unsere Daten. So ein Sauger ist ja doch ein kleiner Spion, den man sich ins Haus holt.

Bei Roomba haben wir eine ganz klare und wichtige Entscheidung getroffen: Wir versprechen, wir werden niemals Daten verkaufen. Die Daten gehören unseren Kunden.

In China sind Modelle populär, die mit einer HD-Kamera filmen. Die sehen alles. Einrichtung, Weingläser – auch die Bewohner, wie sie nackt aus der Dusche kommen. Muss man da nicht Angst bekommen?

Die Daten, die man in einer Wohnung sammeln kann, können peinlich, aber auch sehr wertvoll sein. Dieses Geld wollen wir nicht verdienen. Das ist eine teure Entscheidung, und es ist eine Investition. Wenn ich mir ansehe, wohin diese Industrie geht, bin ich überzeugt, dass sich die Leute auch in anderen Ländern in Zukunft sehr viel mehr Gedanken über ihre Privatsphäre und ihre Daten machen werden. Wir glauben, dass es die richtige Entscheidung ist. Eine Firma aus China wird nie versprechen, diese Daten nicht zu nutzen. Dafür sind die Daten viel zu wertvoll.

Sie werden die Daten nicht verkaufen, aber sind die Daten bei Ihnen sicher?

Wir haben ursprünglich für die Rüstungsindustrie gearbeitet. Wir wissen, dass Software allein nicht genug ist, schon unsere Hardware wird für Daten-Sicherheit ausgelegt. Jeder Roboter hat einen Hardware-Schlüssel, der ihm eine einmalige Identität gibt. Um etwas auf dem Smartphone zu sehen, müssen die Daten zuerst in die Cloud – aber schon diese Information wird bereits auf dem Roboter verschlüsselt. Wir versuchen wirklich, sehr vorsichtig zu sein. Wir sind die einzige Firma, die so ein Statement von sich geben haben. Da verlieren wir sicher Geld, aber wir gewinnen das Vertrauen der Kunden. Natürlich, wenn man den Saugplan der Wohnung auf dem Handy sehen will, muss man seine Einwilligung zum Speichern geben. Wenn man es sich aber anders überlegt, dann haben wir die Technik, einfach alles wieder zu vergessen.

Gibt es auch unzufriedene Kunden? Was sagen diejenigen, die mit dem Gerät nicht zurechtkommen und es zurückgeben?

Ganz ehrlich, das kommt sehr selten vor. Die Zufriedenheit der Kunden ist hoch – wir haben für unsere hoch-technologischen Produkte eine geringere Rückgabe-Rate als ein normaler Staubsauger. Wir haben einen 4.8-Sterne-Status auf Amazon. Wir fragen immer, ob unsere Kunden unsere Geräte einem Freund empfehlen würden. Da haben wir ein tolles Ergebnis.

Ihre Kunden sollen also keine Probleme mit so einem Produkt haben?

Wir sagen: Wenn der Roboter klüger wird, muss er einfacher zu bedienen sein und nicht komplizierter. Unsere App haben wir nicht gemacht, damit man Kommandos gibt. Wir haben sie gemacht, weil die Zeitsteuerung sich mit der App sehr viel leichter einrichten lässt. Das müssen Sie nur einmal machen. Und dann können die Kunden sich dort die Saug-Karte ansehen. Die Karte brauchen wir nicht, damit der Roboter besser arbeitet. Die Karte ist für den Kunden da. Es stärkt das Vertrauen und die Zufriedenheit, wenn er sieht, wie sein Gerät für ihn arbeitet. 


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